Gott ist verschwunden!?

Gott ist verschwunden!?

Pfarrer Karsten Böhm:

Gott ist verschwunden! Tatsächlich?

Selbst bei Hermann van Veen ist er ja nicht wirklich verschwunden und weg, sondern aus der Kirche gerannt und sitzt nun auf der Bank in der Sonne.

Zum Glück haben aber einige Gemeinden längst durchgelüftet und ich kann mir vorstellen, dass sich Gott inzwischen in vielen Kirchen wieder ganz wohl fühlen würde.

Und doch hat es der Glaube heute eher schwer.

Es gibt beides gleichzeitig: eine große Gleichgültigkeit Gott gegenüber, aber auch eine große Sehnsucht nach Gott.

Wie kann man heute Gott erleben und finden? Warum sollte ich Gott überhaupt suchen?

Fragen über Fragen.

Wir in der Andreasgemeinde sind es gewohnt, Fragen zu stellen. Und als Prediger Fragen gestellt zu bekommen, auch direkt im Gottesdienst.

Wenn Sie also eine Frage zu meiner Predigt haben, schicken Sie mir diese an:

Ich versuche dann Ihre Fragen nach der Predigt im “Nachgefragt“ zu beantworten.

Wie kann man Gott also finden, ihn erleben?

Das Wichtigste: Gott suchen, ihn erleben – das können nur Sie selbst – das kann Ihnen niemand abnehmen.

Man kann das dann so machen wie es der berühmte Mathematiker Blaise Pascal vorgeschlagen hat. Er hat die Suche nach Gott mit einer Art Wette verglichen. Und hat vorgeschlagen, einfach mal darauf zu setzen, dass es Gott gibt.

Ob es Gott gibt, kann man nämlich nur herausbekommen, wenn man sich einmal darauf einlässt. Und Pascal meinte: Wenn man das tut, kann man eigentlich nicht verlieren.

Denn selbst wenn man Gott letztlich nicht findet. Ja, dann hat zwar man nichts gewonnen, aber auch nichts verloren.

Wenn Sie aber Gott begegnen, dann haben Sie sehr sehr viel gewonnen. So wie es zwei Menschen aus unserer Gemeinde erlebt haben:

Statement 1

Video-Zuspieler

Ich bin Silja Calac. Ich bin 46 Jahre alt. Ich bin in der Schweiz geboren. Danach habe ich in Paris studiert, hab dort geheiratet und bin dann über Singapur und München hier in Eschborn gelandet. Vor drei, vier Jahren ist mein Mann dann gegangen. Dann war ich erstmal alleine, hab aber – obgleich ich das eigentlich nicht wollte – sehr schnell jemand kennen gelernt und der lebt eben in Eschborn. Bei mir gab es in der Erziehung keinen Gott. Ich wurde nicht getauft. Meine Eltern haben mir das nicht beigebracht. Ich bin als Kind nicht in die Kirche gegangen. Ich wusste, dass es etwas gab, was mir gefehlt hat.

Hab dann auch sehr viele unschöne Seiten der Kirche kennen gelernt. Das war so heuchlerische Kirche. ich als Nichtgetaufte war da immer ausgeschlossen. Und dann kam eben mein Partner und hat gesagt: „So jetzt gehen wir am Sonntag in den Gottesdienst.“ Ah, das war dann was ganz anderes. So kannte ich Christentum überhaupt nicht. Und das war toll. Das hat mich so mitgenommen. Die Menschen hier die leben das wirklich, was sie sagen. Das hat mich dann wirklich überzeugt. Und jetzt werde ich mich taufen lassen. Ich hab etwas ganz Wichtiges gefunden. Das macht mich extrem glücklich.

Pfarrer Karsten Böhm:

Silja, ich habe da noch eine Frage. Komm doch mal. Du redest davon, dass Gott dich glücklich macht. Ist im Glauben aber tatsächlich immer alles heile Segen, Sonnenschein und gut?

Silja Calac-Schneider:

Nein, natürlich nicht. Das Tolle am Glauben ist, dass mich Gott trägt, er mir beisteht, wenn im Leben gerade auch nicht alles rund läuft, eben kein Sonnenschein herrscht. Mit Gott muss ich nicht immer glücklich sein.

Pfarrer Karsten Böhm:

Vielen Dank.

Christian hat andere Erfahrungen gemacht.

