Konfi-Impulse für den Gottesdienst zu Markus 10, 17-27

Konfi-Impulse für den Gottesdienst zu Markus 10, 17-27

Konfi-Impulse für den Gottesdienst zu Mk 10, 17-27:
Dem Predigttext geht die Geschichte von der Kindersegnung Mk 10,13-16 voraus. Die verbindende Klammer besteht in der Frage, was nötig ist, um Anteil am Reich Gottes zu bekommen. Jesus nennt unbedingtes Vertrauen zu Gott, über das die Kinder noch verfügen und das die Erwachsenen erst wieder einüben müssen, indem sie sich von den Dingen lösen, die sie vom eigentlichen Lebensziel ablenken.
Das Gespräch mit dem Reichen verläuft in mehreren Schritten: Zunächst verweist Jesus auf die Zehn Gebote als Richtschnur für ein gottgefälliges Leben. Dann lädt er den Fragenden ein, sich ihm ganz anzuschließen. Schließlich reagiert er auf die Bedenken der Jünger mit dem Sprichwort vom Kamel, das eher durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Reicher (dem es nicht gelingt, sich von seinem Besitz zu lösen) in den Himmel käme.
Für die Jugendlichen ist Geld und Besitz erfahrungsgemäß ein großes Thema. Wie viel Taschengeld bekomme ich? Was kann ich mir leisten? Viele hoffen auf Geldgeschenke bei der Konfirmation, um sich „große“ Wünsche zu erfüllen. Der Vergleich mit den anderen ist wichtig; Markenklamotten, der eigene Fernseher / Computer, die Spielekonsole, das Spezialfahrrad, die Handyflatrate sind Statussymbole. Wer darauf verzichtet, riskiert, nicht mehr dazuzugehören. Ein Ruf in die Nachfolge, der davon ausgeht, auf Geld und Besitz zu verzichten, wird als Überforderung verstanden. Die Jugendlichen fragen nach einem Ausweg, einer zweiten Chance für den jungen Reichen (und damit für sich selbst). Sie hinterfragen u.U. auch den Wohlstand unserer christlich geprägten Kultur und den Reichtum der Kirche.
Daß Gottes Reichtum an Liebe schwerer wiegt als unsere Anhänglichkeit an Geld und Besitz, ist daher für die Jugendlichen die wichtigste Botschaft dieses Textes.
1. Impuls: „Jesus, he knows me“ (für Konfis und Gottesdienst)
Die Popgruppe Genesis veröffentlichte 1991 den Song: “Jesus, he knows me” (aus dem Album „We can’t dance“, vgl. http://www.youtube.com/watch?v=EprQGmZ3Imw/ Text: http://www.magistrix.de/lyrics/Genesis/Jesus-He-Knows-Me-10221.html), in dem sie die Machenschaften und die Verlogenheit von Fernsehpredigern satirisch verarbeitet. Insbesondere das Video enthält viele Anspielungen auf Bereicherungsmöglichkeiten mit religiösen Versprechen (ausführlicher: http://en.wikipedia.org/wiki/Jesus_He_Knows_Me).
Ausgehend von diesem Beispiel erörten die Jugendlichen die Frage, was für sie glaubwürdiges Christsein ausmacht, wie Christinnen und Christen mit dem Wohlstand umgehen können, der ihnen anvertraut ist, warum Kirche Geld braucht, obwohl das Evangelium umsonst ist usw.
Die Gedanken der Jugendlichen zur Frage: „Was macht Christsein glaubwürdig?“ werden festgehalten und können in die Predigt einfließen oder schon als Präfamen der Verlesung des Predigttexts vorangestellt werden.
Wenn möglich: Satzanfänge vorgeben und Aussagesätze von den Jugendlichen selbst im Gottesdienst vorlesen lassen (oder auf einem Plakat ausstellen): „Für mich heißt Christsein…“ oder „Glaubwürdig bin ich, wenn ich…“ (Bsp. „meine Versprechen halte“, „mich für andere einsetze“, „niemanden anlüge“, „meinen Eltern Danke sage“) – erfahrungsgemäß nennen die Jugendlichen Kriterien, die die 10 Gebote interpretieren und befinden sich damit genau auf der Ebene des Predigttexts.
2. Impuls: „Leben ohne Geld?“ (für Konfis und Gottesdienst)
Näher noch als Heidemarie Schwermer mit ihrem „Sterntaler-Experiment“ (http://projekte.free.de/gibundnimm/) dürfte den Jugendlichen die Geschichte von Öff!Öff!, TüTü und den Schenkern liegen (http://de.sevenload.com/videos/U5SbRsO-Leben-ohne-Geld-Die-Waldmenschen). Dass junge Menschen in unserer Gesellschaft freiwillig ohne Geld, Versicherung und den selbstverständlichen Komfort einer beheizbaren Wohnung mit fließendem Wasser leben, irritiert und fordert zur Stellungnahme heraus. Was habe ich, worauf ich verzichten könnte? Was brauche ich unbedingt zum Leben und zum Glücklichsein? Auf welches Verzichts-Element könnte ich mich einlassen?
Die Jugendlichen werden zu einem Experiment eingeladen: Sie überlegen sich etwas, das ihnen sehr wichtig ist (Handy, Computer, angesagte Getränke o.ä.) und versprechen sich selbst, bis zum Sonntagsgottesdienst darauf zu verzichten. Das Experiment wird im Gottesdienst erwähnt, aber ob sie mit ihrem Verzicht Erfolg haben oder nicht, wird nicht abgefragt. Es geht lediglich um das Gefühl, wie schwer oder leicht es fällt, etwas wegzulassen, um sich in die Situation des reichen Jünglings hineinzuversetzen.
3. „Nichts ist unmöglich“  (für Konfis und Gottesdienst)
In der Predigt sollte man darauf verzichten, den Spruch vom Kamel und vom Nadelöhr zu interpretieren, um der Kernaussage nicht ihre anstößige Schärfe zu nehmen.
Im Gespräch mit den Jugendlichen können mögliche Deutungen genannt werden (zB Übersetzungsfehler, Stadttorhypothese usw.), um dann zu fragen: „Jesus wollte ausdrücken, wie unwahrscheinlich das ist, was der Reiche machen soll. Wir haben dafür auch Sprichwörter und Redensarten. Fallen euch welche ein?“ – Beispiele sammeln (zB „Eher friert die Hölle zu, als daß…“ / „Bevor das passiert, wird St. Pauli Deutscher Meister…“ usw.) und im Gottesdienst erzählen (lassen).
4. Konfirmation ohne Geschenke? (nur Gottesdienst)
In jedem Jahr bittet das Gustav-Adolf-Werk um eine sogen. „Konfirmanden-Gabe“ als Solidaritätsgeste mit den KonfirmandInnen in der Diaspora, deren Gabentisch nicht so üppig gedeckt sein wird wie hier. Vielfach werden auch erlebnispädagogische Maßnahmen, Konfifreizeiten etc. finanziert. Die Konfiprojekte sind auf den Homepages des GAW nachzulesen, zB www.gaw-wue.de; dort gibt es weiterführende Links zur Konfirmandenaktion. Wer für die Predigt nach Konkretionen sucht, wie Gottes Liebe, die größer ist als unsere Bereitschaft, auf Besitz zu verzichten, bei uns Gestalt gewinnen kann, findet hier Anregungen, die der Lebenswelt der Jugendlichen nahe kommen und auch die Älteren im Gottesdienst interessieren dürften (nicht zuletzt, weil zumindest die Kriegsgeneration sich noch an ähnliche Erfahrungen erinnert).