Konfi Impuls zu Palmsonntag

Zur Bearbeitung der Geschichte der Salbung in Betanien setze ich bei den drei Leidensankündigungen Jesu an und frage die Konfirmandinnen und Konfirmanden, was die Jünger ihrer Meinung nach wohl darüber gedacht haben. Woher weiß Jesus das? Warum sagt er das? Ist er verrückt? Er wird doch einen Ausweg finden? Als Gefühle benennen sie Angst, Trauer, Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit. Umstritten ist die Frage, ob die Jünger wohl verstanden haben, was Jesus ihnen sagte. Am Anfang nicht, aber dann nach der Wiederholung schon. Und: Manche blicken’s halt und andere nicht – eine jugendliche Zusammenfassung des markinischen Messiasgeheimnisses?

 

In Anlehnung an die Methode des Bibliologes erkunden wir gemeinsam den Text und vermuten dabei unter den Gästen des Simon auch ein paar von den Jüngern. Immer wieder unterbrechen wir die Lektüre und versetzen uns in verschiedene Personen hinein:

Wie fühlt sich Simon, als Jesus in seinem Haus zu Gast ist?  

Was denkt die Frau, als sie Jesus das Salböl über den Kopf gießt?  

Wie ist das für die arme Magd im Haus von Simon, diese Verschwendung mitzuerleben?  

Wie hört die Frau es, dass Jesus die Gäste zurechtweist und sie dagegen lobt; aber auch, dass sie ihn für ein Begräbnis gesalbt haben soll?


Immer wieder blitzen aus den Antworten der Neid und die Unsicherheit auf:
Neid auf die Frau, weil sie die Aufmerksamkeit von Jesus auf sich zieht und ihn so den anderen wegnimmt. Was erlaubt sie sich? Wieso darf sie das? Die Zeit mit ihm ist doch kostbar!

Neid steckt auch hinter der Frage: Warum bin ich nicht auf die Idee gekommen?

Hinter dem Zorn der Gäste gegen die Frau mit dem Salböl vermuten die Jugendlichen Unsicherheit: Warum macht sie das? Nimmt sie ihn uns weg? Warum lässt Jesus das zu? Ihm ist doch sonst so wichtig, dass man den Armen etwas gibt – und jetzt findet er eine solche Verschwendung gut? Was gilt denn nun?
Im Hintergrund klingen Erfahrungen der Jugendlichen an von Gruppen, die auseinanderbrechen, wenn ihre Identifikationsfigur nicht mehr da ist: Was passiert, wenn unser Anführer weg ist? Was wird dann aus uns?

 

Ist es denn nun Verschwendung oder nicht? Diese Frage ist für die Jugendlichen eigentlich nicht so wichtig. Zwei Schlussfolgerungen ziehen sie: Es ist nicht nur gut, den Armen etwas zu spenden, sondern auch den Menschen um einen herum (großzügig) seine Liebe zu zeigen. Und: Manchmal ist es gut, Dinge zu tun, die sich nicht „rechnen“. Bemerkenswerterweise fällt einem von ihnen dazu ein Beispiel aus der Kommunalpolitik ein: Wie beim neuen Eislinger Rathaus. Da haben auch viele gefragt: Muss das denn sein, dass es so teuer ist? Ist das nicht Verschwendung? Aber jetzt ist es da und alle finden es gut, dass die Stadt eine neue Mitte hat. Es ist halt mehr als nur ein Rathaus.

 

Miriam Guillet, Pfarrerin, Christuskirche Eislingen-Ottenbach

mit Gwendolin, Nina, Max und Maximilian