„Der dreieine Gott segnet dennoch uns und seine Welt“ – Predigt zu 2. Korinther 13, 11 – 13 von Michael Plathow

„Der dreieine Gott segnet dennoch uns und seine Welt“ – Predigt zu 2. Korinther 13, 11 – 13 von Michael Plathow

„Ich weiß nicht mehr aus noch ein“, so trifft mich ihr Aufschrei; gehetzt und gestresst wirkt sie, erschöpft und in sich zerrissen.. Im Gezerre zwischen Mutter, Haushalt, Beruf, zwischen Ehrenamt und Fittness-Center, zwischen Sorge um steigende Miete und Angst um sozialen Abstieg hatte sie, sich selbst optinierend, optimal funktioniert. Doch nun der Burnout und die Frage : wer bin ich?  Die Maus im Rotationsrad rotierender Rollen? Einem Roboter gleich, der, algorithmisch bestimmt, effektiktiv und effiziert ist? - Nein! -  Und da ist ein Sehnen in uns: ein Sehnen nach Anerkennung, Wertschätzung und Liebe, ein Hoffen auf Glück und Segen, ein Ahnen von Zuversicht und Heil.

 

1. Liebe Gemeinde, davon spricht der Schluß des 2. Korintherbriefes. Bekanntlich betont ein Schreiber am Schluß des Briefes noch einmal das, was ihm besonders wichtig ist. Der Apostel Paulus weist auf die Beziehung zu Gott und das Verhältnis mit Gott. Nach des Apostels Klagen über  den Konflikt, die Zerstrittenheit und Zerisseneheit in der Konrinthischen Gemeinde verheißt Paulus nun am Ende des Briefs, „zuletzt“, Gottes kraftvoll erneuernde Zuwendung Das ist das Letzte: der Segen des dreieinen Gottes, Leben fördernd und Zukunft erschließend gegen den Fluch von Uneins Unfrieden, Unversöhntheit. Und dennoch unverfügbar und unverdient wird Segen geschenkt und erfahren in dieser sich nach Segen sehnenden und Segen benötigenden Gemeinde, die ahnt: „Aller Segen kommt von oben“.

In diesem Sinn lauetet die Bitte und Zusage an die Korinther damals und an uns: heute: “Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen“.

 

a. „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch“.

Gott in Jesus Christus - so der Segensgruß - wende und wendet sich gütig und freudlich uns zu. Zukunft eröffnet er, Leben schenkt er, indem er uns durch Jesus Christus neu in seine Gemeinschaft hineinnimmt. Gegen die Selbstverschließung und Gleichgültigkeit gegenüber Gott lässt er dennoch teilhaben an seinem Segenswirken gegen zerstörerische Fluchkräfte, oft aus dem bösen Herzen des Menschen geboren – und das umsonst, aus Gnade. Aus Gnade vor einem Recht, das allein  auf selbstoptimierte und selbstbezogene Leistungen mit ihrer Effizienz  pocht.  Was meint Gnade? Man sagt: Junge Menschen fragen: was ist Gnade?, Ältere Menschen fragen: was ist nicht Gnade? Gnade erweist sich als Grund christlicher Existenz - Erfahrbar macht sich die Gnade den Glaubenden als immer schon Beschenkt- und Angenommensein..

Was meint Glauben? Glaube erweist sich als das unser ganzes Leben bestimmende Vertrauen auf den, der uns gut ist, auf Gott, Es ist der Glaube, der ins Leben führt und  auch für andere lebt.

Für den Glaubenden spiegelt sich der gnädig geschenkte Segen auch in der schöpferisches Kraft frühsommerlicher Blüte und reifender  Frucht in Pflanzen-  und Tierwelt.

 

b. „Die Liebe Gottes sei mit euch“.

Gottes Liebe wird uns in Jesus Christus erkennbar und erfahrbar. Gott, „ein glühender Backofen voller Liebe“, wie M. Luther einmal im Bild sagt, wendet sich in Jesus Christus uns zu als der Liebende  und schenkt seine Liebe. Das bedeutet Heilung und Heil im Glauben an Jesus Christus. Denn in Jesu Predigt vom Reich Gottes, in Jesu Heilen und Segnen, in Jesu Leiden und Sterben am Kreuz und in seiner Auferstehung hat Gott die Fluchmächte der Sünde und des Todes uns zugut schon überwunden. Rettend und erlösend schafft er in hingebender Liebe eine neue Wirklichkeit; denn „ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“ (2. Kor 5, 17).

