Das Mixtape des Glaubens im Dreivierteltakt – Predigt zu 1. Thessalonicher 1,2-10 von Thomas Thieme

Paulus hat Briefe geschrieben – na klar. Briefe zu schreiben war damals der Stand der Technik. Paulus schrieb Briefe, als die Kirche noch nicht erwachsen war – sie wurde es gerade. Die Kirche war eine Teenagerin und denen ist damals wie heute wichtig, was die anderen sagen. Und da macht Paulus der jungen Kirche in Thessaloniki ein super Kompliment: „Die Leute kennen euren Glauben sogar in den Nachbarorten und nicht nur da, nein, überall wo ich hinkomme, brauch ich nichts von euch erzählen, weil mir alle immer schon sagen, wie toll wir miteinander klar kommen. Und dafür danke ich Gott und zwar immer, wenn ich an euch denke – was ich ganz oft mache, dass ich an unseren Glauben denke, an unsere Hoffnung und an unsere Liebe.“

Also ich glaube, der Paulus war ein bißchen verliebt in die Gemeinde in Thessaloniki. Deswegen schickt er ihnen den Brief. Als ich Teenager war und verliebt, da haben wir keine Briefe geschrieben, da haben wir Mixtapes zusammen gestellt. So ein Mixtape ist auch der Paulustext – er ist sogar ein ganz besonderes, denn alle Aussagen sind im Dreivierteltakt. Es redet von Werk, Arbeit und Geduld bei Glaube, Liebe, Hoffnung. Die Brüder sind Geliebte und Erwählte, denen Paulus predigte im Wort, in der Kraft und mit Gewissheit. Paulus ist gerührt, dass er für die Thessalonicher zum Beispiel wurde, einem Beispiel, dass auch in Bedrängnis noch die Freude bewahrt. Zum Schluss kommt das Bekenntnis, das alle Zeit umspannt: Jesus wurde einst auferweckt und wird vom Himmel kommen, um uns zu erretten.

Das ist der Brief und wie alle Briefe von verliebten Schwärmern, liest er sich so trocken eigentlich recht langweilig. So ein Brief kann nur von dem oder von derjenigen gelesen werden, die selbst verliebt ist – die genau auf die gleiche Art fühlt (und durchdreht) wie der Schreiber.

Ich bin genauso verliebt wie Paulus – auch mein Herz schlägt im Dreivierteltakt von Glaube, Liebe, Hoffnung.Deshalb hier mein Mixtape des Glaubens.

Zuerst einmal, muss Nähe hergestellt werden, denn ich bin ja nicht dabei, wenn das Tape angehört wird. Die Stimmung ist also eher melancholisch wie bei „Mull of Kintyre“.

Ich bin weit gereist und ich hab viel gesehen. Kam bis zu dunkel abweisenden Bergen und entdeckte doch grünsatte Täler, als über der öden Vergangenheit die Sonne feurrot glühend versank und mich die Sehnsucht packte, wieder den Wind zu spüren, der an euren Bergen von der See her weht. Wenn die Sonne lacht, wenn der Regen weint, trägt es mich zu eurer Erinnerung und ich will sein, wo wir gemeinsam waren.

Jetzt braucht die Melancholie etwas mehr Kraft, damit sich der Glaube nicht in einem Luftschloss verlorener Vergangenheit einlullt. Der gemeinsame Geist muss nicht nur besungen werden – ihm muss auch neue Kraft gegeben werden im Dreivierteltakt von Metallicas Nothing else matters (mit ansteigender Lautstärke):

Wir sind uns so nah, egal, wie weit entfernt wir sind, denn die Kraft kommt nicht von uns, sondern aus dem, was in unserem Herzen ist. Vertraue ewig darauf, wer wir sind – zu was wir gemacht wurden durch IHN - Und nichts anderes ist von Bedeutung. Noch nie habe ich mich in dieser Form geöffnet. Doch Euch gegenüber kann ich es, denn wir fühlen gleich, glauben, lieben und hoffen auf die gleiche Art.  Es ist unser Leben, Christ sein ist unser Leben und wir leben es auf unsere Weise. Es sind bloß Worte, aber ich sage sie nicht einfach so, denn auch bei euch haben sie Kraft, denn auch ihr habt seinen Geist.  Und nichts anderes ist von Bedeutung.

Vertrauen suche ich und finde es in dir, Gott.  Du machst jeden Tag etwas Neues für uns. Durch deinen heiligen Geist sind wir offen für eine andere Betrachtungsweise. Und nichts anderes ist von Bedeutung. Es interessierte mich nie, was die anderen tun! Es kümmerte mich nie, was die anderen wissen, denn ich weiß es, du lebst und du liebst.

