Himmelfahrt Christi - Predigt zu Offenbarung 1,4-8 von Matthias Rein

Predigt zum Tag der Himmelfahrt Christi, 10.5.2018, Festgottesdienst in der Dorfkirche „Zum Guten Hirten“ Rhoda (bei Erfurt) Predigttext Offenbarung 1,4-8 Senior Dr. Matthias Rein, Erfurt

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

 

Liebe Gemeinde,

„einfach himmlisch hier“ – so steht unter dem Foto, das mir ein Freund schickt. Zu sehen sind: Weißwurst, Mass Weißbier, blauer Himmel, Blick auf die Berge, Biergarten-Tisch und lachende Freunde.

„Einfach himmlisch hier“ – der Blick vom Berggipfel ins Tal, weite Sicht ins Land, ein Ort zum Verweilen, Schauen, Nachsinnen, dem Himmel so nah.  

„Einfach himmlisch“ - der Blick aus dem Flugzeugfenster über den Wolken der Sonne entgegen. Über den Wolken ist die Freiheit wohl grenzenlos. Man kann sich gar nicht sattsehen.

 

Einfach himmlisch auch mein Blick von der hohen Kanzel hier in der Kirche „Zum guten Hirten“ auf Sie, liebe Gemeinde: fröhliche Menschen und wunderbare Musik. Gemeinsam feiern wir die Auferstehung des Herrn, denn wir sind selbst auferstanden, wie Goethe so schön dichtet.

 

Ein Stück Himmel auf Erden über den Wolken, auf dem Berg, im Biergarten, in der Kirche – das ist wunderbar. Einfach himmlisch – der Blick, die Mahlzeit, das Fest. Ein kleines Stück des Himmels auf Erden. Ein Vorgeschmack.

Und zugleich wissen wir: So einfach geht das nicht. Der Himmel ist der Ort, wo Gott wohnt. Und da kommen wir nicht so einfach hin per Flugzeug, mit Bergsteigerkondition, per Gastwirt.

Himmel und Erde sind und bleiben getrennt, auch am Tag der Himmelfahrt Christi.

 

Von der Erde in den Himmel und wieder zurück – das wünschen wir uns. Und damit ist gemeint: von unserer irdischen Lebenssphäre mit all ihren Begrenzungen zu Gott und mit ihm wieder zurück auf die Erde. Wie kann das gehen? Wie kommen wir in den Himmel? Wie kommt Gott auf die Erde? Wie kommen Himmel und Erde zusammen?

 

Die Bibel beschreibt dies mit eindrücklichen Bildern.

Das Licht bricht durch die Wolken.

Der Blitz durchzuckt den Himmel.

Die Feuersäule reicht bis in den Himmel

Donner grollt, Wind säuselt, die Wolke verhüllt, der Regenbogen leuchtet.

Berge spielen eine Rolle. Da, wo Gott Mose begegnet, da wo Jesus vom göttlichen Glanz verhüllt wird.

Und immer wieder: die Stimme Gottes – hörbar, verstehbar, gewaltig.

Unsichtbar bleibt allerdings der, der spricht.

 

Johannes – ein Christ, der sich auf der Mittelmeerinsel Patmos aufhielt, hat gesehen, was im Himmel ist. Er steckt quasi den Kopf durch die Wolkendecke. Und er gibt uns einen Bericht davon.

 

Er schreibt zu Beginn seines Himmelsberichtes folgendermaßen:

 

„Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind,

und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Fürst der Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut

und uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern vor Gott und seinem Vater, dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Stämme der Erde. Ja, Amen.

Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“

 

Johannes zeichnet ein Bild von Christus. Das Bild zeigt einen König, einen Herrscher auf einem Thron.

Dieser Herrscher trägt die Kennzeichen des irdischen Jesus.

Er ist der treue Zeuge, der Anfechtung und Leid am eigenen Leib erfahren hat.

Er wurde durchbohrt und hat sein Blut vergossen. Er ist in den Tod gegangen.

Er ist auferstanden. Und nun herrscht er als König über alle anderen Könige, Herrscher, Mächte und Gewalten auf Erden.

