„Welchen Mund hast du mir zugemutet …“ - Predigt zu Jeremia 1,4-10 von Manfred Wussow
Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann?
Darf ich fragen, ob Sie Herrn Ebed-Melech kennen? Leider - er ist vergessen! Aber ab heute sollten Sie sich seinen Namen schon merken! Ausländer, dunkelhäutig, ein Kuschiter. Die Vorfahren aus Afrika. Beim König Zedekia hat er einen hohen Posten im Finanzministerium.
Seine Geschichte zu erzählen, heißt auch, eine andere zu entdecken. Die Geschichte Jeremias. Jeremia ist Prophet. Oder soll ich sagen: Prediger? Er redet im Namen Gottes – und sich um Kopf und Kragen. Gefährliche Situationen häufen sich. Jeremia prangert das Gefälle von Reich und Arm an, die Ungerechtigkeit im Lande, die Machtspiele – und dass sich die Menschen ihre Götter machen und ihnen nachlaufen. Dabei wollen sich viele, wenn schon, mit Gott schmücken und in seinem Namen gar große Politik machen. Wenn da nicht dieser Jeremia wäre…
Sogar mit königlicher Billigung wird Jeremia in eine Zisterne geworfen, der Störenfried, Defätist und Besserwisser in ein unterirdisches Wasserloch. Durch eine kleine Öffnung notdürftig abgeseilt, fällt er in den Schlamm. Er kann sich kaum bewegen. Das Atmen fällt schwer. Ein entsetzlicher Gestank. Hier soll Jeremia vermodern. Der König hat dem Drängen des Mob – übrigens alles ehrenwerte Leute mit Rang und Namen - einfach nachgegeben. Lakonisch heißt es nur: „Er ist in euren Händen; denn der König vermag nichts gegen euch.“
Aber Ebed-Melech, Zeuge dieser Untat, stürzt zum König. Ob willkommen oder nicht: Jetzt redet er!
Langsam: Heben wir uns diese Geschichte für den Schluss auf!
Hoffnungsgeschichte
Diese übel riechende Episode hat ihren Platz im Jeremia-Buch gefunden. Wenn Sie sie nachlesen möchten: im 38. Kapitel. Viele Kapitel gehen voraus. Reden, Konflikte, Hoffnungen! 38 Kapitel!
Wie alles angefangen hat? Jeremia erzählt:
Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.
(Jeremia 1, 4-10)
Ein Bewerbungsgespräch sieht anders aus! „Sein Wort geschah zu mir!“ sagt Jeremia. „Sein Wort“! Die Ebenen verwischen. Immer wieder tauchen die Worte „ich“ auf oder „mir“. Doch immer auch: ER. Es ist von einer Begegnung die Rede, die Jeremia nicht gesucht hat. Und auch nicht einfach gefunden hat. Gott spricht Jeremia einfach an. Nicht nur einmal.
Generationen von Menschen haben sich diese Geschichte angeeignet und zu ihrer eigenen gemacht. Generationen von Menschen haben sie auch gelesen und sich in ihr gefunden. In Synagogen, Klöstern und Kirchen, zu Hause, im Gefängnis, im KZ.
Geboren werden, seine Nische im Leben finden, Schmied seines Glückes zu sein, gehört zu unseren vertrauten Erfahrungen. Doch so weit schon vor der Geburt von Gott ausgesucht und zum Propheten bestellt zu sein, gar für Völker und Königreiche, wie es dem Jeremia geschieht – unheimlich. Darf Jeremia denn kein eigenes Leben haben? Keine eigenen Träume? Es ist, als ob Gott selbst seine eigene Weite, gar seine Ewigkeit in dieses Leben legt – und sich seinem Propheten Jeremia so anvertraut, wie ER ist. Wie ER!
Du kommst aus meinem Herzen. Ich liebe dich. Du warst noch nicht geboren. Ich aber sah schon deinen Weg. Du wusstest noch nicht, wie du heißt. Ich hörte schon, was du sagst.
Mich wühlt diese Geschichte auf. Jetzt soll ich sogar über sie predigen. Für wen soll ich denn jetzt sprechen – für Jeremia? Für Gott? Für mich? In welches Spiel bin ich nur geraten? Ob ich da noch einmal heraus komme?
Dass Gott tatsächlich die Traute hat, Jeremia an seinem Weg zu beteiligen, fällt sofort auf. Es ist eine Liebeserklärung für viele Menschen, die unbekannt, vergessenen oder verstoßen sind. Es ist auch eine Liebeserklärung für die Menschen, die sich verfahren haben, die scheitern, die nicht verstehen, wie sich die Dinge gegen sie verschwören. Mit den Mächtigen wird Jeremia sich anlegen müssen – den Schwachen wird er eine Stimme geben. So übermächtig die Völker und Königreiche die Atlanten auch ausfüllen - bei Tageslicht besehen passen sie auf eine Seite. Mit jedem Menschen, der – Hunger hat!
Wie alles anfängt
Verzeihen Sie, ich habe Ihnen den Vorspann der Geschichte Jeremias vorenthalten. Darf ich Ihnen die Geschichte ein wenig anders erzählen als in der Bibel überliefert? Mit Überraschungselementen und einer gehörigen Portion Mut? Sie werden schnell merken, in welche Richtung es geht – und gehen kann. Dies sind meine Worte! Zu mir geschah das Wort des HERRN im 15. Jahr der Kanzlerschaft Angela Merkels, im 4. Jahr der Präsidentschaft Donald Trumps und im 6. Jahr des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm,
zur Zeit, als ein neuartiges Virus, Corona, die ganze Welt überzog, viele Nationen Unternehmen und Menschen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten, die Kirchensteuereinnahmen in Deutschland zurückgingen und weltweit über Rassismus diskutiert wurde
Und des HERRN Wort geschah zu mir …
Immer zu jung
Nicht zu taugen, ist eine mutige Auskunft. Jeremia unterbricht den Redefluss Gottes? Ob die Nummer zu groß ist oder vielleicht auch einfach nur zu früh kommt? Ich würde es gerne wissen, gerne auch erzählen. Aber alles ist nur angedeutet, hingehaucht. Doch! Ein Augenblick wird festgehalten: „Ich bin zu jung“.
So einfach sich das anhört – es ist eine zauberhafte Formulierung. Zu jung heißt eigentlich: zu klein, zu unbedeutend, zu unwichtig. Aber die Übersetzung „zu jung“ ist andererseits zu genial, um sie zu klein zu reden. Denn „jung sein“ bedeutet, wachsen zu können, nicht fertig zu sein, noch neu anzufangen. „Jung sein“ drückt Weite aus, aber auch Wagnis, Offenheit, aber auch Unbekümmertheit. Jeremia sagt nicht nur, er sei „zu jung“ – er muss jung sein (und jung bleiben), um sich von Gott anstecken zu lassen und: um ihn überhaupt aushalten zu können!