 Und diese Liebe spiegelt sich wider in der neu entzündeten Liebe Liebender wie  auch in der in Blüte erwachenden Natur und in den kosmischen Farben neu entstehender Planeten. Se wird, von uns empfangen, weitergegeben in Taten der Liebe konkret bei noch so großen „Selbstbezogenheit“ in immer noch größerer „Selbstlosigkeit“, wie ein bekannter Theologe sagt (E. Jüngel).

 

c. „Die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch“.

Der heilige Geist, „Neuschöpfer, der zu Christus bringt“ (M. Luther), schafft als „Band des Friedens und der  Liebe“ (2 Kor 3, 17f)  bei Verschiedenheit und trotz Zerrissenheit Gemeinschaft und lässt Dankbarkeit und Freude in der Gemeinde erfahren. Er schenkt Geistesgaben und Geistesfrüchte. Als „Angeld“  (2. Kor 1, 22) der Hoffnung lässt er voraushoffen, was wir durch den Glauben sind „in Christus“ und was sich vollenden wird „mit Christus“ bei Gott, denn „nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2, 20). Solches Voraushoffen spiegelt sich wider im nächtlichen Gezwitscher der Vögel,  etwa deer Amseln und Rotkelchen, noch bevor das Tageslicht anbricht.

 

2. Die Gnade, die Liebe, die Gemeinschaft des dreieinen Gottes sei mit euch allen, liebe Gemeinde. Unverfügbar und zugleich näher als wir uns selbst sind,  ist er, der Schöpfer, Erlöser, Neuschöpfer in seinem Tun. Ihm sei Dank, ihm sei Anbetung im Lobpreis der Gemeinde, im Lobgesang des Alls und in unserm Denken, Reden und Tun, auf dass wir “etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit“ (Eph 1, 12)

Diese Verheißung überholt unser zerrissenes und zwiespältiges Leben und ist ihm immer schon voraus, wenn wir uns ihr anvertrauen. Es ist das grundlegende, Leben bestimmende Vertrauen auf den, der sich uns erfahrbar macht an jedem neuen Tag, dessen wir uns „versehen alles Guten und bei den wir Zuflucht haben in allem Schweren“.

Diese Veheißung wird besonders  im Gottesdienst zugesagt und erfahren. Im Gottesdienst dient der dreieine Gott uns durch die Verkündigung des Evangeliums und das Geschenk der Taufe und des Abensmahls; zugleich dienen wir antwortend dem dreieinen Gott im Dank und Lob, im Beten und Tun des Gerechten. Darum wird jeder christliche Gottesdienst in der Perspektive des dreieinen Gottes und mit dem dreieienen Gott gefeiert. Wir kommen zusammen „im Namen des Vaters und der Sohnes und des heiligen Geistes“. Weiter wenden wir uns im Sonntagsgebet des Kirchenjahres an Gott „durch Jesus Christus, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Und mit dem Schlußsegen werden wir unter dem Zeichen des Kreuzes in die Welt gesandt: „Der Herr segne dich und behüe dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden“.

Der dreieine Gott sei mit euch und ist mit euch allen. Das gilt gerade am heutigen Trinitatisfest: In die umfassende  Gnaden-, Liebes- und Gemeinschaftsgeschichte Gottes , verdichtet im Oster- und Passions, im Pfingst- und Weihnachtsfest, sind wir hineingenommen; preisend antworten wir im Gotteslob der sich Gottes heilsamem und segnendem Tun anvertrauenden Gemeinde: „Gelobet sei der Herr, des Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werte Geist“ (EG 139, 4).

