Konfi-Impuls zu Markus 12,41-44

Konfi-Impuls zum Sonntag Okuli: Markus 12,41-44

Es geht an diesem Sonntag der „Augen“ um das Sehen, das Wahrnehmen. Dazu gehört das Sehen auf Gott ebenso wie die sensible Wahrnehmung meines Mitmenschen. Genau das tut Jesus in dieser Szene im Tempel. Die Witwe gibt von außen betrachtet wenig, aber im Horizont ihres „Vermögens“ gesehen sehr viel – nämlich ihr ganzes Leben (Mk 12,44).

Daraus könnte sich folgende Möglichkeit zur Vorbereitung des Gottesdienstes in der Konfirmanden-Gruppe ergeben:
Gemeinsam wird überlegt: Wen bewundere ich? Warum gerade diese Person? Vermutlich werden zuerst Stars genannt und die „kirchlichen Heiligen“ aus dem Religionsunterricht, von denen Konfirmanden*innen annehmen, dass Pfarrer*innen davon gerne hören. Vielleicht kommen schon hier Menschen zur Sprache, die nicht im Rampenlicht stehen (Eltern und Großeltern, Schulhausmeister oder Busfahrerin mit offenem Ohr für Jugendliche …). Wenn solche Personen in dieser Gesprächsphase noch nicht erwähnt werden, kann man in einer zweiten Runde gezielt danach fragen: Gibt es auch Menschen, die keine Stars sind und die trotzdem Wichtiges tun? Aus den Beiträgen der Konfirmanden*innen wird für den Gottesdienst eine Präsentation erstellt, die zur biblischen Geschichte hinführt. Am Ende der Predigt steht ein Beitrag der Konfirmanden-Gruppe: „Auf diese Menschen möchte ich achten …“.

Eine weitere Möglichkeit, die Perikope in den Kontext der Konfirmandenarbeit einzubringen, wäre: Jesus richtet seinen Blick auf eine Frau, die am Rande des gottesdienstlichen Geschehens steht. Oft fühlen sich auch Konfis so, als ob sie nicht „richtig“ dazugehören. Das erkennt man häufig an ihren Sitzplätzen in der Kirche, aber auch an anderen „Abständen“ zur Gottesdienstgemeinde. Dabei bringen sie sich an vielen Punkten im Konfirmanden-Jahr in das Leben der Gemeinde ein - trotz des engen Zeitkorsetts, in das viele von ihnen eingezwängt sind. Das wird aber meist von Kirchengemeinderat und der sog. „Kerngemeinde“ für selbstverständlich genommen (oft habe ich von Kirchengemeinderäten den Satz gehört: „Bei uns haben die Konfirmanden schon immer den Gemeindebrief verteilt, die Kirche geputzt, beim Seniorennachmittag Kaffee ausgeschenkt  …“). Der Predigttext könnte dazu anregen, diese praktische Gemeindearbeit der Jugendlichen zu sehen und wertzuschätzen. Vielleicht durch eine Vorstellung ihrer Gemeindepraktika oder einfach durch ein Gespräch darüber im Kirchengemeinderat verbunden mit einem Dank im Konfirmationsgottesdienst. Hilfreich sind dabei die Denkwerkstattkarten des ejw (http://www.ejwue.de/arbeitsbereiche/ejw-denkwerkstatt/konfiarbeit) – insbesondere die „Einstiegskarte“ Nr. 5 (Seriennummer 6.1.6), die Konfis und die „übrige“ Gottesdienstgemeinde zeigt und das mit konkreten Impulsfragen verbindet.

 

Ulrich Erhardt, Evangelisches Pfarramt Niederstotzingen ,