Später wird Jeremia klagen, Gott habe ihn verführt. Bezirzt wie ein junges Ding. Einfach hereingelegt.
Rainer Maria Rilke schrieb 1907 ein Jeremia-Gedicht:
Welchen Mund hast du mir zugemutet, damals, da ich fast ein Knabe war: eine Wunde wurde er: nun blutet aus ihm Unglücksjahr um Unglücksjahr. http://rainer-maria-rilke.de/090013jeremia.html
Das Bild ist eindrücklich: Mund – wund. Blutig geredet.
Allerdings: Den leisen Schrei, die verhaltene Bitte hören wir auch: Hilf mir! Lass mich nicht allein! Da rührt Gott Jeremias Mund an. Die Hand ist leer und offen. In der Hand liegen keine Worte. Keine fertigen Formulierungen. Keine ausgereiften Argumente. Einfach leer! Aber die Berührung ist zärtlich.
Wie er die Berührung empfindet und was sie mit ihm macht, erzählt Jeremia nicht. Doch gar nicht so lange danach, als er sich in das Getümmel wirft, es mit Autoritäten und Institutionen aufnimmt, weiß er sich getragen. Ihm wachsen die Worte zu. Er findet sie, er formt sie, er steht für sie ein. Es sind seine Worte. Dass er dann alles, was er sagt, sagen kann als Gottes Wort, überrascht ihn, überrascht andere, überrascht uns bis heute.
Gelernt hat es Jeremia nicht. Dabei muss er jedes Wort bewähren und für jedes Wort geradestehen. „So spricht der Herr“ - wollen Sie einmal zählen, wie oft Jeremia das sagt? Einige Menschen in seiner Umgebung sind dabei richtig glücklich – andere sehen darin nur eine Kampfansage und blecken mit den Zähnen.
Dass Jeremia auch die Einsamkeit, gelegentlich sogar die Verlorenheit Gottes mittragen muss, konnten nur die wenigsten ahnen. Gott kann mit jedem Wort verlieren, das in seinem Namen gesagt und gewagt wird. Unbeteiligt ist Jeremia dabei auch nicht.
Obwohl doch „zu jung“, sieht Jeremia oft alt aus. Er beobachtet alles – und eckt an. Er muss sich rechtfertigen – und findet kein Gehör. Er muss mahnen – und wird totgeschwiegen. Er setzt sich für Recht und Gerechtigkeit ein – und wird als Feind diffamiert. Er weiß um das Unheil in der Welt – und die Fachleute und Berater reden alles schön.
Auserwählt und ausgesondert
In unseren Straßenbildern, Nachrichtensendungen und Arbeitswelten taucht die große Welt tatsächlich täglich auf. Mit vielen Sprachen, Gesichtern und Traditionen. Manchmal ist die Welt so klein, dass sie in meine Tasche passt – und manchmal so groß, dass ich mich in ihr verliere. Dass wir uns nach Hoffnungsgeschichten sehnen, ahnen wir nicht nur.
Gott hat sein Volk von Anfang an und für alle Zeit auserwählt! Stellvertretend übernimmt es Jeremia, die Liebeserklärung Gottes wachzuhalten und einen neuen Bund anzukündigen. Die alte Geschichte ist verkorkst. Ob das die Hassliebe erklärt, die Jeremia entgegenschlägt? Jeremia hat doch nur gesagt, was alle wissen… schon lange wissen!
Propheten wird nachgesagt, sie würden etwas voraussagen können– also mehr wissen als die Zeitgenossen. Sie hätten geheimnisvolle, aber zuverlässige Quellen, die nicht jedermann zugänglich seien. Hat Jeremia auch etwas vorausgesagt? Ja! Das Unheil – das Unheil, das Hass, Größenwahnsinn und Ungerechtigkeit die Welt zerstören. Aber Jeremia hat auch Heil verkündet – eine neue Zuwendung Gottes. Doch da lagen schon überall die Scherben herum. Zerstörte Hoffnungen. Gebrochene Biografien.
Jeremia konnte einer der vier großen Propheten werden! Viele Menschen haben an seinem Buch – wohl auch an seinem Lebenslauf - mitgeschrieben und ihre Erfahrungen und Hoffnungen eingetragen. Mal zwischen den Zeilen, mal an den Rändern. Jeremia hatte immer Menschen um sich, die ihn stützten, gelegentlich eine Mauer um ihn bauten und ihn sogar vor sich selber schützten. Die Hand, von der in der Berufungsgeschichte erzählt wird, taucht immer wieder auf. Jeremia wird getragen. Festgehalten. Über Abgründe geleitet. Gottes Hände sehen sehr menschlich aus.
Gottes Rettung in Lumpenresten
Jetzt muss ich aber die Geschichte von Ebed-Melech weiter erzählen! Wir haben sie uns für den Schluss aufgehoben. Sie erinnern sich? Jeremia ist in eine Zisterne geworfen. Schlamm. Willkür. Machtmissbrauch. - Ebed-Melech stürzt zum König. Ob willkommen oder nicht: Jetzt redet er! Es gilt, Jeremia zu retten. Sofort! Sein Hauptargument wird tatsächlich in den Annalen überliefert: „Dort muss er vor Hunger sterben“. Dort – da drüben! Mit noch drei anderen zieht Ebed-Melech Jeremia aus der Zisterne hoch. Liebevoll wird sogar erzählt, dass er Lumpenreste und alte Kleidungsstücke herunterlässt, damit die Seile nicht so einschneiden, wenn das stinkende Häufchen Elend herausgezogen wird. Wie lange Jeremia da unten in der Hölle war? Die Akten sind verschollen, die Spuren aber nicht verwischt.
Wenn doch alle den Mut hätten, Menschen zu retten – einfach weil sie Hunger haben! Der eine kleine Satz schließt die Welt neu auf. Und eigentlich alles, was Jeremia gesagt hat. „So spricht der Herr!“ – Dass Ebed-Melech auch Gott rettet, hätte er sich nicht träumen lassen. Würde Jeremia umkommen – Gott hätte verloren. Wieder einmal mehr. Schon wieder! Und das Recht bliebe auf der Strecke wie die Wahrheit, die sich in Lüge verkehrt, wie die Gerechtigkeit, die in Ohnmacht verwandelt wird.
