Die eine Hoffnung – Predigt zu Römer 15,4-13 von Rainer Kopisch

Die eine Hoffnung – Predigt zu Römer 15,4-13 von Rainer Kopisch

Liebe Gemeinde,
 
auf dem Kinderkanal im Fernsehen war am letzten Sonntag unser deutscher Astronaut Alexander Gerst zu sehen. Für die "Sendung mit der Maus" hatte er Maus und Elefant in Puppengröße mit in den Weltraum genommen. In der Kuppel der Weltraumstation zeigte er ihnen und den Kindern am Fernseher den Ausblick auf die Erde und deutete auf den schmalen blauen Rand, der die Erde umgibt. Das ist die dünne Schicht der Luft um die Erde, erklärte er.

Er fragte: „Wie gehen die Menschen mit der Erde um?“ Er zeigte Aufnahmen aus dem Weltraum: Bilder von abgeholzten Waldflächen am Amazonas und von Smogwolken aus Abgasen über einer Großstadt.  Wir Christen glauben, dass Gott uns die Erde als Heimat für unser Leben zwischen Geburt und Tod gegeben hat.
Mit der Schöpfung hat unsere Geschichte mit Gott angefangen. Ob diese Geschichte auch für uns persönlich zur Heilsgeschichte wird, liegt an uns und wie wir unser Leben und damit unsere Geschichte mit Gott gestalten.

Die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen beginnt mit der Erschaffung des Menschen. Damit es aber eine Heilsgeschichte bleibt, hat Gott sich immer wieder zu Wort gemeldet. Darauf bezieht sich der Apostel Paulus, wenn er an die Gemeinde in Rom schreibt. Hören Sie die Verse 4 bis 13 aus dem 15. Kapitel seines Römerbriefes:

Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zur Gottes Ehre. denn ich sage: Christus ist der Diener der Beschneidung geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind. die Heiden aber sollen Gott die Ehre geben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): „Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.“ Und wiederum heißt es (5. Mose 32,43): „Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!“ Und wiederum (Psalm 117,1): „Lobet den Herrn, alle Heiden, und preisen sollen ihn alle Völker!“ Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): „Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden die Völker hoffen.“ der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Paulus nennt das Haben der Hoffnung als das Geschenk für unsere Bereitschaft, uns dem Wort Gottes zu widmen. „Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.“

Woher kommt die Geduld und der Trost der Schrift? Sie kommt von Gott, dem Gott der Geduld und des Trostes. Paulus wünscht der Gemeinde in Rom, der Gott der Geduld und des Trostes möge ihr geben, dass ihre Glieder untereinander einträchtig gesinnt seien, wie es Christus Jesus entspricht. Er nennt dies als Voraussetzung für das einmütige Lob Gottes, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Wenn sich der Wunsch des Paulus für Sie, liebe Gemeindeglieder, als sehr konzentrierend und kräftig anhört, haben Sie die Gefühlsstimmung des Wunsches zutreffend aufgenommen.

Paulus stellt die Einzigartigkeit des Gottesgeschenkes der Hoffnung als verbunden mit ihrer Wirkung auf Christen dar. Diese Hoffnung bewirkt ohne unser Zutun eine Einmütigkeit im Lobpreis Gottes. Es ist die Einmütigkeit von Christen, die um die Bedeutung der Heilsgeschichte Gottes wissen, die im Evangelium von Christus Jesus zum Ende gekommen ist.  Darum schreibt Paulus den Zusatz „wie es Christus Jesus entspricht“.

„Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zur Gottes Ehre.“ Es gibt für Christen nur die eine Möglichkeit, einander zur Ehre Gottes „und Christi“ (füge ich dazu) anzunehmen, das ist die Möglichkeit der Liebe Gottes durch uns hindurch. Da es Menschen manchmal persönlich nicht gut geht, sollten wir niemals Gegenliebe für uns selbst erwarten.

Wenn wir als Christen mit Gott leben wollen, sollten wir uns über eines klar sein: Es geht nicht um uns und unsere Wünsche, sondern um den Willen Gottes. Deswegen beten wir im Vaterunser: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Martin Luther macht uns im Kleinen Katechismus darauf aufmerksam, dass wir darum bitten, dass Gottes Wille bei uns geschieht. Oder anders ausgedrückt: dass wir nach Gottes Willen fragen und ihm folgen.

Der Apostel Paulus, auch Apostel der Heiden genannt, wuchs in einer strengen jüdischen Tradition auf, er kannte die Schriften und die Messias-Erwartungen des jüdischen Gottesvolkes. Darum ist es nicht erstaunlich, dass er die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk durch das Heilsgeschehen des Evangeliums von Jesus Christus an ein Ende gekommen und die Messias-Erwartungen erfüllt sieht.

„Das Messiasverständnis wird aus seiner nationalpolitischen und nationalreligiösen Bedeutung gelöst, und die menschheitsgeschichtliche Bedeutung des Messias wird bezeugt und entfaltet. Das ist die besondere theologische Leistung des Paulus.“ Das schreibt Walter Grundmann im Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament, Band 9 von 1973.

Paulus zeigt uns für seine neue Sicht Bibelstellen aus dem Alten Testament.

Zunächst sagt er: „Christus ist der Diener der Beschneidung geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind.“

Christus ist als Jude geboren, um die Verheißungen Gottes an sein Volk einzulösen. Er wird aber über die Grenzen des Jüdischen Volkes hinaus auch Christus der Heiden-Völker.

Paulus zitiert den Psalm 18 (18,50):  „Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.“

Dann gibt er eine Bibelstelle aus dem 5. Buch Mose (32,43) wieder: „Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!“

Und wiederum (Psalm 117,1): „Lobet den Herrn, alle Heiden, und preisen sollen ihn alle Völker!“

Alles noch einmal zusammenfassend zitiert Paulus aus dem Prophetenbuch des Jesaja (Jesaja 11,10):
„Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden die Völker hoffen.“
Es ist der zehnte Vers aus der Weissagung des Jesaja vom Messias und seinem Friedensreich.

Zu Weihnachten werden sie die beiden Anfangsverse wieder hören: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhn der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.“

Wenn Sie zu Weihnachten „Es ist ein Ros entsprungen“ gemeinsam mit anderen singen, werden Sie das erleben können, was Paulus mit einmütigem Lob Gottes gemeint hat.

Es ist das eher seltenes Erlebnis von Freude und Friede, mit Gott und anderen Menschen eins zu sein.
 
Wie natürlich ist es ein himmlisches Gefühl, das in unseren Herzen aufblüht. Es ist aber kein kindliches oder kindisches Gefühl, nur weil es uns zuerst begegnet ist, als wir noch Kind waren.

Uns Erwachsenen kann dieses himmlische Gefühl zum zentralen Gefühl unseres Glaubens werden, weil es uns bestätigt, dass wir mit unserer Hoffnung auf Gott auf dem richtigen Weg durch unser Leben sind. „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben,
dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“

Diesem Wunsch des Apostels Paulus schließe ich mich aus vollem Herzen an.

Es gibt, auch für die Zeit um das Weihnachtsfest herum, keinen besseren Wunsch

Amen

Information
Datum 16.12.2018
Perikopenreihe: 2018/2019 Perikope 1
Bibelbuch: Römer
Kapitel / Verse: 15,4-13