Das Leben lieben – im Vertrauen auf Gottes Nähe Predigt zu Kolosser 2,12-15 von Elke Markmann

Liebe Gemeinde,

 

noch mal ganz von vorne anfangen – alle falschen Entscheidungen vermeiden, nur das Gute erleben – das wäre doch was! Manchmal in meinem Leben habe ich schon mal darüber gegrübelt, ob ich den ein oder anderen falschen Schritt hätte vermeiden können, wenn ich vorher gewusst hätte, was dabei raus kommt. Hätte ich mich anders entschieden? Und dann denke ich wieder: Was sind denn eigentlich falsche Entscheidungen? Was würde ich heute wirklich anders machen?

 

Nur selten stehen wir Menschen wirklich bewusst an Scheidewegen des Lebens. Meistens sehen wir erst hinterher, dass sich an einer bestimmten Stelle, mit einer besonderen Entscheidung etwas in meinem Leben verändert hat. Bewusste Wegkreuzungen gibt es aber auch. Es können beispielsweise bestimmte Fragen sein, ob ich jemanden heirate, ob ich ein Kind bekomme, ob ich eine bestimmte Arbeitsstelle annehme, ob ich auswandere …

Und genau diese Entscheidungen ergeben sich manchmal auch einfach so im Laufe eines Lebens. Der Predigttext für den heutigen Sonntag spricht von besonderen Veränderungen. Er spricht von der Veränderung durch die Taufe. Wir hören auf Worte aus dem Brief an die Gemeinde in Kolossä im zweiten Kapitel:

 

Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

(Luther 2017)

 

Die Taufe wird hier als etwas so Einschneidendes wie der Tod beschrieben. Mit Jesus Christus sind wir aus dem Tod ins Leben gekommen. Begraben in der Taufe, auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes. Diese Ausdrucksweise irritiert mich zunächst. Gerade wenn ich einen kleinen Täufling ansehe, will ich nicht davon sprechen, dass er oder sie in der Taufe begraben worden ist, um durch den Glauben aufzuerstehen. Um besser zu verstehen, worum es geht, müssen wir ein wenig über die damalige Zeit wissen. Als der Brief an die Gemeinde in Kolossä geschrieben wurde, wurden Menschen nicht als kleine Kinder getauft. Sie entschieden sich als Erwachsene für diesen Schritt.

 

Die Gemeinde in Kolossä stand allerdings vor einer ganz besonderen Frage:

Sie war von Paulus gegründet worden. In all ihren Schwierigkeiten hatten sie sich immer wieder in Briefen oder direkten Fragen an Paulus wenden können. Nun war Paulus gestorben und die Gemeinde ohne Instanz, die in strittigen Fragen Entscheidungshilfen und Ratschläge geben konnte. Freundinnen und Freunde des Paulus haben daraufhin der Gemeinde im Namen des Paulus geschrieben. Dieser Brief ist uns überliefert. Die Hauptaussage: durch Jesus Christus sind wir gestorben und auferstanden. Unser alter Mensch, unser altes Leben, die alten Regeln – all das ist überwunden. Mit der Entscheidung zum Christentum sind wir andere Menschen geworden. Damals hieß das: Wenn ich mich entscheide, zur christlichen Gemeinde zu gehören, lasse ich mich taufen. Die Taufe ist der bewusste Schritt weg von den alten Regeln und Lebenszusammenhängen hin zu einer neuen Gemeinschaft. Den alten Menschen gibt es nicht mehr. Die Taufe ist sein Ende – und gleichzeitig der Beginn des neuen Menschen in der christlichen Gemeinde. In dieser Gemeinschaft gibt es keine besseren oder schlechteren Menschen. Nicht nur Paulus wusste, was christliches Leben bedeutet. Jede und jeder ist mit Christus auferstanden. Jede einzelne kann Auskunft geben, was wirklich zählt und wichtig ist im Leben. Jeder einzelne kann sich auf Christus verlassen. Gemeinsam ist die theologische Grundlage.

 

Das gemeinsame Fundament steht im Brief als Eingangstext. Dort wird ein Loblied auf Christus gesungen:

 

Auszüge aus Kol 1, 15-20:

Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei. …   Auch euch, die ihr einst Fremde wart und feindlich gesinnt in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch seinen sterblichen Leib, durch seinen Tod, auf dass er euch heilig und makellos und untadelig vor sein Angesicht stelle;  wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel.

(kann evtl. ausgelassen werden oder vorher im Gottesdienst als Lesung aufgenommen werden, auf die hier noch einmal Bezug genommen wird.)

 

Die Gemeinde wird aufgefordert, sich nicht zu zerstreiten und sich nicht auseinanderbringen zu lassen. Die gemeinsame Grundlage ist das Wissen um Jesus Christus und seine Auferstehung.