Aus den Augenwinkeln schiele ich nach Ebed-Melech. Er lächelt – sagen muss er nichts mehr.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn
1. Welche Predigtsituation steht Ihnen vor Augen?
Es ist ein normaler Gemeindegottesdienst in der Ferienzeit, unter Coronabedingungen zudem in Kurzform. Die Predigt möchte vielseitige und unterschiedliche Identifikati-onsangebote machen. Es gibt auch Berufungsgeschichten in der Gemeinde, die „freige-legt“ werden könnten. – Ich werde die Predigt frei halten und im Augenkontakt mit den Menschen dialogischer. Die ausformulierte und veröffentlichte Predigt ist auch eine Gesprächsgrundlage.
2. Was hat Sie bei der Predigtvorbereitung beflügelt?
Der Mensch Jeremia als Zeitgenosse! Er wird „erwischt“ und „angerührt“, er findet das eigene Wort und kann es als Gottes Wort sagen. Dann aber auch die Figur Ebed-Melechs, der von hinten in die Geschichte tritt, um die Berufung Je-remias zu retten
Beflügelt und gereizt hat mich auch, die Predigt vorab lesen und kommentieren zu lassen. Eine gute Idee!
3. Welche Entdeckung wird Sie weiter begleiten?
… dass man alt aussehen darf, wenn man „jung“ bleibt.
… dass eine fremde Geschichte die eigene aufschließt
… dass das Geheimnis Gottes pränatal ist
4. Was verdankt diese Predigt der abschließenden Bearbeitung?
Die Predigt ist konziser und klarer geworden, die Linienführung straffer. Einerseits dadurch, dass die „Erstleserin“ ins Spiel kommt, andererseits aber auch durch die längere, aber unterbrochene Vorbereitung. Die Gefahr, Gedanken immer weiter zu ziselieren und den ursprünglichen Schwung einzuhegen, ließ sich aber auch erblicken.
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Wer vertraut, der wartet. - Predigt zu Jeremia 31, 31-34 von Andreas Schwarz
Ausgangsbeschränkung für die Jünger.
Selbstgewählt und alternativlos. Da sitzen sie im Obergemach des Hauses, wo sie immer wieder zusammen gewesen sind. Die elf Jünger. Und Frauen sind auch dabei, Maria Magdalena und Johanna und Maria, die Mutter Jesu, und seine Brüder. Sie sitzen zusammen. So erzählt der Evangelist Lukas. Und beten. Vielleicht mit den Worten aus Psalm 27. Den man im Volk Israel betet. Schon immer gebetet hat. Wenn sie unsicher waren, wenn sie sich Sorgen machten, wenn sie Gott gern gehört hätten oder gespürt. Wenn sie ihn angefleht haben, sich zu zeigen, zu helfen, die Not zu lindern, die gerade auf ihnen lastet. „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ Sie sitzen zusammen, beten und gehen nicht raus. Können nicht. Wollen nicht. Wie auch? Jesus ist weg. Jedenfalls hat er sich von ihnen verabschiedet. Sie sehen ihn nicht mehr. Sie warten darauf, dass sich erfüllt, was er versprochen hat:
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“ Der ist aber noch nicht gekommen. Also warten sie. Und hoffen. Und vertrauen. Und beten.
Schöne Erfahrungen im Rücken. Große Verheißung im Ohr. Und im Herzen. „Siehe, es kommt die Zeit.“
Glauben heißt: warten.
Wir lernen das seit vielen Wochen. Wir warten. Es fällt uns schwer. Je länger, je mehr. Wir wollen eine Perspektive, am besten ein Datum. Wann ist es – endlich – vorbei? Wann ist es wieder gut, also wie vorher? Manche wollen das komplette Ende vom ‚lockdown‘. Je schneller, desto besser. Sie werden ungeduldig. Gehen auf die Straßen und Plätze. Fordern. Kritisieren. Wir wollen nicht mehr warten. Wir wollen alles. Jetzt. Sofort. Das ist unser Recht. Wir sind das Volk. Ungeduld wird laut. Lässt sich nicht zügeln und verhindern. Bricht aus und wird hörbar.
„Siehe, es kommt die Zeit.“ Können wir warten? Warten, weil wir glauben. Warten, weil wir vertrauen. Anstatt zu denken, wir müssen nicht mehr warten. Wir haben alles. Jetzt schon. Also los. Manchmal drängt sich dieser Eindruck auf. Wenn ich Verheißungsworte an das Volk Israel höre, von den Propheten verkündigt, in schwieriger Zeit, dann befürchte ich, dass Christen denken und glauben: Ja, die mussten damals warten. Die Menschen aus dem Volk Israel. 600 Jahre vor Christus. Eine grausame politische Niederlage mussten sie hinnehmen. Die Stadt Jerusalem war verwüstet. Der Tempel zerstört. Leben findet in der Fremde statt oder in Trümmern. Es gibt keine konkrete Aussicht. Wenig Hoffnung. Vielleicht die Ahnung: wir sind selber Schuld, wir haben unserem Gott nicht vertraut, obwohl wir uns immer und immer wieder daran erinnern, wie er geholfen hat. In aussichtsloser Lage. Wie er uns gerettet und befreit hat. Vor einem übermächtigen Feind. Aus Sklaverei und Unterdrückung. Auf einem langen und mühsamen Weg hat er uns durch die Wüste geführt. Er war da und er hat uns begleitet. Aber wir haben uns abgewendet. Darum ist er zornig. Was wir erleben, ist seine Strafe. So das Volk Israel.
Wenn der Prophet nun wieder Hoffnung macht und als Wort des Herrn sagt: „Siehe, es kommt die Zeit.“ Dann warten sie. Das ist ihre Geschichte. Das ist ihr Glaube.
Für uns Christen heute ist alles erfüllt. Christus ist längst gekommen. Er ist da. Und wir müssen nicht mehr warten. Ich befürchte, dass Christen so denken und glauben.
Ob, wer so denkt, spürt, wie er seinen eigenen Glauben belastet? Wenn er meint, es sei alles gut. Und dann ist es nicht gut. Das Leben ist eingeschränkt. Es ist bedroht. Fragen tauchen auf und bedrängen den Glauben. Wo ist Gott? Warum hilft er nicht, jetzt? Sofort?