 

3. Das Sich-erfahrbar-machen des dreieinen Gottes mit der Verkünndigung des Evangelium führt Menschen zusammen, schafft Gemeinde durch das Wirken des heiligen Geistes . Dieser erhält den einzelnen „im echten einigen Glauben, gleich wie er die Gemeinde und die weltweite Christenheit erhält, sammelt“ und sendet. Christen leben in und mit der Gmeinde; und wo Gott in ihrer Mitte ist, da wirkt er das Mit- und Füreinander.  Gottes Verheißung ist es, die gilt; sie wirkt, was sie sagt, am Glaubenden. „Wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht,  auch sein. Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende“ (Jes 55, 10f). Gotes Verheißung gelingt, kommt zu einem guten Abschluß, hat Glück, bringt Glück und macht glücklich. Das meint Gottes  ganz  persönlich zugesagter Segen.

Und da ist ein Sehen nach Glück und Segen in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche, ein Sehnen nach gelingem Leben, ein Ausschauen nach Segen und Segnen in glücks- und segensbedürftiger Zeit. An den Schnittstellen, den Umbrüchen, den Anfängen auf dem Lebensweg wünschen wir dies; dasselbe gilt für kirchliche Festtage: Glück und Segen wird zugesagt, Gutes. Dabei entspricht der weltliche Ausdruck Glück dem biblischen Wort Segen. Nicht Leid steht ihm entgegen, sondern allles, was mit Fluch zusammenehängt, was Leben zerreißt und Zukunft verschließt.

Und da verbindet sich mit den Wünschen für Gesundheit, Ernte, Gelingen, Wohlsein, Zufriedenheit und Freude ein Ahnen: „An Gottes Segen ist alles gelegen“, „Wo der Herr nicht das Haus baut, da bauen umsonst die daran bauen“ (Spr 127, 1), denn „die Furcht Gottes ist aller Weisheit Anfang“ (Spr 1, 7; Ps 111, 10).

Grüße und Wünsche im kirchlichen und u nd persönlichen, aber auch im gesellschaftlichen Miteinander deuten darauf:“Guten Tag“, „Grüß Gott“, „ Adieu“, „Behüt´ dich Gott“. Gutes, Glück und Segen wird gewünscht. Und bei Christen sind Wünsche zugleich Gebete, Bitten an den dreieinen Gott. Sein Segen und Segnen spiegelt sich auch wider jetzt im sommerlichen Wachsen und Ernten: bunte Blumen, frisches Grün, gesundes Wasser, saubere Luft, gelungener Hausbau, zufrieden stellende Arbeit, neue Geburt, versöhnte Partnerschaft, und weiter freiheitlicher Rechtsstaat, Sozialgesetze, Friede, Schalom.

Liebe Gemeinde, der Segen des dreieinen Gottes wird persönlich verheißen und zugesagt in  personalen Beziehungen und Begegnungen. Ein Segensroboter vermag das nicht; sein Einsatz in Wittenberg während des Reformationsjubiläums war verfehlt. Bloßes Ding, das anonym funktioniert, ist er, ohne Beziehung mit Gott, ohne Beziehung zum Anderen, zum Partner; Verheißung und Zusage des Segen vermag er nicht zu geben den Gehetzten, Zerrissenen und Gestressten, den Überforderten und Überlasteten. Nein.

Segen und Segnen verheißt und schenkt der dreieine Gott.  M. Luther beschreibt ihn konkret und  lebensnah erfahrbar in der Erklärung des Kleinen Katechismus,, bei allem gesellschaftlichen Wandel weiter geltend, „dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen und Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält, dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Partner und Kinder, Äcker, Vieh und alle Güter, mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt, und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und  Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit“; für all das ich ihn preise mit Dank für die Zusage: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“. .

 

Liebe Gemeinde des Trinitatisfeste, „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die LIebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen“; so die Verheißung und Zusage des Segen des dreieinen Gottes heute – dennoch - gegen unsere Konflikte und Spaltungen, Zerrissenheit und Zerrüttung und hinein in unser Suchen und Sehnen: der Mensch ganz durch Gottes Gnade, Liebe und Gemeinschaft.

Ihm,  dem Schöpfer, Erlöser und Neuschöpfer, dem Vater, dem Sohn und dem heiligeen Geist, sei Dank und Lob.  Amen.