Konfi-Impuls zu Josua 3, 5-11.17 – (1. Sonntag nach Epiphanias) von Gerlinde Feine

Josua 3 gehört zu den Texten, die durch die Perikopenrevision neu in die Liste der Predigttexte aufgenommen wurden, und dies gleich anstelle des Evangeliums (Mt 3, 13-17; Taufe Jesu), das im kommenden Jahr Predigttext sein wird. Ihm musste Mt 4, 12-17 (Beginn der öffentlichen Wirksamkeit Jesu; seither Reihe III) weichen. Die Geschichte vom Durchzug der Stämme Israels durch den Jordan wird hier Teil des Klangraums „Taufe“ und ist insofern klug gewählt, weil sie (anders als etwa die Naeman-Erzählung) nicht an das Bild vom Reinigungsbad anknüpft, sondern mit der Epistel (Röm 12,1-9) korrespondiert, wo es um Heiligung und Dienst geht.

Man muss nicht den Urtext bemühen, um die textkritischen Probleme zu bemerken. Der Konfirmandengruppe, die diesen Impuls mit vorbereitet hat, kam die Geschichte auch in neueren Übersetzungen im wahrsten Sinne des Wortes „komisch“ vor. Der Text sei „unlogisch“ und „kompliziert geschrieben“.

Auch die Figur des Josua war ihnen fremd. Bei einigen verschmolz er mit Jesus. Dass das Volk Israel nach der langen Zeit in der Wüste ja irgendwie noch ins Gelobte Land ziehen und dabei (wieder) ein Gewässer überqueren müsse, war selbst den Hochverbundenen mit langer Kinderkirchvergangenheit nicht bewusst. Die Parallele zur Exoduserzählung fiel niemandem auf, sie wussten aber, dass die Bundeslade die Steintafeln mit den 10 Geboten enthielt, die am Sinai in Empfang genommen worden waren. Das Wunder finden sie dennoch seltsam, weil sie mit der Heiligkeit, die die Lade umgab, nichts anfangen können. Außerdem fällt ihnen auf, dass nur Männer die Lade tragen (und auch sonst nur Männer handeln)

Bezüge zur Taufe ergeben sich durch:

  • Das Wasser. Auch wenn die Menschen hier nicht nass werden.
  • Das heilige Zeichen des Bundes mit Gott
  • Der Übergang vom Alten zum Neuen
  • Durchs Wasser ziehen, um ins Gelobte Land zu kommen
  • Bewahrt und gerettet werden
  • „groß sein“ bei Gott
  • (sich) heiligen: innerlich und äußerlich der Nähe Gottes im eigenen Leben entsprechen

Für die Konfis ist die Geschichte ein Beispiel tiefen und unerschütterlichen Vertrauens, und zwar in beide Richtungen: Josua und die Seinen vertrauen Gott ganz und gar. Und Gott wiederum vertraut Josua, traut ihm die Führung zu und verspricht, ihn „groß“ zu machen

Folgerungen für den Gottesdienst:

  • Den Predigttext nicht einfach verlesen (lassen), sondern noch einmal in verständlicher Weise nacherzählen, dabei Brüche und Anschlussfehler glätten und, wo nötig, Informationen zum Kontext geben
  • Auf geschlechtergerechte Sprache achten
  • Parallelen zum Exodus aufnehmen, z. B. durch eines der Erzähllieder, eine Schriftlesung oder eine Textcollage (auch denkbar mit anderen „Wasser“ oder Tauftexten)
  • Tauferinnerung:

Mit langen, blauen Tüchern einen „Grenzfluss“ durch den Raum legen, der am Ende der Predigt überquert werden kann.

Auf der dem Altar abgewandten Seite könnten all die Dinge abgelegt werden, die nicht zum Neuen Leben passen (Zettelkörbchen, Stifte)

In der „Flussmitte“ erinnert ein Spiegel an die, die „die Lade tragen“ – also Menschen, die mir auf meinem Glaubensweg helfen (z. B. Paten, Eltern, Freund*innen, Lehrer*innen…).

Auf der „anderen Seite“ sollte es etwas Schönes geben (Blüte, Keks, Milch und Honig…)

 

Ideen zur Vorbereitung und Weiterarbeit: 

  • Themeneinheit „Bibel“ die Eigenheiten des Textes vermitteln, Motivik erklären, Hintergründe erkunden
  • Themeneinheit „Gott“ bzw. „Gottesdienst“ über das Stichwort „heilig“ nachdenken: Was ist mir heilig? Wo erfahre ich Gott / erlebe heilige Orte? (vgl. Arbeitshilfe von Stefan Kammerer: „Thema ‚heilig‘? Oder: ‚Kann man Gott spüren?‘“, Bezug über rpi Karlsruhe: https://nanopdf.com/download/rpikarlsruhe-konfirmandenarbeit-ideen-fr-konfi-und_pdf)
  • Themeneinheit „Taufe“: z. B. korrespondierend zu Röm 6,35 einspielen