Können wir zulassen, dass wir nicht über dem Volk Israel stehen, sondern neben ihm? Dass wir keinen Haken hinter Gottes Verheißung machen: Erfüllt! Sondern warten – wie das Volk Israel? „Siehe, es kommt die Zeit.“ Es kommt etwas, das jetzt noch nicht da ist. Es ist keineswegs alles gut. Die großen Verheißungen Gottes stehen aus. Auch für uns. Auch für mich. Die ungewohnte Situation, in der wir uns seit vielen Wochen befinden und die sicher auch noch lange so bleiben wird, zeigt: Wir stehen neben dem Volk Israel. Sie lässt mich beten mit den Worten Israels: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“
Dann sitzen wir im Obergemach, wo wir häufig sitzen. Und doch anders, in kleiner Zahl und weit auseinander. Mit Mundschutz, dürfen nicht singen und musizieren, wie früher. Dürfen uns nicht begrüßen und verabschieden, wie wir es gerne täten, dürfen nicht beim Kirchenkaffee zusammen sein. Sondern warten. Warten, dass kommt, was Gott versprochen hat.
Ich möchte dankbar dafür sein, wie gut es mir geht. Dass ich habe, was ich zum Leben brauche. Dass ich gesund bin und ganz eng mit vielen lieben Menschen verbunden bin. Aber ich vermisse die offene Gemeinschaft. Die volle Kirche. Den gemeinschaftlichen Gesang. Das Singen im Chor. Das Musizieren in der Bläsergruppe. Die Kinder, die fröhlich zum Kindergottesdienst gehen. Den guten Austausch beim Kirchenkaffee, beim gemeinsamen Mittagessen, beim langen Erzählen nach dem Gottesdienst draußen vor der Tür. Das alles geht jetzt nicht. Es gibt kein: Jetzt. Sofort. Wir warten. Ich warten. Das gehört zu dieser Lage dazu. Es gehört zu meinem Glauben dazu. Zu warten. Dass Gottes Verheißung sich erfüllt. Und das Leben bestimmt.
„Siehe, es kommt die Zeit.“ Und dann glauben wir nicht nur. Dann sprechen und bekennen wir nicht nur. Dann erleben wir. Dann ist Gottes Nähe nicht bloß in Büchern. Nicht bloß im Kopf und auf den Lippen. Sondern im Herzen. Und darum im ganzen Menschen. Was in meinem Herzen wohnt, bestimmt mein Leben. Was ich denke. Was ich glaube. Was ich hoffe, Worauf ich mich freue. Wenn ich liebe. Was ich liebe. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben Wie gut, dass du, Herr, diese Verheißung wahrmachst. Ich vertraue dir. Dass du es gut mit mir meinst. Dass du eine Zukunft für mich hast, auch wenn ich sie jetzt nicht sehe. Dass du mir meine Zweifel vergibst, meine Ungeduld, meine Forderungen, meine Enttäuschungen. Dass du mich auf deine Zukunft mit uns hoffen lässt; dass du mich lieben lässt, die, mit denen ich lebe, die, die leiden. Dass du mich warten lehrst. Auf die Erfüllung deiner Verheißung. Siehe, es kommt die Zeit. Mit deiner Hilfe warte ich darauf geduldig. Und bis dahin bete ich mit vielen anderen, die zu dir und deinem Volk gehören:
„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ Amen.
1. Welche Predigtsituation steht Ihnen vor Augen?
Es ist die ungewöhnlichste Zeit zum Predigen. Seit vielen Wochen entstehen Predigten ohne eine Gemeinde sichtbar als Gegenüber zu haben, nur als schriftliches Dokument und als Audiodatei. Seit 10. Mai nun für Gottesdienste in eingeschränkter Lage, mit Ab-stand, Mundschutz und ohne Singen. Aber (endlich) wieder Menschen, die gerne kom-men und gerne hören wollen und die schwierige Lage annehmen.
2. Was hat Sie bei der Predigtvorbereitung beflügelt?
Zunächst zu wissen, dass viele Menschen sich über gute und verlässliche Worte freu-en, dass sie offen sind für Verheißungen da, wo sie vertrauen.
3. Welche Entdeckung wird Sie weiter begleiten?
Die Bearbeitung von prophetischen Texten sind immer bereichernd. Für diesmal hat mich eine Bemerkung aus den GPM angeregt und darum auch die Predigt stark beein-flusst, dass wir als Christen Wartende sind. In dieser hoffnungsvollen Lage stehen wir neben Israel (nicht darüber!). Das macht biblische Prophetie aus dem AT für mich noch einmal ein Stück lebensnaher und wertvoller.
4. Was verdankt diese Predigt der abschließenden Bearbeitung?
Die überaus wertschätzende Begleitung durch meine Predigtcoachin. Alle kritisichen Bemerkungen waren für mich einsichtig und erhellend, haben mir so gut getan, dass ich den Eindruck habe, die Predigt hat sprachlich und an Deutlichkeit gewonnen. Ich bin vor allem dankbar dafür.
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Einfach heil aus zwei Kränkungen und drei Überraschungen - Predigt zu Jeremia 14, 1-9 von Markus Kreis
Liebe Gemeinde,
Sommer 2018. Hitzewelle. Viel zu wenig Wasser im Sommer. Eigentlich soll der eher sintflutartige Regengüsse bringen. Trockenheit. Dürre. Klimaerwärmung. Eisbären, Singvögel, Insekten: Sind laut Experten am Aussterben. Die Menschheit auch? Eine Arche scheint jedenfalls nicht in Aussicht. Oder besser: ein schön klimatisiertes Raumschiff.
Jeremia schildert eine Wetterkatastrophe. Die Natur leidet samt ihren Geschöpfen unter fehlendem Wasser. Alle seine Quellen in Himmel und Erde sind versiegt. Bleiben trocken. Warum? Jeremia stellt diese Frage gar nicht. Trotzdem beantwortet er sie. Das ergibt sich aus seiner Rede:
Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben.
Wassermangel und trockene Quellen, sowohl auf Erden als auch im Himmel – das soll ein Zweites bebildern: Die Menschen sind abgeschnitten von Gott als Quelle. Oder gehen zu falschen Quellen, die dem Leben feind sind. Die Wassernot bebildert schlicht und einfach die Sünde. Die Tatsache, dass die Menschen von Gott getrennt sind. Dass sie Gott weder hören noch ansprechen.
Jeremia tut eines nicht bei seiner Rede von Sünde. Er benennt keine einzelnen sündigen Taten. Punktum: Mensch und Gott sind voneinander getrennt, das muss genügen. Die Karre ist insgesamt verfahren. Es geht nicht nur ums Lenken oder Ziehen oder Schieben oder Bremsen. Es geht um das Ganze, nicht um das ein oder andere Bewegen oder Stehen.
Die Menschen sind von Gott getrennt. Das scheint damals der Fall gewesen zu sein. Sündenbekenntnis, das heißt zur guten Quelle zu gehen. Da die Hitzewelle extrem lang andauerte, ist wohl kein Mensch auf diese Idee gekommen. Außer dem einen: Jeremia. Er wendet sich der guten Quelle zu: Gott.