Video – Zuspieler

Also mein Name ist Christian Badenhop. 48 Jahre werde ich im Juni. Ich komme aus dem Hotelfach, arbeite heute für ein touristisches Unternehmen, hab zwei Kinder, verheiratet, seit acht Jahren in Niederhöchstadt. Ich begeistere mich für Hard-Rock, Punk-Rock und Fußball. Aber meine Leidenschaft gilt eigentlich seit Jahren auch durch die Andreasgemeinde gesteuert dass ich Theater spiele wie in meiner Jugend. Komm aus Norddeutschland ursprünglich, wo man nicht unbedingt erzkonservativ jeden Sonntag in die Kirche geht. Sondern (ich bin) so großgeworden, dass das zwar irgendwo schon eine Rolle gespielt hat, aber man keine Entwicklungsschritte in Richtung Kirche gemacht hat. Dann bin ich, als ich Mitte 20 war, aus der Kirche ausgetreten. Bis vor sieben Jahren mein Vater nach ner langen Krebskrankheit gestorben ist und gerade sein Tod mir so das Gefühl gegeben hat: Ja, es ist eigentlich ganz schlimm, wenn man eigentlich keinen Halt hat. Und das hat sich dahingehend entwickelt, dass ich dann gesagt hab: „Okay, ich tret wieder ein.“ Vorher hab ich geglaubt, mich könnte gar nichts mehr in Richtung Kirche berühren.

Und das Gegenteil ist der Fall. Hier hab ich die Gelegenheit, nicht zu müssen, um diese Erfahrung zu machen. Aber ich kann. Und ohne nach links und rechts gucken zu müssen, wer das viel besser oder anders macht: ich finde meinen Weg alleine. Wie weit der geht: keine Ahnung. Ich glaub, das ist viel wichtiger als links und rechts zu gucken.

Pfarrer Karsten Böhm:

Christian, komm doch bitte mal. Du sagst, dass du bei uns in der Andreasgemeinde nichts musstest, aber viel konntest und in dieser Freiheit Gott näher gekommen bist. Das klingt so, als ob du auch ganz andere Erfahrungen gemacht hast. Stimmt das?

Christian Badenhop:

Ja, für mich hatte Glaube lange etwas mit etwas aktiv machen zu müssen zu tun. Du musst dies, du darfst jenes nicht. Erst als es hieß: Komm wie du bist und mache dich mit deinen Fragen in deinem Tempo auf deinen Weg und sei Teil der Gemeinde bei all Deinen Bedenken, habe ich mich wieder dem Thema geöffnet. Was und wie man glaubt, bleibt doch letztendlich jedem selbst überlassen. Aber ja, man fühlt sich hier vor allem gut aufgenommen.

Predigt Teil 2

Pfarrer Karsten Böhm:

Christian, das freut mich sehr. Denn wir als Andreasgemeinde verstehen genau darin unsere Aufgabe:

Räume zu schaffen, in denen sich Menschen auf die Suche nach Gott machen können. Gelegenheiten zu ermöglichen, in denen Menschen Gott finden können.

Daher feiern wir auch seit über 20 Jahren monatlich unseren GoSpecial.

Also, vielen Dank, Christian.

(Herr Badenhop geht ab. Pfarrer Böhm geht zum Stehtisch).

Pfarrer Karsten Böhm:

Denn ich bin überzeugt:

Wenn Sie nach Gott suchen, dann sind Sie schon auf dem Weg zu ihm.

Wenn Sie nach Gott fragen, sind Sie schon mit ihm in Kontakt.

Wenn Sie nach Gott rufen, bauen Sie schon eine Beziehung zu ihm auf.

Wenn Sie sich auf die Suche begeben, dann tun Sie dies aber bitte mit großer Freiheit und Gelassenheit so wie Christian.

Sie müssen Gott nicht suchen, aber Sie dürfen. Niemand muss, aber jeder kann. Und wir erleben hier, dass diese Freiheit Menschen hilft, Gott zu finden, ihm zu begegnen!

Machen Sie es ähnlich wie Christian. Gehen Sie Ihren persönlichen Weg ohne ständig nach links und rechts zu schauen. Zu fragen, wer macht es anders, wer macht es besser oder weniger gut.

Dazu möchte ich Ihnen hier in Niederhöchstadt und an den Bildschirmen Mut machen.

Um Gott zu finden, ihm zu begegnen gibt es nämlich nicht den einen Weg, sondern die Wege zu Gott sind so unterschiedlich wie wir Menschen unterschiedlich sind.

Wenn wir, die Kirche, Ihnen helfen können, Gott zu begegnen, dann freut mich das.

