Wappnen gegen die Angst vor dem Durcheinander - Predigt zu Epheser 6,10-17 von Katrin Berger
6,10-17

Wappnen gegen die Angst vor dem Durcheinander - Predigt zu Epheser 6,10-17 von Katrin Berger

Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels, (des Diabolus).

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. (Eph 6,10f)

Wir haben zu kämpfen, wir haben uns zu wappnen, wir müssen stark sein.
Wir werden bedroht von dem Bösen, das wir überwinden sollen mit dem Guten. (Röm 12,21)
Wir haben zu kämpfen, wir haben uns zu wappnen.
Zieht über die Waffenrüstung Gottes, denn das Böse ist mitten unter uns.

Das Böse, das mal aussieht wie das Gute, mal aussieht wie das Bessere.
Das Böse, das verwirrt, verleumdet, verwirft, was sicher war.
Diabolisch wirkt, als Person Diabolus, der Durcheinanderwerfer, genannt wird.
Das Böse, das in Unordnung bringt, so dass nicht mehr klar ist: was ist böse, was ist gut.
Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns.
Von dem Durcheinander, das uns Angst macht.
So viel Angst, dass wir allen möglichen Versprechungen hinterherlaufen, fast wie fremdgesteuert.

Manche haben Angst, nicht zu leben. Also ein richtiges Leben zu haben, zu führen, zu bekommen. Ein Leben mit Bedeutung und Liebe.
Wenn wundert das schon, alles ist durcheinander, nichts ist mehr klar.
So viel hat an Bedeutung verloren, was früher Garant war für ein gutes Leben, was Garant war für unsere Identität.

Die großen Institutionen sind in Verdacht geraten: die Deutsche Bank, die Deutsche Bahn, die deutsche Demokratie, die Kirchen in Deutschland.
Bedeutungsverlust, Vertrauensverlust. Was undenkbar schien, passiert.
Auch in der Europäische Union, im Präsidentschaftswahlkampf in den USA, mit und in Russland.
Das macht einigen Angst.

Es macht manchen Angst, wie rasant sich unserer Kultur entwickelt. Rein rechtlich und oft auch faktisch macht es keinen Unterschied mehr, ob man männlich oder weiblich ist.
Einige Männer haben Angst, noch mehr an Bedeutung zu verlieren.
Ob man verheiratet ist oder verpartnert – einige haben Angst, dass die Ehe weiter an Bedeutung verliert.
Ob man Christ ist, oder Muslimin oder Atheist – einige haben Angst, dass „unsere“ Werte weiter an Bedeutung verlieren.
Ob man einen deutschen Pass hat oder einen Asylantrag stellt – einige haben Angst, dass es gar keine Bedeutung mehr spielt, wer in unsere Kassen was wann einzahlt.

Was bleibt denn da noch, wenn die „alten“ Werte an Bedeutung verlieren? Worauf soll man dann bauen und vertrauen?
UND: „Was hat das eigentlich alles mit meinem Leben zu tun?“, fragen sich manche mit Angst.
„Nichts ist mehr in Ordnung – wann kommt bei mir alles durcheinander?“
Ordnung muss Bedeutung behalten. Von Liebe und Toleranz allein kann doch keiner leben!

Aber ohne Liebe und Toleranz auch nicht.
Ohne Bedeutung für jemand anderes zu haben, ohne jemand anderem Bedeutung zu geben, oder einer Aufgabe, das ist kein Leben.

„Aber wie geht das dann?“, fragen sich manche. „Jetzt wo alles so durcheinander erscheint?“
Welche Ordnung gilt, was ist gut und was ist böse? Worauf kann ich vertrauen, wohin soll ich gehen?
Wie weit gehe ich für Liebe? Viele glauben an die große Liebe, aber oft hält sie nicht lange.
Wie weit gehe ich in der Freundschaft? Viele glauben an Freundschaft, aber beim Geld hört sie auf.
Wie weit geht für mich Solidarität? Viele glauben an Solidarität, aber für sich selbst erhoffen sie sich mehr.

Wie weit all das geht, entscheidet jeder für sich. Was bedeutend ist und was Bedeutung gibt, ist nicht mehr vorgegeben. Es gibt keine einfache Ordnung mehr, wir müssen durch das Durcheinander durch.
Das macht einigen Angst.

Manche Angst ist angemessen.
Freiheit ist immer auch Risiko und Vakuum.
Andere Angst ist böse. Wenn sie heillos verwirrt, offensichtlich verleumdet, ungeprüft verwirft, was sicher war. Wenn alles durcheinander geworfen wird, damit Menschen wie fremdgesteuert unhaltbaren Versprechungen hinterherlaufen.
Solche Angst ist ein Angriff auf das Leben, aber wir tragen eine Schutzkleidung, wenn wir durch das Durcheinander des Lebens gehen:

Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt. (Eph 6,11)
Zieht über das Kleid der Taufe, das weiße Hemd der Heilsarmee Gottes, der Union des ewigen Lebens.