Jeremia fühlt sich von seinen Sünden verklagt, wie seine Landsleute. Wohl gemerkt: Nicht von Gott sieht er sich angeklagt. Ein anderes bringt ihn vor den Richter. Seine Sünden verklagen ihn. Also etwas, das Teil seines Lebens ist. Sprich durch sein eigenes altes Leben. So alt, dass es ihm fast fremd vorkommt. Nicht mehr wie sein eigenes. Seine Vergangenheit zerrt seine Gegenwart vor Gericht. Und Jeremia nimmt an, dass es vielen anderen genauso geht.
Jeremia spricht es nicht offen aus. Er erlebt einige Leute seiner Zeit anders. So nach dem Motto: Sünde? Gibt’s doch gar nicht! Oder wenn, dann sind es immer nur die anderen. Was natürlich umso mehr empört. Falls Sie eine Übereinstimmung mit der Gegenwart sehen, ist das rein zufällig und liegt keinesfalls in der Absicht des Autors.
Sich im Streit mit dem Leben hinter sich zu sehen.Ich weiß nicht, wie Sie das sehen. Ich vermute, Sie kennen das. Haben es bei anderen bemerkt. Oder selbst mal erlebt.Was mich angeht, ich kenne das: Die Vergangenheit bedrängt die Gegenwart.
Sowie bei Eltern, die ahnen, etwas falsch gemacht zu haben, wenn sie sehen, was ihre Kinder als Erwachsene so treiben. Böse Überraschung. Oder wie ein Schüler vor der Abschlussprüfung. Bisher glaubt er, mit der Methode Vier gewinnt alles im Griff zu haben. Doch jetzt muss er sich fragen: Hab ich mein Können richtig eingeschätzt? Böse Überraschung. Bilanz ziehen – und bemerken, dass sie längst nicht so gut ausfällt, wie wir meinten.
Jeremias Annahme kränkt. Mit ihr konfrontiert, drängt es einen zu entgegnen: Ich bin doch mündig. Weiß, mich vor bösen Überraschungen zu schützen. Bin dagegen gefeit. Bisher hat die Bilanz immer gestimmt. Ich bin doch nicht blöd. Weiß, mit so was umzugehen. Bösen Überraschungen aus dem Weg zu gehen.
Jeremias Annahme kränkt. Wie dann mit dieser Kränkung umgehen? Gegenangriff? Gehorsam? So tun, als wär nix? Das alles hält die Natur für den Fall eines Angriffs bereit. Und Jeremias Sätze greifen an. Böse Überraschung.
Was bleibt übrig? Die einzig echte und gute Überraschung ist dann: Ich überrasche mich selbst. Mit einem echten Sündenbekenntnis. Und spreche gehorsam, gekränkt oder nicht: 7 Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben.
Wie bitte? Gehorsam? Wieder mal zu allem Ja und Amen sagen? Auch zur Gottesvergiftung? Dazu ein Beispiel aus der Bibel.
Jesus verlässt Israel und geht in den heutigen Libanon. Da kommt eine Libanesin zu ihm und fordert lautstark Jesus auf, ihre kranke Tochter zu heilen. Jesus wehrt sie ab mit den Worten: Ich bin nur für die Israeliten da. Die Frau lässt sich nicht abspeisen, worauf Jesus sagt: Es ist nicht fein, dass man den Kindern ihr Brot nehme und vor die Hunde werfe. Die Frau erwidert: Ja Herr, aber doch essen die Hunde von den Krümeln, die von ihrer Herren Tische fallen. Und Jesus antwortete und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Die Frau reagiert auf Jesu Kränkung mit Gehorsam: Sie nimmt das Etikett Hündin an. Obwohl es sie kränkt. Obwohl Jesu Anwurf sie vom Heil weg rückt. Und gewinnt gerade so das Heil, das sie sich wünscht. Und verliert das Etikett.
Falls es einem so ergeht: Jeremia wirbt für genau diesen Gehorsam. Sieh Deinen Ungehorsam ein, Dein Ungenügen. Steh´ zu Deiner insgeheimen Kränkung. Wende Dich Gott zu. Erbitte und erhoffe seine Zuwendung. Die mit Macht und unwiderstehlich Kränkung überwindet. Dich glauben macht, dass Dir selbst in der Kränkung nur Gutes von Gott widerfahren wird. Mach ´es wie Jeremia.
Und das bedeutet gute Überraschung Nummer zwei. Lass Deinem Frust freien Lauf. Wenn es Dir, anders als der Libanesin, an Wortwitz fehlt – mach´ es noch mal wie Jeremia: Kränke als Gekränkter Gott. Gehe wie Jeremia Gott hart an, wenn er zu lange braucht. Wettere mit Gott und beschimpfe ihn. Wenn die Wendung zum Guten die Geduld überstrapaziert. 8 Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? 9 Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann?
Was Jeremia hier formuliert, das klingt ein bisschen nach politischer Wutrede. Gott lebt im Untergrund. Wie ein Gesetzloser. Gott verdrückt sich heimlich, wenn es drauf ankommt. Ein Versager, der nicht zu seinem Wort steht. Ein hilfloser Helfer. Der sozusagen David ohne Schleuder antreten lässt. Und Noah ohne Arche. Jeremia geht Gott hart an nach dem Motto: Du forderst nur, ohne das dazu Notwendige zu geben.
Jeremia kränkt Gott mit seinen Sprüchen. Er weiß, was er tut. Denn Gott geht mit Kränkung anders um als Menschen. Die fühlen sich angegriffen, sind oft beleidigt, ziehen sich zurück. Oder schlagen zurück. Gott spielt nicht die beleidigte Leberwurst.
Gott lässt die Kränkung nicht auf sich sitzen. Gott hat Humor und Wortwitz wie die Libanesin. Er münzt wie sie die Kränkung um. Jesus kränkt die Frau, indem er sie als Hündin bezeichnet. Sie weist das nicht zurück. Die Frau unterwirft sich diesem Etikett. Und nutzt es zu ihren Gunsten. Ja, ich bin eine Hündin. Und wie die bekomme ich jetzt grad mal was Gutes von Dir ab. Und so geschieht es.
Den Anwurf: Du forderst und beschämst nur! Ohne mir das dazu notwendige zu geben! Das lässt Gott nicht auf sich sitzen. Er hört auf dieses Etikett, nimmt es an. Zugleich will er so nicht gesehen werden. Er will seinem Gegenüber nichts schuldig bleiben. Und das heißt: Er tut das Notwendige. Er gibt Gutes. Damit Schluss ist mit den Anwürfen. Damit er Gutes zurückbekommt.