Aber bitte befreien Sie sich von dem Druck, etwas zu müssen, etwas Spezielles tun zu müssen, um Gott zu finden. Machen Sie lieber Ihre eigenen authentischen Erfahrungen. Lassen Sie sich bei Ihrer Suche auch Ihre Fragen und Zweifel nicht ausreden oder wegargumentieren.

Und bleiben Sie bei Ihrer Suche gelassen, damit Sie sich überraschen lassen können wie Silja!

Gott wird sich von Ihnen finden lassen auf Ihrem Weg, auf die Art, wie Sie es brauchen, wie Sie ihm begegnen können.

Denn in der Bibel verspricht Gott:

„Wenn Ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von Euch finden lassen!“ (Jeremia 29,13)

Das ist kein frommer Wunsch, sondern Gottes festes Versprechen, seine Zusage.

„Wenn Ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von Euch finden lassen!“

Wer sucht, der findet.

Wer Gott sucht, der wird ihn finden, denn Gott ist nicht verschwunden.

Davon bin ich überzeugt, denn genau dies haben zahlreiche Menschen erlebt. Wer sucht, der findet.

Daher: Überzeugen Sie sich selbst, ob Gott verschwunden ist oder ob es ihn gibt. Probieren Sie es aus, ob Gott sich finden lässt. Wetten Sie wie Pascal gewettet hat, denn was haben Sie zu verlieren? Nichts. Und wenn Sie Gott finden, dann haben Sie so wie Silja und Christian unendlich viel für ihr Leben gewonnen!

Wie Sie Gott finden können?

Wie gesagt – da gibt es ganz unterschiedliche Wege. Da gibt es nicht den einen, richtigen Weg.

Aber es gibt gute Erfahrungen, die viele Menschen gemacht haben, Hinweise, wie andere Menschen Gott gefunden haben und vielleicht hilft es Ihnen, so Gott auch auf die Spur zu kommen.

Beten Sie beispielsweise doch einmal oder wiedermal zu Gott. Setzten Sie sich auf eine Bank und reden Sie mit ihm wie mit einem guten Freund. Erzählen Sie ihm, was Sie beschäftigt, was Sie ärgert, wo Sie vielleicht Hilfe brauchen. Gott hört Ihr Gebet und antwortet darauf. Manche sagen: Gott ist ganz nahe, er ist immer nur ein Gebet weit entfernt.

Oder lesen Sie einmal in der Bibel. Vielleicht bleiben Sie dann im Neuen Testament an einer Aussage Jesu hängen, die Sie beschäftigt, die Sie herausfordert. Vielleicht spricht eine biblische Geschichte genau von Ihnen und Ihrem Leben. Wir Christen erleben, dass Gott uns immer wieder in der Bibel begegnet.

Oder besuchen Sie doch wiedermal einen Gottesdienst mit der Erwartung, Gott dort zu begegnen. Ich vermute: Ein Lied wird Sie bewegen, ein Gebet berühren, ein Satz der Predigt Sie ansprechen. Denn in einem Gottesdienst möchte Gott Ihnen nahe kommen.

Noch eine gute Nachricht zum Schluss – vielleicht die schönste Nachricht überhaupt:

Wenn Sie aufgehört haben nach Gott zu suchen. Zu oft in Ihrem Leben von Gott und Kirche enttäuscht wurden. Oder warum auch immer keine Lust haben, sich auf die Suche nach Gott zu machen. Dann dürfen Sie wissen, dass Gott nie aufhören wird, nach Ihnen zu suchen! Gott hat so große Sehnsucht nach Ihnen, dass er den Himmel verlassen hat und in Jesus Christus Mensch wurde, um Ihnen nahe zu kommen. Gott ist auch auf der Suche nach Ihnen.

Mein Wunsch für Sie: Wetten Sie auf Gott und machen Sie sich auf die Suche, vielleicht zum ersten Mal, vielleicht wieder einmal.

Wer Gott sucht, kommt ihm schon nahe. Und beim Suchen sowie beim Finden braucht es keine Voraussetzungen. Man muss es wagen. Wer sucht, der findet - so wie Silja und Christian es erlebt haben.

Und wenn Sie zum Suchen nicht die Kraft haben, dann lassen Sie sich von Gott finden.

Ich wünsche mir für Sie persönlich, dass Sie sich dann auf eine Bank setzen können und Gott neben Ihnen Platz nimmt, den Arm um Sie legt, mit Ihnen gemeinsam in die Sonne blinzelt und Sie gemeinsam das Leben genießen – denn Gott möchte, dass Ihr Leben gelingt! Amen.