Hirtensonntag – Predigt zu Johannes 10, 11-16 von Matthias Petersen

Hirtensonntag – Predigt zu Johannes 10, 11-16 von Matthias Petersen

(Musik zum Eingang)

Begrüßung

Gemeinde: Morgenlicht leuchtet (455)

Psalm 23

Gloria Patri

Votum

Kyrie eleison

Votum

Gloria in excelsis

Gruß

Gebet

Lesung: 1. Petrus 2, 21-25

Gemeinde: Der Herr ist mein getreuer Hirt  (274)

Lesung: Johannes 10, 11-16

Credo

Gemeinde: Ich möchte, dass einer mit mir geht  (209)

Predigt: Johannes 10, 11-16

Gemeinde: Gott hat das erste Wort  (199)

Abkündigungen

Gemeinde: Gott gab und Atem  (432)

Fürbitte

Vaterunser

Gemeinde: Christ ist erstanden  (99)

Segen

(Musik zum Ausgang)

 

Begrüßung

 

Jesus: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“  (Jh 10)

Misericordias Domini – das Erbarmen des Herrn – Hirtensonntag

 

Herzlich Willkommen!

Wer kann Orgel spielen?

A capella – einfach versuchen

 

Im Namen Gottes des Vaters

und des Sohnes

und des Heiligen Geistes

 

Amen

Eingangsgebet

in deinem haus bleiben

gott

immerdar

das wollen wir gern

das wünschen wir uns

heimat zu haben in deiner nähe

dort zu hause zu sein

 

darum bitten wir auch heute morgen

in diesem gottesdienst

dass du zu uns kommst

in unser beten und singen

in unser reden und hören

 

darum bitten wir

in jesu namen

 

amen

johannes 10, 11-16

gnade sei mit euch und friede von gott unserem vater und dem herr jesus christus amen 

liebe schwestern und brüder

 

es gibt eine art von herablassender kommunikation bei der geht mir das messer in der tasche auf

ich meine zb diese  von manchen schlichten zeitgenossen witzig gemeinte dumm-dämlich-dreiste anmache herr pastor – ihre schäfchen warten der so redende will ausdrücken die sind ja doch ein bisschen dumm  diese christenmenschen ich dagegen bin ein aufgeklärter zeitgenosse ein toleranter noch dazu ich gönne jedem tierchen sein pläsierchen ich seh das anders ich behaupte dagegen wer so herablassend redet  der ist weder aufgeklärt noch tolerant sondern schlichtweg ein wenig unterbelichtet denn er bedient dabei das vorurteil dass a alle schafe dumm sind und christenmenschen sowieso und dass b diese dummen schafe diese dummen christenmenschen willenlos einem führer hinterhertrotten dabei im alten wie auch im neuen testament steht die metapher von hirt und schafen für ganz etwas anderes das sind starke bilder die damals jeder verstand der hirt steht für den starken beschützer den mutigen und selbstlosen verteidiger der  schwachen der könig saul war so einer dieser legendäre erste könig israels zunächst hirt dann könig dann kommt als nachfolger der könig david auch er zunächst hirt dann so etwas wie ein räuberhauptmann später  in der erinnerung israels bis heute der große übervater der nation stark und schwach fromm und unfromm eine schillernde figur einer mit ecken und kanten ein mensch eben kein heiliger wie saul wird auch er zum hirten seines volkes nirgendwo wird dabei unterstellt dass schafe dumm wären aber gegen manche gefahren sind sie eben wehrlos gegen wölfe zum beispiel das erfahren wir gerade in schleswig-holstein gegen löwen ohnehin einer muss sie verteidigen und das ist ein lebensgefährlicher job sowohl saul zumindest bevor er geistig umnachtete aber dann ganz besonders david stellen sich dieser aufgabe ohne rücksicht auf die eigene person ohne rücksicht auf das eigene leben  als der evangelist johannes diese worte berichtet worte die er jesus in den mund legt da will er sagen so wie die großen hirten israels ihr land verteidigt haben wie sie das volk verteidigt haben das ihnen anvertraut war so setzt sich jesus  mit seiner ganzen existenz mit seinem ganzen leben ein für die gemeinde  er erinnert damit an die lange lange tradition seines volkes nicht nur an die geschichtliche

auch an die theologische tradition denn hirten das waren nicht nur die könige einer sagenhaften vergangenheit ein hirte ein guter hirte seiner schafe das ist gott selbst der herr ist mein hirte mir wird nichts mangeln seit zweieinhalb tausend jahren finden menschen mit diesen worten trost und ermutigung in not und gefahr und ob ich schon wanderte im finsteren tal ich fürchte kein unglück das alles möchte ich  gerne jenen unterbelichteten zeitgenossen erklären denen die da ihre milden schäfchen-witze erzählen aber sie würden es wohl nicht verstehen stattdessen will ich lieber die frage stellen ob nicht diese verführbarkeit die da uns christenmenschen süffisant unterstellt wird ob die nicht eine ganz akute und hochgefährliche gesamtgesellschaftliche wirklichkeit beschreibt  ich frage gibt es eigentlich irgendeinen unsinn der nicht von irgendwelchen menschen behauptet verbreitet und geglaubt wird heute mit lichtgeschwindigkeit und übers internet und der nicht sofort auch geglaubt wird von tausenden hunderttausenden sogenannten followern

da gibt es verschwörungstheorien ohne ende

  • dass es bielefeld gar nicht gibt
  • dass zwei jahrhunderte des mittelalters von historikern einfach dazu erfunden wurden
  • dass die kondensstreifen von flugzeugen in wirklichkeit als eine heimliche vergiftungsaktion der bevölkerung veranlasst wurden
  • dass masernimpfungen der perfide versuch der regierung sind, die bevölkerung auf chemischem weg gefügig zu machen
  • dass außerirdische längst in ufos gelandet sind und uns heimlich ausspionieren