Jeremia kränkt Gott mit seinen Sprüchen. Das Beschimpfen packt Gott bei seiner Ehre. Und zeigt an, was Gott tun könnte. Und zwar angesichts dessen, was Gott schon Gutes getan hat. Das heißt vor allem: Gott, erneuere Du Deinen Bund mit mir. Denn ich schaffe es ja nicht. Tu du das Deine, wenn ich das Meine nicht fertig kriege. Und bloß noch blind und fahrig im Leben herumeiere.
Einfach Heil aus zwei Kränkungen und drei Überraschungen. Wenn es denn mal geschieht: Fühle Dich ruhig gekränkt. Überrasche Dich dabei selbst mit einem Sündenbekenntnis. Kränke Gott. Überraschung Nummer zwei. Denn der lässt die Kränkung nicht auf sich sitzen. Überraschung die dritte. Er bleibt einem nichts schuldig. Gott gibt das, was an Gutem fehlt. Er tut alles, um Anwürfe zu entkräften. Um sie in Lob und Dank zu verwandeln. Amen.
1. Welche Predigtsituation steht Ihnen vor Augen?
Hier kann ich – nur? – auf meinen inneren Hörer verweisen. Da ich an einer Berufsschule für Energie- und Informationstechnik unterrichte, hat mein Bild der SchülerInnen sehr wahrscheinlich unbewusst mitgewirkt.
2. Was hat Sie bei der Predigtvorbereitung beflügelt?
Die Idee, dass der biblische Autor ‚gesampelt‘, also seinen Hitzewelletext auf Basis des Sintfluttextes formuliert hat. In der Folge: die eindrückliche Schilderung der Sintflut sowie die Erweiterung auf all das, was Gottes Bundestätigkeit einschließt.
3. Welche Entdeckung wird Sie weiter begleiten?
Wenn Gott von Menschen gekränkt wird, dann zeigt er ihnen sein wahres Gesicht, das „absolut“ menschenfreundlich ist.
4. Was verdankt diese Predigt der abschließenden Bearbeitung?
Ich habe abstrahierende durch narrative Formulierungen ersetzt sowie Textelemente mit Irritationspotential für die Leser-/Hörerschaft gestrichen oder umformuliert. Außerdem habe ich der semantischen Spur der biblischen Textvorgabe den Vorrang eingeräumt, Anspielungen reduziert und auf die adressatengerechte Verwendung von Personalpronomina geachtet.
Link zur Online-Bibel
01.11.2020 - 21. So. nach Trinitatis
09.08.2020 - 9. So. nach Trinitatis
19.01.2020 - 2. So. n. Epiphanias
"Du meine Seele singe, wohl auf und singe schön!" – Predigt zu Jeremia 20,7-11a von Frank Hiddemann
1. EIN GECOVERTER PSALM
"Du meine Seele singe, wohl auf und singe schön!"
Liebe Gemeinde,
so dichtete, nein sang Paul Gerhardt. Ein heiteres Lied, ein Psalmlied, ein "gecovertes" Lied, wie Jugendliche heute sagen. Das heißt: Ein Lied, das ein altes Lied wiederholt und zugleich neu singt, den Psalm 146. Schon Luther hat ihn nachgesungen. "Lobe den Herrn, meine Seele", hat er den hebräischen Text übersetzt. "Du meine Seele singe", jubiliert Paul Gerhardt, noch etwas intimer und vertrauter mit sich selbst und seiner Seele.
Auch unser Predigttext ist ein Lied. Aber ein dunkles Lied. Ein Liebeslied, das davon singt, wie abhängig der Liebende vom Geliebten ist. Ein Klagelied. Es singt der Prophet Jeremia. Bis eben hat er im Block gelegen. An Händen und Füßen stramm gefesselt. Als er wieder frei gelassen wird, hat er nichts Besseres zu tun als seinem Peiniger ein paar prophetische Sprüche entgegen zu werfen: "In der Verbannung wirst du sterben, Jerusalem wird zerstört samt Tempel,
wo du mich jetzt festgehalten hast. Spruch des Herrn."
Später ein Moment der Stille, der Mann spürt seine Wunden und redet wieder, diesmal zu Gott:
Du hast mich verführt Gott,
und ich ließ mich verführen.
Du hast mich gepackt und überwältigt.
Jeden Tag werde ich zum Gespött,
alle verlachen mich.
Ach, sooft ich rede,
muss ich rufen,
muss ich schreien:
"Gewalt und Misshandlung".
Ja, das Wort Gottes wurde mir täglich zu Spott und Hohn.
Dachte ich aber:
"Ich will nicht mehr an Gott denken
und nicht mehr im Namen Gottes reden,
dann brannte es in meinem Herzen wie Feuer,
es erfüllte mein Inneres ganz.
Ich versuchte, dies auszuhalten,
ich vermochte es aber nicht.
Ach, ich hörte das Gerede von Vielen:
"Grauen ringsum!
Verklagt ihn!
Wir wollen ihn verklagen!"
Selbst alle Menschen, die in Frieden mit mir verbunden sind,
warten gespannt auf meinen Sturz.
"Vielleicht lässt er sich verführen,
dann können wir ihn überwältigen
und uns an ihm rächen."
Aber Gott steht mir wie ein starker, kraftvoller Mann bei.
Deshalb werden die, die mich verfolgen,
straucheln und nichts erreichen.
2. WORTE DER OHNMACHT
Du hast mich verführt, gepackt und überwältigt. Dieser Mann redet wie eine Frau, die gegen ihren Willen zur Liebe gezwungen wird. Dieser Mann braucht die Worte der Ohnmacht, um seinem Leiden Ausdruck zu geben. Wenn er die Worte Gottes reden muss, die ihn überfallen, spuckt er sie aus und sogleich fallen alle über ihn her. Sie verletzen ihn, schließen ihn in den Block. Eigentlich sind es Gottes Worte. Ihn müssten sie verletzen. Aber er, Jeremia, steht für Gott ein, gegen seinen Willen. Er könnte zwar seinen Mund halten, aber dann beginnen die Worte in ihm drin zu brennen, als seien es glühende Kohlen. Er muss sie ausspucken, die schwelenden Worte in seinem Inneren und dann trifft ihn der Zorn von außen. Eine ausweglose Situation. Alles, was helfen kann, ist ein Lied.
Aus einem Jetzt, das nicht mehr ist als ein Schrei, aus dem ausweglosen Moment werden Verse und Strophen, wird ein Bild des Leidens. Aus dem Jetzt der Verzweiflung, wird eine Wegstrecke, ein Stück Leben, das dem Verstummen abgerungen ist.