 

Wenn wir heute Kinder taufen, stehen wir vor ganz anderen Fragen. Die kleinen Mädchen und Jungen, die wir taufen, haben nicht ihrem alten Leben abgeschworen, um nun in der christlichen Gemeinde ein neues Leben zu beginnen. Vielmehr leben sie oft in guten Familien, haben Eltern, Großeltern und manchmal Geschwister, die für sie da sind, die sie lieben und ihnen alles Gute wünschen. Zu allem Guten gehört dann auch die Taufe, das Versprechen Gottes, da zu sein. In der Taufe feiern wir heute Gottes Versprechen an den Täufling: Ich bin da!

Darauf vertrauen wir als Eltern und Paten, als Pfarrerin und Gemeinde: In der Taufe verspricht Gott den Täuflingen: Ich bin da für Dich! Ich begleite dich auf deinem Weg durch das Leben. Vertrau auf mich, dann wirst Du leben, egal, was Dir passiert.

 

Darin besteht genau die Gemeinsamkeit der Menschen damals in Kolossä und der Menschen heute:

Die Taufe ist die Zusage Gottes, in das besondere Heilsversprechen mit aufgenommen zu sein. Jesus Christus lebte und lehrte. Er machte sich mit seinen Worten und Taten auch Feinde, so dass er hingerichtet wurde. Er starb den Tod eines Verräters, eines Volksfeindes. Aber dieser Tod hat nicht das letzte Wort. Christus ist auferstanden. Das durften Jesu Freundinnen und Freunde erleben. Daran glaubten die Menschen in den christlichen Gemeinden in Kolossä und anderswo. Daran glauben wir heute. Der Tod hat nicht das letzte Wort! Es geht weiter.

 

Diese Gewissheit wollen wir unseren Kindern gerne mit auf den Lebensweg geben. Egal, was passiert, Gott ist für Dich da! Egal, welche Entscheidungen im Leben vielleicht nicht ganz richtig waren: Das Leben geht weiter! Aus jeder Erfahrung kann Neues entstehen. Jesus starb und stand wieder auf. So können auch wir immer wieder neue Wege finden. Dabei vertrauen wir darauf: Gott ist da! Das hat er uns allen in der Taufe versprochen. Das verspricht er heute in der Taufe, wie schon vor fast 2000 Jahren.

Amen.

 

 

Vorschläge zur Liturgie:

 

Lieder:

EG RWL 560, 1+4 O herrlicher Tag

Manchmal feiern wir mitten am Tag (z.B. „Singen von Deiner Gerechtigkeit – Gesangbuch in gerechter Sprache“. Hrsg. Domay, Jungcurt, Köhler. Gütersloh 2005)

Gottes Liebe ist so wunderbar (Lobt den Herrn – neues Schwerter Liederbuch 2011)

EG 171 Bewahre uns Gott, behüte uns Gott

 

Psalm 1 nach Hanns Dieter Hüsch

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin

im meinem kleinen Reich?

Ich sing und tanze her und hin

vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht dass ich so furchtlos bin

an vielen dunklen Tagen?

Es kommt ein Geist in meinen Sinn,

will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert

und mich kein Trübsinn hält?

Weil mich mein Gott das Lachen lehrt

wohl über alle Welt.

 

Aufforderung zum Kyrie

Wir kommen zu Dir Gott, mit allem, was uns schwer fällt, was uns belastet und auf der Seele drückt. Wir kommen damit zu Dir, weil wir auf Deine Erlösung hoffen. Erbarme Dich!

 

Zuspruch

Gott verspricht uns: Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.

Auf dieses Versprechen Gottes können wir uns verlassen und Gott dafür loben:

 

Eingangsgebet / Kollektengebet

Gott, wir kommen zu Dir. Wir sind hier mit allem, was wir können und wünschen und hoffen und fürchten. Wir sind hier, wollen singen und loben, danken und fragen, denken und beten. Komm Du zu uns, Gott! Lass Dich hören und spüren, fühlen und sehen. Amen.

 

Fürbitten

Gott, wir kommen zu Dir mit allem, was uns bewegt, mit schönen und mit schweren Erfahrungen. Wir bringen sie vor Dich und hoffen auf Klärung.

Wir denken vor Dir an die Verstorbenen. (Namen nennen) Nimm sie bei Dir auf und lass sie ihren Frieden bei Dir finden. Lass die Angehörigen nicht allein in ihrer Trauer. Zeige ihnen Wege ins Leben.

Wir denken vor Dir an die Getauften. Die neu getauften Menschenkinder begrüßen wir in unserer Gemeinschaft. Wir wünschen ihnen und uns, dass wir Deine Nähe, Gott immer wieder spüren und erfahren.

Wir denken vor Dir an die Menschen, die es schwer haben im Leben. Sei ihnen nahe. Lass für sie ein Licht von Ostern aufstrahlen, damit sie das Leben sehen – in aller Lebensschwere.

Wir denken vor Dir an die Menschen, die uns wichtig sind. In der Stille bringen wir unsere Sorgen und Ängste, unseren Dank und unsere Freude vor Dich.

Stille

Wir vertrauen auf Dich, Gott! Amen.

 

 

Lesung: Mk 16, 9-14