Diesem König gilt Respekt, Anerkennung und Ehrerbietung.

Christus – der Weltenherrscher – so das Bild des Johannes.

 

Dieses Bild unterscheidet sich von den Bildern, die uns geläufig sind:

Christus der Wanderprediger, der Erzähler, der Heiler, der Eselsreiter, der Weinende im Garten Gethsemane. Christus, der Debattierer, der zornige Tempelreiniger.

Und am Ende der Machtlose, der Sterbende.

 

Hier nun ganz andere Farben: Licht, Glanz, Gold.

Und andere Töne: Fanfarenklänge, Hymnen, Pauken und Trompeten.

 

Was hat dieser Herrscher-Christus mit uns Menschen zu tun?

Oder anders gefragt: Wie kommen Himmel und Erde zusammen?

 

Johannes, der Himmelsseher, schaut genau hin.

Er sieht, wie Jesus mit den Menschen auf Erden umgegangen ist. Jesus wendete sich den Menschen in Not zu, voller Liebe.

Johannes sieht, wie Jesus starb. Sein Blut wurde vergossen, auf den ersten Blick umsonst.

Er sieht, was er jetzt als Himmelskönig tut. Er verschenkt die Teilhabe an seinem Königreich. Er macht alle zu Priestern an Gottes Tempel, die an ihn glauben.

 

So entfaltet sich der Himmel auf Erden:

in Christus, dem Liebenden,

in Christus, der sein Leben gibt und von Sünde befreit,

in Christus, der Menschen zu Königen und Priestern macht.

Wir werden Teil der großen Verwandlung: der erniedrigte Jesus wird zum Herrscher aller Mächte, das vergossene Blut reinigt und erlöst von der Sündenmacht, der Tote wird lebendig. Und wir mittendrin - geliebt, befreit, erhöht, so nah bei Gott wie nur möglich.

 

Johannes sieht, was war und was ist. Er sieht auch, was kommt.

Eine Wolke nahm Christus auf und brachte ihn in den Himmel. Eine Wolke bringt ihn wieder auf die Erde zurück.

Dann werden alle Menschen ihn sehen und ihn erkennen, mit eigenen Augen, mit eigenem Verstand, mit dem eigenen Herzen.

Wer ihm angehört, hat Grund zum Jubel.

Wer ihm nicht angehört, hat Grund zur Klage. Die, die ihn durchbohrt haben, so Johannes.

 

Wenn sich der Himmel auf der Erde ausbreitet, liebe Gemeinde, dann zeigt sich,

was gut und böse ist,

was Bestand hat und was vergeht,

was dem Leben dient und was dem Leben schadet.

Wir werden es sehen.

 

Wo ist er denn, der Himmel auf Erden, so unsere Frage an Christi Himmelfahrt.

 

Kann sein in fröhlicher Runde bei Freunde.

Kann sein, wenn ich allein bin auf dem Berg, den Wolken ganz nah,

kann sein jetzt hier in dieser Kirche.

 

Wir erleben den Himmel,

wo Gottes Wort zu hören und zu verstehen ist,

wo die Liebe Christi gelebt wird,

wo Gottes Geist wirkt, der Geist des Friedens, der Geduld, der Langmut, der Barmherzigkeit.

Das ist nicht an bestimmte Orte, an bestimmte Zeiten gebunden. Das ereignet sich auf der ganzen Welt, ganz im Kleinen und auch im Großen.

 

Zwei Männer stehen bei den Jüngern, als Jesus verschwindet in den Himmel. Nüchtern fragen sie: Was steht ihr da und seht gen Himmel? Ich ergänze: Da werdet ihr Christus nicht finden. Vielmehr ist er mitten unter Euch. 

 

Was, liebe Gemeinde, was haben wir nun zu tun als Königreich-Teilhaber und Priester, als Geliebte und Befreite?

Von Christus erzählen und lehren, so antwortet Jesus auf diese Frage.

Menschen auf Jesu Namen taufen, denn immerhin sind wir alle Priester.

Keine Furcht haben, denn Christus, der Herrscher über Himmel und Erde, ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende.

 

Der Himmel ist da!

 

Amen