3. IN DER KUTSCHE NACH MITTENWALDE
"Du meine Seele singe, wohl auf und singe schön!" - 1651. Paul Gerhardt sitzt in einer Kutsche nach Mittenwalde. Sein ganzer Hausstand ist interwegs. Ein Teil hinten auf der Kutsche in Kisten. Ein Teil rappelt voraus. Ein Teil folgt in einem Lastenfuhrwerk. Unterwegs sein mit allem. Das ist recht für einen Christenmenschen. Wir haben hier keine bleibende Statt. Paulus lächelt. Er wird tüchtig durchgeschüttelt. Die Straße ist gut. Mittenwalde liegt an der alten Heerstraße nach Dresden. Aber auch ein gute Straße schützt einen nicht vor den Stößen des Lebens. Seine erste Pfarrstelle wartet auf ihn in Mittenwalde. Einer seiner Vorgänger, der Propst Gallus Lutherus, wurde dort in seiner eigenen Kirche erschossen. Plündernde Soldaten drangen in die Kirche ein. Und der Pastor wollte den Gotteskasten nicht abgeben. Das Geld der Gemeinde war darin. Da traf ihn der Pistolenschuss. Die Dörfer am Rande der Straße tragen noch heute die Spuren des Krieges. Schwarze Gehöfte, einige Orte sind zu Wüstungen geworden. Sie ziehen an den Kutschenfenstern vorbei, Gras und Sträucher holen sich ihr Gelände zurück. Diese Ruinen sind nicht romantisch. Der große Krieg hat die Gegend zur Ader gelassen, ausgeblutet. Dazu die Pest. "Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod", kommt Paulus Gerhardt in den Sinn. Eine Liedzeile, trotzig dem Schrecken des entvölkerten Landes entgegen gesetzt.
Die meisten Felden sind nicht bestellt. Es fehlen Hände und Werkzeuge. Und Gerhardt formuliert noch einmal gegen den Augenschein: "Er nährt und gibet Speisen, zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl;" Woher soll denn sonst die Hilfe kommen? Wasser und Brot fallen ihm ein, ein geringes Mahl im Gefängnis. Die meisten sind über den Haufen geschossen worden. Glück hatte, wer im Gefängnis landete. "Und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual." Vielleicht ist "Du meine Seele singe, wohl auf und singe schön!" auf dieser Kutschfahrt entstanden. Zwei Jahre später wurde es in Crügers Gesangbuch veröffentlicht.
4. DIE STÖSSE DES LEBENS
In Mittenwalde hat Paul Gerhardt geheiratet. Er war fast 48 Jahre alt, als er sich 1655 mit der 32jährigen Anna Maria Berthold zusammen tat. Zwei Jahre später begrub er in der Kirche sein erstes Kind. "Wenig und böse ist die Zeit meines Lebens" steht auf der Grabtafel der kleinen Maria Elisabeth.
Du meine Seele, singe,
Wöhlauf, und singe schön
Dem, welchem alle Dinge
Zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
Hier preisen auf der Erd,
Ich will ihn herzlich loben,
So lang ich leben werd.
Dieses Lob ist im Munde Paul Gerhardts nie verstummt. Nicht dass es ihm irgendwann besser gegangen wäre. Nicht dass er bis zum glücklichen Ende durchgehalten hätte. Seine Heiterkeit war nie eine Sache überwundener Trübsal. Sie sprosste zwischen den Steinen seines Leids. Sie holte sich stets ihr Gelände zurück. Denn seine Wurzeln gingen tief hinab in den Quellgrund unseres Trostes, Gott selbst.
Jeremia und Paul Gerhardt lebten in schweren Zeiten. Was ihnen zustieß, hätte andere zerbrochen. Überlebt haben sie auch mit Hilfe von Liedern, die ihrem Leid Ausdruck gaben. Manchmal schwangen sie sich sogar darüber hinaus.
5. IN LIEDERN LEBEN
Und es lässt sich heute noch in Liedern leben mit Gottesworten auf der Zunge und im Bauch. Mit drei Strophen aus Paul Gerhardt Liedern erinnere ich Sie an das kleine Einmaleins des Lebens in Liedern:
Erstens: Die Dinge unseres täglichen Lebens mögen uns wichtig erscheinen. Aber wer nur darauf achtet, wie er seine Siebensachen bei sich behält und seine Angelegenheiten regelt, der verstrickt sich leicht in Ihnen. Wenn Ihnen mal wieder alles bis zur Hutschnur geht, empfehle ich ihnen diese Strophe:
Ich bin ein Gast auf Erden
Und hab' hier keinen Stand;
Der Himmel soll mir werden,
Da ist mein Vaterland.
Hier reis' ich aus und abe;
Dort in der ew'gen Ruh'
Ist Gottes Gnadengabe,
Die schleußt all' Arbeit zu.
Zweitens: Wir bauen alle an unseren Nestern. Wenn es möglich ist, sehen wir auf das Gute in unserem Leben. Wenn wir beten und singen, ist es gut, auch die dunkle Hälfte des Lebens in den Blick zu nehmen und - beim Namen zu nennen. Eins der beliebtesten Kindergebete, das zur Nacht gesprochen wird, handelt vom Satan, der das Kindlein verschlingen will, und wo es Schutz davor findet.
Breit aus die Flügel beide,
O Jesu, meine Freude,
Und nimm dein Küchlein ein!
Will Satan mich verschlingen,
So laß die Englein singen:
Dies Kind soll unverletzet sein!
Drittens: Wir leben unser Leben, wo schon andere gelebt haben. Wir leben in ihrer Spur, singen ihre Strophen, holen ihre Worte hervor, wenn unsere Leben schwer wird. Gott ist ein Mensch geworden. Und was auch immer uns begegnet, er hat es auch erlebt oder gedacht oder gespürt. Oder erlitten.
Ich hang' und bleib' auch hangen
An Christo als ein Glied;
Wo mein Haupt durch ist gangen,
Da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
Durch Welt, durch Sünd' und Not,
Er reißet durch die Höll',
Ich bin stets sein Gesell.
Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre euere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen
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…und dennoch – Predigt zu Jeremia 20,7-11a von Berenike Brehm
I Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Katerstimmung in der Kirche. Die Jugend bleibt aus, die Pfarrstellen werden weniger. Man sieht so wenig von dem, was man investiert. Die Kirche scheint auf dem absteigenden Ast zu sein. Ermüdung macht sich breit. Und mit ihr kommen diese Fragen: Warum mache ich das Ganze überhaupt? Bringt das eigentlich noch was? Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Katerstimmung auch in ganz anderen Bereichen. Alles wächst einem über den Kopf. Zeit und Kraft gehen einem aus. So viel hat man gegeben: Ist für pflegebedürfte Angehörige dagewesen. Tag für Tag. Oder hat sich für ein politisches Ziel eingesetzt. Und man fragt sich: Wie lange kann, ja, wie lange will ich das noch?Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Vielleicht sagst du das. Vielleicht sage ich das. Vielleicht sagen Sie das. Der Prophet Jeremia hat es gesagt. Ganz laut. Und: Er hat es zu Gott gesagt. Ich kann nicht mehr. Ich mag nicht mehr. Katerstimmung beim Propheten Jeremia.