So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit. (Eph 6,14a)
Setz dich und geh in dich, fühle nach, in der Lendengegend, da wo du wirklich verletzlich bist. Da wo du ganz sicher spürst, was du willst. Da ist deine Wahrheit. Wenn du sie gefunden hast, schützt sie dich.
Steh auf für das, was dir wirklich etwas bedeutet und was nicht.

So steht nun fest und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit. (Eph 6,14b)
Setz dich hin und dann denk mit dem Herzen an die anderen.
Denk nicht an dich, sondern zuerst an sie. Wenn du das nicht alleine kannst, geh zu ihnen und hör ihnen mit dem Herzen zu, bevor du mit deinem Herz an sie denkst.
Und dann denk an dich mit deinem Herz.
Und dann gib aus vollem Herzen, was du selber bekommen möchtest.

Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. (Mt 5,42)

Das ist das Mindestmaß der Liebe. Das ist der Panzer der Gerechtigkeit, der dein Herz vor den Pfeilen der Angst schützt. Der Angst, dir könnte selbst Unrecht geschehen.

So steht nun fest an den Beinen gestiefelt, bereit einzutreten für das Evangelium des Friedens. (Eph 6,15)

Setz dich vorher hin und zieh dir gute Schuhe an. Schreib dir auf die Schnürbänder:
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Mt 5,9[i])

Du hast einen weiten Weg vor dir. Deine Füße werden dich weit tragen müssen, durch Wüsten und auf hohe Berge, durch dunkle Täler und Schlamm und Dreck.

Aber Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. (Ps 91,11f[ii])

Und trotzdem musst du dich darauf vorbereiten.
Frieden ist nicht leicht und Frieden ist nicht hier, aber hier fängt es an. Also steh fest und sei bereit.
Das Evangelium des Friedens ist ein Ausdauersport.

So steht nun fest und ergreift vor allen Dingen den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen. (Eph 6,16)
Setz dich weg, schirm dich ab, lass manches erst gar nicht an dich ran.
Es hat nichts mit dir zu tun.
Gott hat dich geschaffen, er wollte dich so, wie du bist.
Gott hat dich erlöst, er wollte, dass du frei bist vom Bösen. Dass du frei bist vom Tod, frei wirst von dem, was alles schwer war.
Gott hat dich berufen, deinen Weg wahrhaftig und gerecht zu gehen. Daran kann die Welt, die Kultur, die Wirtschaft, die Politik nichts ändern.
Setz dich hin und schirm dich ab und dann steh wieder auf.

Steht nun fest und nehmt den Helm des Heils. (Eph 6,17ab)
Setz dich hin und schütze dein Gedächtnis, schütze deine Sinne und zähl eins und eins zusammen. Damit du in den kleinen Dingen wahrnimmst, was Großes bedeutet.
Hör genau hin: In der Nacht, in der … (1.Kor 11,23)
Und sieh genau hin und schmecke, wie freundlich unser Herr Jesus Christus ist. (Ps 34,9)
Der Kelch des Heils aus dem wir trinken, lässt uns unseren Kopf sicher behalten, das Haupt erheben zu dem, der unser Haupt und Heil ist.
Also steh auf und steh fest.

Steht nun fest und ergreift das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph 6,17c)
Setz dich hin und lies, was dir und allen gesagt ist:
Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. (Mt 6,44)
Wehre ab die Gedanken der Revanche, des Hasses und des Neides.
Wehr ab die Gedanken in dir, dass du die Ordnung wieder herstellen musst,wenn alles Durcheinander geht.
Setz dich hin und lies.
Unser Vater im Himmel lässt lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. (Mt 6,45b)

Setz dich hin und bete, damit du das richtige Wort erwidern kannst, wenn es darauf ankommt das Leben der anderen zu erhöhen.
Wenn es darauf ankommt zu sagen: Es muss anders gehen, weiter gehen, höher und tiefer.
Gott ist anders, Gottes Reich ist anders, ganz anders. Weder fair oder nur gerecht.
Gottes Reich ist die Kraft und die Herrlichkeit, Gottes Reich ist die Liebe und die Vollkommenheit in Ewigkeit.

Lies und bete, um das Durcheinander mit dem Wort Gottes in böse und gut zu zerteilen.
Steh fest, neben den anderen, stellt euch auf, in der Waffenrüstung Gottes.
Stark und gewappnet. Und lebt ohne Angst.

 

[i] Taufspruch 1

[ii] Taufspruch 2