Ein Freund, ein guter Freund – Predigt zu Lukas 11,5-13 von Andreas Schwarz

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;

denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

 

Im Johannesevangelium 15,14 sagt Jesus zu seinen Jüngern:

Ihr seid meine Freunde.

 

Und in dem alten deutschen schwarz-weiß-Film singen die drei von der Tankstelle:

Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt.
Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den es gibt.
Sonnige Welt! Wonnige Welt! Hast uns für immer zusammengestellt! Liebe vergeht, Liebe verweht, Freundschaft alleine besteht! Ein Freund, ein guter Freund,
das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund,
auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt. Ein Freund, ein guter Freund,
das ist der größte Schatz, den es gibt.

 

Wie arm, wenn du keinen Freund hast.

 

Schüler nennen solche Leute: MoF – Mensch ohne Freunde. Wie grausam.

Wo doch jeder Freunde braucht. Neben dem Ehepartner. Neben der Familie. Einen Freund, mit dem man fröhlich ist und feiert. Dem man zuhört, wenn er sich aussprechen möchte. Dem man Ratschläge gibt, wenn er sie braucht. Der einem hilft, wenn man es alleine gerade nicht schafft. Den man einfach mal anruft, wenn einem danach ist. Von dem man vielleicht lange nichts hört, aber der am Geburtstag doch an einen denkt. Mit dem man so manches Schöne erlebt hat. Mit dem man manches Traurige durchgestanden hat. Der treu ist und zuverlässig. Auf den man sich verlassen kann. Der einen zu verstehen versucht und nicht verurteilt. Bei dem man so sein darf, wie man ist, wo man sich nicht verstellen muss.

Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt.
Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den's gibt.
 

Da traust du dich sogar, nachts anzurufen, selbst mitten in der Nacht hinzugehen und ihn um einen dringenden Gefallen zu bitten. Das wird der vielleicht nicht gut finden. Müde ist er und womöglich ein bisschen unfreundlich, aber das verstehst du sicher. Vielleicht denkt er sich – oder sagt es auch – wenn ich dir nicht helfe, wirst du keine Ruhe geben. Also helfe ich dir, damit ich meine Ruhe kriege. Bei Tag besehen tut das nicht so gut und wirft kein so schönes Licht auf eine Freundschaft. Aber bei Nacht besehen, wo man nicht so klar denken kann, wo man sich um den nötigen Schlaf der Kinder sorgt, da empfindet man schon mal so. Freude werden es nicht nachtragen. Für den Moment sind sie zufrieden, das bekommen zu haben, was sie gerade brauchen. Wir ungelegen und mürrisch auch immer: Der Freund wird dich nicht im Regen stehen lassen, er wird dich nicht wegschicken, ohne geholfen zu haben. Du würdest es doch genau so tun, für deinen Freund, für deine Freundin. Um einen Gefallen bitten, weil ihr befreundet seid. Einen Gefallen tun, weil ihr befreundet seid. Das kennt ihr alle, ihr habt Freunde, ihr seid Freunde. Ihr seid meine Freunde, sagt Jesus. Und sie erleben es, was es heißt, mit Jesus befreundet zu sein.„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen.“ Sie haben erlebt, wie gut es ihnen tut, ihn als Freund zu haben. Der für Brot gesorgt hat, als Menschen hungrig waren. Der den Sturm gestillt hat, als sie im Boot auf dem See um ihr Leben gebangt haben. Der Kranke geheilt hat, Traurige getröstet, Schuldige befreit, Verzweifelte aufgerichtet, Tote auferweckt. Weil sie ihn gebeten haben. Bittet, so wird euch gegeben; Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan. Ich höre das nicht als mathematische Gleichung. Ich höre das als Einladung. Ihr wisst doch, wie unverkrampft und offen Freunde miteinander umgehen. Das tut ihr doch alle selbst. Da kann man auch die verrücktesten Dinge ansprechen. Im schlimmsten Fall lacht man gemeinsam drüber. Aber was mir auf der Seele liegt, kann ich sagen. Nicht, weil ich weiß, ich kriege es, sondern weil er mein Freund ist. Ihr pflegt ein gutes Verhältnis mit Freunden, traut euch vieles zu sagen, zu fragen, zu bitten. Selbst mitten in der Nacht anzurufen, oder an der Tür zu klingeln. Und Jesus sagt: ihr seid meine Freunde. Er wirbt darum, alle Scheu abzulegen. Traut euch, bittet, sucht, klopft an, seid unverschämt. Ich nehme es euch nicht übel. Ihr geht mir nicht auf die Nerven. Niemals. Ich bin euer Freund. Sagt es mir, jedes Mal, wenn ihr Angst habt; wenn ihr traurig seid, wenn verzweifelt seid, wenn ihr euch ärgert. Bittet, so wird euch gegeben; Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan. In der Familie macht ihr gute Erfahrungen, von Anfang an. Euer Kind schreit mitten in der Nacht; die Mutter stillt es – im doppelten Sinn; der Vater trägt es auf dem Arm. Ihr bringt eurem Kind, was es braucht, Milch, Brei, später feste Nahrung; was immer es braucht, um wachsen zu können, um gesund zu bleiben. Niemand von euch kommt auf die Idee, sein Kind zu quälen, ihm das vorzuenthalten, was es braucht, ihm wehzutun. Niemand.

Obwohl wir alle so sind, wie wir sind; Obwohl wir einander enttäuschen, obwohl wir an unseren Ansprüchen scheitern, obwohl wir Fehler machen im Umgang miteinander, obwohl wir einander hintergehen und verletzen, obwohl wir Freundschaften und Beziehungen belasten. Obwohl wir ungerecht sind, manchmal launisch oder mürrisch mit unseren Kindern. Wir wollen das Gute für sie und tun, was wir können. Aber es gelingt nicht immer.

Bittet, so wird euch gegeben; Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan.

Es ist unser Vater im Himmel, der gibt, was wir zum Leben brauchen; der sich von uns finden lässt, damit wir wissen, wen wir bitten und wem wir vertrauen; der uns die Tür öffnet, damit unser Leben niemals in einer Sackgasse endet, sondern immer nach vorn offen bleibt, für das Leben; damit niemand sagen, er habe keinen Freund, er sei niemandem wichtig, niemand frage nach ihm, niemand vermisse ihn. Er öffnet uns die Tür der Liebe und der Zukunft. Er schenkt uns seinen Heiligen Geist. Damit wir glauben können, hoffen und lieben. Ihr seid meine Freunde, sagt Jesus. Jetzt und in Ewigkeit. Amen.