II Wir hören den heutigen Predigttext aus dem Buch Jeremia,
Kapitel 20,7-11a:
Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es zu ertragen, aber konnte es nicht. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: »Schrecken ist um und um!« »Verklagt ihn!« »Wir wollen ihn verklagen!« Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: »Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.« Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.
III Jeremia kann und mag nicht mehr. Schon vier laute Klagen hat Jeremia deswegen zum Himmel geschickt. Jetzt klagt er zum fünften Mal. Denn Jeremia hadert mit seinem Auftrag. Nie wollte er Prophet werden. Doch dann hat Gott ihn einfach losgeschickt. Jeremia hat sich zwar gewehrt, aber es kam, wie Gott es wollte.
Und jetzt klagt Jeremia. Klar und laut. Jetzt klagt Jeremia Gott an. Ganz direkt und persönlich. Er wirft ihm vor, dass er ihm keine Wahl gelassen hat, dass er ständig den Buhmann spielen und den Finger in die Wunde legen muss. Und als ob das noch nicht genug wäre: Durch sein Predigen ändert sich noch nicht mal etwas. Im Gegenteil: Die anderen verschwören sich gegen ihn.
Jeremia ist wütend und frustriert. Doch diese ganze Wut und Enttäuschung frisst er nicht in sich hinein. Er schleudert sie Gott entgegen. Man kann sagen: Welche Frechheit! Was nimmt Jeremia sich da eigentlich raus? Und man kann sagen: Welch Vertrauen! Wie kommt es, dass Jeremia trotz allem Zweifel bei Gott bleibt?
Weil da dieses Feuer in mir ist, sagt Jeremia. Deshalb mache ich weiter. Trotz und inmitten allen Klagens. Denn da ist diese Leidenschaft in mir. Diese Leidenschaft, die mich antreibt, und die meinen eigenen Klagen ins Wort fällt. Die mich ermutigt, mich inmitten aller Widrigkeiten zu Gott zu bekennen. Die mir in aller Mutlosigkeit ein „und dennoch“ abringt. Deswegen mache ich dennoch weiter.
IV Jeremia zeigt eindrücklich: Glauben heißt „und dennoch“ sagen. Dennoch bleiben, dennoch weitermachen. Mit Gott leben bedeutet nicht, mit einem Bein schon im Paradies stehen. Oder: Alles wird besser und einfacher, wenn man glaubt. Nein, mit Gott leben bedeutet, mit beiden Beinen in dieser Welt stehen. Glauben bedeutet, dass manches auch schwerer wird. Denn an all den Ungerechtigkeiten dieser Welt leiden Glaubende doppelt. Zum einen daran, dass es sie überhaupt gibt. Zum anderen daran, dass es sie in einer von Gott geliebten Welt gibt, dass Gott sie zulässt.
Glaube ist was für die, die immer glücklich sein wollen, sagen manche Heilsversprechen. Wer nur genug glaubt, dessen Probleme lösen sich in Luft auf – das hört man immer wieder. Doch ich muss euch und Sie mit Jeremia enttäuschen: Glaube ist etwas für die, die es aushalten, dass Gott, nicht alles so wendet, wie wir wollen. Denn an Jesus Christus glauben, heißt an den glauben, der wünschte, dass der Kelch an ihm vorrübergeht, und der dennoch nicht verschont wurde. Der durch Leid und Tod gegangen ist. Der es überwunden hat, ja, aber der es zuvor aushalten musste.
Andere sagen: Glauben ist etwas für die, die etwas zum Festhalten brauchen. Damit ihr Leben leichter zu ertragen wird. Glaube ist was für die Schwachen, sagte etwa Friedrich Nietzsche. Und ich sage mit Jeremia: Glauben ist etwas für die Starken. Für die, die die Spannungen aushalten. Für die, die nicht aufgeben. Für die, die trotz allem bei Gott bleiben. Glaube ist Opium für das Volk, sagte etwa Karl Marx. Und ich sage mit Jeremia: Glaube ist wie ein High-Energy-Drink. Er lässt uns hellwach werden. Er lässt uns unermüdlich arbeiten. Er lässt uns sich einsetzen. Dafür, dass sich etwas ändert in der Welt.
V Dennoch bleiben. Bei Gott. Ihm das eigene Leben hinhalten. Das bedeutet Glauben. Diese Fragen aushalten lernen: Wenn Gott die Welt geschaffen hat - Warum dann so fehleranfällig? Wenn Gott uns so sehr liebt - Wieso müssen wir dann Leid erfahren? Mit diesen Fragen Gott gehen, das bedeutet Glauben für Jeremia. Nicht fliehen, sondern mit Gott ringen. Ihm all die Verzweiflung hinhalten, und auch die Wut und die Trauer. All die dunklen Gefühle. All das, was nicht auszuhalten ist.
Und dennoch bleiben. Bei Gott. Und in der Welt. Ihm das eigene Leben hinhalten – und: das eigene Leben einsetzen. Weil da dieses Feuer in einem brennt. Weil die Wahrheit nicht schweigen lässt. Und für sie auch Anfeindungen aushalten. Anfeindungen, die unweigerlich entbrennen, wenn wir unbequeme Wahrheiten aussprechen. Das bedeutet Glauben für Jeremia. Sich dennoch einsetzen. Auch auf die Gefahr hin Spott und Hohn aushalten zu müssen. So wie Greta Thunberg, die derbe Hasskommentare unter ihren Posts lesen muss. So wie all die Jugendlichen, die jeden Freitag auf die Straße gehen, und denen so viel Hochmut von Politikern entgegengebracht wird.
Denn Glauben heißt „und dennoch“ sagen. Dennoch nicht von Gott lassen. Dennoch sich engagieren. Trotz Katerstimmung. Weil Gott mich nicht loslässt. Dieser Gott, der stärker ist als alle Mutlosigkeit und Kraftlosigkeit. Stärker als alle Anfeindungen und Gefahren. Und erst recht stärker als schwindende Mitgliederzahlen oder Pfarrpläne. In diesem Vertrauen „und dennoch“ sprechen, inmitten der Klage Gott bekennen – das ist Glaube. Amen.
Es folgt das apostolische Glaubensbekenntnis