Predigt zu Römer 16,15-27 von Anke Fasse

Predigt zu Römer 16,15-27 von Anke Fasse

Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest (05.01.2014) über Röm 16, 25-27

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,
ausgebrannt, müde und erschöpft – so fühlen sich viele Menschen, immer wieder im alten und wahrscheinlich auch im neuen Jahr. Der Terminkalender ist randvoll. Die Pflichten und Aufgaben reißen nicht ab. Der Druck, alles zu schaffen, ja gut zu schaffen, ist groß. Das gilt für den Beruf. Immer mehr Kreativität ist gefordert. Das gilt für das Familienleben. Schließlich soll der Kindergeburtstag auf keinen Fall langweilig sein, dass Essen mit den Freunden stimmungsvoll und raffiniert, und das Sportprogramm ist zu absolvieren, denn es sorgt für Fitness und Gesundheit. Allen Anforderungen von außen und innen gerecht zu werden, ist ganz schön anstrengend. Da fühlt man oder frau sich schon mal ausgebrannt, müde und erschöpft.
Was kann helfen? Natürlich gibt es da viele Möglichkeiten. Eine Auszeit von all diesen Pflichten. Tapetenwechsel. Zeiten und Formen, Ruhe und Entspannung zu finden. Vielleicht durch Spaziergänge. Vielleicht durch Yoga oder Meditation. Vielleicht durch Musik. Vielleicht durch….
All das ist gut. Aber es gibt da eine Kraft, die den Menschen auf eine ganz andere Art und Weise stärken kann. Eine Kraft, die wir uns nicht selbst geben können. Eine Kraft, die von außen kommt – Gottes Kraft.
Gottes Kraft, ist eine Kraft, die mir zusagt, Du bist gewollt und wichtig.
Gottes Kraft, ist eine Kraft, die mir zusagt,  Du bist wunderbar gemacht.
Gottes Kraft, ist eine Kraft, die mir zusagt, ich stehe zu Dir, mit allen Fehlern und Schwächen.
Gottes Kraft, ist eine Kraft, die mir zusagt, ich weise dir immer wieder den Weg in die Weite zu neuen Anfängen.
Gottes Kraft, ist eine Kraft, die mich trägt, wenn ich selbst kraftlos bin. 
Gottes Kraft, ist eine Kraft, die über mich selbst hinausweist und mich zugleich zum Teil von  etwas Großem, Ganzem macht.
Und Gottes Kraft, ist noch viel mehr…
Menschen erfahren diese Kraft und leben aus ihr. Hier in unserer Gemeinde. Manche erzählen davon. Andere leben es einfach vor. Jeden Sonntag kommen vielen von ihnen zum Gottesdienst zusammen. Außerdem gibt es da natürlich die großen Vorbilder unserer Zeit und auch aus der Geschichte. Und es gibt sie die Glaubensväter und –mütter der Bibel und die Apostel. Einer von ihnen ist Paulus. Er hat sie in besonderer Art und Weise erfahren, die Kraft Gottes, die trägt und stärkt im Leben.  Sie treibt ihn an davon weiterzuerzählen, persönlich oder aber in vielen verschiedenen Briefen an die unterschiedlichen Gemeinden des frühen Christentums. So schreibt er zum Beispiel am Ende seines Briefes an die Gemeinde in Rom von dieser Kraft Gottes, die stärken kann.  Lasst uns Gott danken. Denn er kann euch stärken.
Lasst uns Gott danken. Denn er kann euch stärken. Das geschieht durch das Evangelium, das ich weitergebe. Es ist die Botschaft von Jesus Christus und enthüllt das Geheimnis, das seit uralter Zeit verborgen war, jetzt aber an Licht gekommen ist.


Gottes Kraft und das Evangelium gehören zusammen. Das ist wohl kein Geheimnis. Und doch hat es etwas Geheimnisvolles, Überraschendes, Unglaubliches.
Gott wird Mensch. Geboren als Kind im Stall in einem kleinen Dorf. Seine Eltern sind keine bedeutenden wohlhabenden Leute. Gott ist Mensch geworden. Er lebt nicht auf der Sonnenseite des Lebens, sondern ist Verfolgung ausgesetzt. Flucht und Heimatlosigkeit gehören für ihn dazu. Gott ist Mensch geworden und erlebt Versuchungen, Hunger und Durst,  Ausgebranntsein, Müdigkeit und Erschöpfung. Gott ist Mensch geworden und er sieht Gottes Ebenbild in jedem anderen Menschen. Er lässt Gottes Reich anbrechen, in dem er die Frau, die Ehebruch begannen hat nicht verurteilt, indem er dem Aussätzigen einen Weg ins Leben zurück weist, indem er Brot und Wein und alles, was er selbst ist, teilt, indem er lebt, was Vergebung bedeuten kann. Gott ist Mensch verurteilt von Menschen und ans Kreuz genagelt, erfüllt von Todesangst und Gottverlassenheit. Jesus stirbt. Gott schenkt neues Leben. Er überlässt Jesus, ja sich selbst, nicht dem Tod. Am dritten Tag die Auferstehung von den Toten. Gott wurde Mensch und schenkt so den Menschen ALLES. Eine Kraft für die keine Beschreibung ausreicht. Das ist das Evangelium. Ein Geheimnis ist dies Evangelium, jedes Jahr zu Weihnachten wird es wieder neu erzählt, wird das göttliche Kind wieder in die Krippe gelegt. Überall auf der Welt wird es verkündet, Menschen erzählen es weiter, geprägt von ihren Erfahrungen und ihrem Umfeld.   Lasst uns Gott danken. Denn er kann euch stärken.

Danken. Es gibt verschiedene Formen seinen Dank auszudrücken, eben durch Wort und Tat. Paulus schreibt davon Gott zu ehren. Dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre in Ewigkeit.
Du sollst deine Eltern lieben und ehren… Ehre dein Vaterland…. Aber wie ehre ich Gott?
Indem ich sonntags in die Kirche gehe?
Indem ich zu ihm bete?
Indem ich die Wunder der Natur bestaune?
Indem ich meine Mitmenschen als Gottes Ebenbild achte?
Indem ich die Gebote halte (versuche zu halten)?
Indem ich Gott einen Platz in meinem Leben einräume?
Indem ich aus dem Evangelium heraus lebe – und dies weitersage?
Indem ich….
Indem ich nicht in erster Linie auf mich selbst, sondern auf Gott vertraue, denn er ist es, der mir Kraft und Stärke gibt.

Stärke – Evangelium – Ehre. Das könnten drei große, bedeutungsvolle Worte für das neue Jahr 2014 sein.
Die Stärke, die nur Gott uns geben kann. Die er uns spüren lassen will, jeden Tag, nicht nur wenn wir ausgebrannt, müde und erschöpft sind. So gestärkt wird Leben immer wieder neu und geheimnisvoll.
Denn das Evangelium bleibt oft wie ein Geheimnis, so unvorstellbar und einzigartig. Gott ist Mensch. Gott ist nah. Gott verändert mich und die Welt. Er schenkt Alles, soviel wir brauchen. Wenn wir es denn annehmen.
Ja, wenn wir mit Gott verbunden bleiben, ihm Raum geben, ihm vertrauen – ihn ehren in Ewigkeit.
Denn, nicht ohne Grund heißt es in der Jahreslosung für dieses Jahr: Gott nahe zu sein, ist mein Glück (Ps 73,28). Amen

 

Information
Datum 05.01.2014
Perikopenreihe: 2013/2014 Perikope 6
Kapitel / Verse: 16,15-27
Wochenlied: 51 72
Wochenspruch: Joh 1,14b