Wessen Herz bis hierher mitgeht, der hat schon begonnen, sich im Dreivierteltakt zu wiegen. Jetzt ist es Zeit, das Tempo anzuziehen von der Rock-Ballade zum Popsong. Ich wähle die knallenden Akkorde von Toto's „Hold the line“ - bitte warten Sie – ihre Liebe wird gleich verbunden:

Es ist nicht die Art, wie ihr mich haltet, - auch wenn ich mich nirgendwo sicherer fühle. Es ist nicht die Art, wie ihr sagt, ihr kümmert euch, - auch wenn ich mich nicht nirgends geborgener fühlen könnte. Es ist nicht die Art, wie ihr meine Freunde behandelt, - obwohl sie längst Freunde für euch sind. Es ist nicht die Art, wie ihr bis zum Schluss durchhaltet, - obwohl es nicht immer leicht war – nicht mit mir und nicht ohne mich. Es ist nicht die Art, wie ihr ausseht, oder sagt, das ihr etwas tut – in nichts davon unterscheiden wir uns so sehr von anderen, als in unserer Geduld. Bitte wartet – Liebe kommt nie zur rechten Zeit – (Ooohuuuooo) Liebe schenkt uns die Ewigkeit.

Jetzt ist die Klimax auf der Höhe: obwohl wir feststecken zwischen Glaube und Hoffnung. Feststecken zwischen dem Anker in der Vergangenheit – dass da mal einer lebte und starb und dann auferweckt wurde. Und dem Anker in der Zukunft, dass da einer kommen wird, uns zu retten aus der Wüste der Zeit, uns zu erlösen aus dem Widerspruch, der wir füreinander sind und uns zu befreien von den Ketten, die wir uns selbst anlegen. Diese Spannung aus einst und noch nicht ist kaum auszuhalten – aber sie setzt auch eine Kraft frei, sie gibt Mut – einen Überlebens-Mut. Ich vergesse, was um mich ist und lasse mich begeistern. Ich tue einmal nicht, was einfach wäre oder naheliegend, sondern wozu mein Glaube mich drängt, meine Hoffnung und ich tue es, weil ich Liebe.

Wer so durchdreht – wem die Verliebtheit Kraft und Flügel verleiht – der eckt auch mal an. Aber der weiß – er ist ein unbezwingbarer Streiter und er folgt dem Champion und wird einst selbst zum Meister. Der singt im hohen Chor des ganzen Stadions:

Ich hab' mein Lehrgeld bezahlt ein ums andere Mal. Ich habe meine Strafe abgesessen, aber kein Verbrechen begangen, außer zu lieben. Und an schlimmen Fehlern beging ich ein paar, denn ich bin auch nur ein Mensch.Ich war nicht so gut, wie ich sein wollte und dafür habe ich genug Dreck abbekommen, der mir ins Gesicht geworfen wurde. Aber ich hab's überlebt, ihr habt mit mir überlebt und wir sind entschlossen weiter zu machen, und weiter, und weiter, und weiter...Ich hab auch meine Verbeugungen genossen, den Applaus und den Zuspruch von euch. Ihr seid mein Ruhm und Reichtum und alles, was dazugehört. Ich danke euch allen. Aber all das ist kein Bett aus Rosenblüten gewesen, war keine Vergnügungsreise. Ich betrachte es als eine Prüfung, die es zu bestehen gilt vor aller Welt und vor dem, der sie in Händen hält!Doch ich werde nicht scheitern! Wir werden nicht scheitern, denn wir sind entschlossen weiter zu machen, und weiter, und weiter, und weiter, denn wir sind die Streiter und wir folgen dem Meister der Welt.

We are the champions – wir laufen, um zu siegen, wir leben, um zu lieben, weil unser Meister aus Liebe zu uns den Tod bezwungen hat und ein Lied gesungen hat, das uns noch heute ergreift und bewegt. Es ist ein Liebeslied, ein Lebens-Liebes-Lied und wer es hört, der kriegt neue Kraft und neuen Mut, der findet Trost und Geborgenheit. Der erfährt einen Frieden, der höher ist als all unsere Vernunft, denn sein Herz wird bewahrt genau wie Eure, so wie Eure Herzen bewahrt werden in Christus Jesus, der uns singen lässt: We are the Champions my friend.

 

Amen. Halleluja und Amen!