dazu gehört für mich auch obwohl ich damit einen shitstorm riskiere der glaube an wünschelruten  globuli erdstrahlen an die heilkraft von edelsteinen  und vieles vieles mehr  ich denke manchmal der glaube an die auferstehung jesu christi  ist dreimal deutlich besser belegt als all das an was eine  angeblich  aufgeklärte  gesellschaft heute glaubt  karl rahner der scharfsinnigste  katholische  theologe des letzten jahrhunderts hat  in der ihm eigenen bissigkeit schon vor 50 jahren geschrieben man glaubt gar nicht was man alles glauben muss wenn man nicht glaubt wohl wahr  die bibel  dagegen  ermutigt zum gebrauch des  kritischen verstandes alles prüfet sagt paulus und das gute behaltet  von jesus wird überliefert sie werden euch sagen gott ist da oder gott ist hier geht nicht hin und lauft ihnen nicht hinterher  die bibel ist ein dokument kritischen glaubens ein dokument das den analytischen verstand des menschen nicht nur nicht ausschließt sondern bewußt in anspruch nimmt und fordert

die bibel setzt die mündige gemeinde als leitbild voraus  die bibel ist damit aber auch ein dokument des vertrauens denn glaube heißt ja nicht etwas für wahr zu halten was sich nicht beweisen läßt  sondern glaube heißt zu leben aus dem tiefen vertrauen heraus dass gott es gut meint mit mir gutes und barmherzigkeit  werden mir folgen mein leben lang und ich werde bleiben im hause des herrn  immerdar  aber die frage die dieser abschnitt des evangeliums stellt ist ja noch eine zweite diese frage heißt wem kann ich trauen und wem trau ich lieber nicht

diese frage hat ja angesichts der trumps und orbans der gaulands und der bolsonaros nichts von ihrer aktualität und dringlichkeit verloren  im gegenteil  als ob die menschheit nichts  aber auch gar nichts gelernt hätte  aus ihren erfahrungen mit den führern   und verführern   des 20. jahrhunderts  man möchte  manchmal schier verzweifeln  ob dieser unfähigkeit  also die notvolle frage wem dürfen wir vertrauen gute hirten sind dringlichst gesucht ein erstes kriterium könnte heißen ein guter hirte drängt sich nicht nach dem job die propheten israels sie waren alles andere als glücklich über ihre berufung mose reklamiert nicht reden zu können jona läuft weg jeremia meint er sei zu jung jesus schließlich bittet gott lass den kelch an mir vorübergehen gute hirten müssen überredet werden bis sie sich schließlich ihrer aufgabe stellen aus der einsicht heraus verantwortung übernehmen zu müssen für die not der menschen nicht mein sondern dein wille geschehe ein zweites kriterium  gute hirten verzichten auf privilegien sie reklamieren keine sonderbehandlung für sich ein großteil der sympathien die die welt für den römischen papst franziskus hegt beruht doch auf seiner bescheidenheit auf seiner anspruchslosigkeit in materiellen dingen vögel haben nester sagt jesus füchse haben  gruben aber der menschensohn hat nicht einmal einen ort  wo er sein haupt hinlegen könnte

ein drittes kriterium

gute hirten halten widersprüche aus gute hirten umgeben sich mit starken mit widerständigen mitarbeitern sie wissen niemand kann alles wissen darum wollen sie auch die anderen stimmen hören sie holen die gegner an den tisch und bleiben mit der opposition im gespräch an jesu tisch saßen sie alle die gewaltbereiten  politischen akteure  wie simon zelotes jakobus und johannes der verräter judas der leugner petrus der zweifler thomas

und schließlich

gute hirten eröffnen neue chancen sie behaften ihr gegenüber nicht mit den fehlern der vergangenheit sondern sind bereit zum risiko und schenken neues vertrauen  weide meine schafe so soll jesus es zu petrus gesagt haben zu petrus dem versager weide meine schafe und überträgt ihm die verantwortung für die junge  gemeinschaft  gehet hin in alle welt so sagt jesus schließlich zu den jüngern gehet hin in alle welt und lehret alle völker er behaftet sie nicht bei ihrem versagen sondern schenkt ihnen neues vertrauen und damit neues leben  versteht ihr warum mir die  dummen  flachwitze über den pastor und seine schäfchen so auf den zeiger gehen weil erstens gute hirten sind keine verführer sondern starke vorbilder und starke beschützer und zweitens die gemeinden  so sieht sie die bibel das sind starke mündige kritische menschen die sich im vertrauen auf einen liebenden gott mutig den herausforderungen dieser welt stellen

amen

fürbitten

lasst uns gott danken

für seine gegenwart unter uns

im wunder der schöpfung

in der erfahrung guter menschen

in dem geist der uns belebt

lasst uns gott bitten

für glaubwürdige leitung

für integere verantwortungsträger

für überzeugende vorbilder

für eine mündige gemeinde

für kritische christen

für eine engagierte und glaubwürdige kirche

für die gäste unserer gemeinde

dass sie hier etwas spüren vom frieden der natur

von der liebe gottes zu seiner schöpfung

für die menschen die hier leben

dass sie die große fülle des lebens erfahren

in ihrer kleinen gemeinschaft

für alle kranken und sterbenden

für trauernde und verzweifelte

für die suchenden

und für die

die meinen schon alles zu wissen

für uns selbst

dass gott uns begleite in diese neue woche

und dass er segne unser tun und lassen

lasst uns beten

wie jesus christus selbst es uns gelehrt hat

Information
Datum 05.05.2019
Perikopenreihe: 2018/2019 Perikope 1
Bibelbuch: Johannes
Kapitel / Verse: 10,11-16