Eine andere Gemeinschaft - Predigt zu Mk 10,35-45 von Elisabeth Rauh

Eine andere Gemeinschaft - Predigt zu Mk 10,35-45 von Elisabeth Rauh
10,35-45

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.
Heute, am Sonntag Judika, hören wir als Predigttext Worte aus dem Markusevangelium:

35Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. 36Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. 41Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

 

Wir haben es uns doch verdient!

Liebe Gemeinde,

da gingen zu Jesus zwei gute Christenmenschen aus der evangelischen Kirche und sprachen zu ihm:
Bitte, Jesus. Das kannst du doch nicht ablehnen. Wir haben doch alles getan, sieh her: Wir sind auf die Antikriegsdemo gegangen. Wir haben Petitionen geschrieben. Wir haben Kleidung und Windeln gespendet. Wir haben uns auf die Liste eingetragen, um Flüchtlinge zu unterstützen.
Wir haben Energie gespart. Wir haben Bio-Lebensmittel eingekauft und überhaupt essen wir nur noch ganz wenig Fleisch. Wir haben uns ein Elektroauto gekauft. Wir sind beim Klimastreik mitgelaufen.
Wir haben der Nachbarin, die in Quarantäne war, Einkäufe gebracht. Wir haben unsere Masken immer getragen. Wir sind geduldig zuhause geblieben, haben Tests gemacht, haben uns impfen lassen, zeigen jedem das Zertifikat vor.
Wir sind gegen Sexismus am Arbeitsplatz. Wir verwenden inklusive Sprache. Wir gehen Diskussionen nicht aus dem Weg.
Wir haben hierarchische Strukturen in unserer Kirche beseitigt. Wir sind alle Brüder und Schwestern, wir haben Gremien, Quoten, Beschwerdestellen. Wir sind herrschaftskritisch, demütig und selbstreflektiert.
Also, bitte, Jesus: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Wir haben es uns doch verdient. Das kannst du doch nicht ablehnen.

 

Jakobus und Johannes als gute Christenmenschen

Liebe Gemeinde, stellt euch Jakobus und Johannes als gute Christenmenschen vor.
Die beiden sind treue Nachfolger Jesu von Anfang an. „Die Donnersöhne“ hat Jesus die Brüder genannt. Die Gleichnisse, die Jesus erzählt, und die Wunder, die er vollbracht hat, haben sie begeistert. Mit großem Eifer haben sie alles zurückgelassen, was ihnen lieb war. Jesu Bewegung der Gerechtigkeit und Liebe hat sie in ihren Bann gezogen. Ihr Glaube an das Gute hat an Kraft gewonnen.
Schon einmal, vor gar nicht langer Zeit, haben die beiden erlebt, dass sie bei Jesus eine besondere Position hatten: Das eine Mal, als Jesus sie mit Petrus auf den Berg geführt hatte, als das Weiß ihre Augen blendete, Elija und Mose auftraten und eine Stimme von oben her sagte: „Dies ist mein geliebter Sohn! Hört auf ihn!“
Ihr Versprechen, niemandem von dem Erlebten zu erzählen, haben sie eingehalten; aber es beschäftigt sie sehr. Wie wird es sein, wenn das Reich Gottes kommt? Und es muss doch etwas bedeuten, dass Petrus und sie beide die einzigen waren, die das miterlebt haben?
Die Plätze rechts und links direkt neben Jesus, am Tisch in seiner Herrlichkeit, scheinen ihnen genau angemessen für die Treue, den Eifer und die Opferbereitschaft, die sie für Jesus aufbringen. Sie wollen ganz nah bei Jesus sein. Das kann er doch nicht ablehnen.

 

Auf der richtigen Seite stehen

Liebe Gemeinde, wann war es je so einfach wie heute, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen? Hier die Guten, dort die Bösen. Glasklar scheint es in dieser weltpolitischen Lage und bis auf wenige an den politischen Rändern sind sich alle einig: Putin, das ist so einer, der als Herrscher gilt, der sein Volk niederhält, ein Mächtiger, der ihnen Gewalt antut. Der in der Ukraine Krankenhäuser und Kindergärten bombardiert. Der keine freie Meinungsäußerung in seinem Land zulässt und Kinder ebenso wie Alte verhaften lässt, wenn sie das Selbstverständliche öffentlich äußern: Nein zum Krieg!
Und auf der anderen Seite der ukrainische Präsident Selenskyj: Er bringt nicht sich selbst in Sicherheit, sondern kämpft mitten unter den Ukrainer*innen um sein Land. Zu sehen ist er in seinen Videobotschaften nur noch in Armeekleidung, er strahlt dabei Entschlossenheit, Zuversicht und Tapferkeit aus.
So sieht keiner aus, der herrscht und tyrannisiert. Sondern eher einer, der seinen Leuten dient. Ein „Diener des Volkes“, wie in der Fernsehserie, durch die er berühmt wurde. Der sich selbst aufopfert für das Gute. Ein Held, der sein Leben aufs Spiel setzt.
Kaum je war es scheinbar so einfach, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Hier die Guten, dort die Bösen.

 

Ein Herzenstext

Es ist wirklich ein Herzenstext von mir, der heute zu predigen ist. Mich inspiriert es, wie Jesus die Jünger auffordert, eine andere Gemeinschaft zu leben. Herrschaftsverhältnisse sind nicht gottgegeben. So ist es unter euch nicht: Der Dienst an der Gemeinschaft ist das, was sie strukturieren soll.

Ich mag den Text. Das ist riskant. Denn wenn ich ihn zu leicht nehme, missbrauche ich ihn, um mich zu vergewissern, dass ich auf der richtigen Seite stehe. Ich ziehe ihn dann heran, um auf andere zeigen zu können.
Ich mag den Text. Wenn ich mich ihm stelle, dann weigert er sich, mich zu vergewissern. Sondern er mahnt: Zeigst du mit einem Finger auf andere, zeigen drei auf dich. Sei dir nicht zu sicher.

Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. So ist es unter euch nicht. Ich bin skeptisch gegenüber jedem Heldenkult. Selbst wenn es um den, wie ich ausdrücklich finde, tapferen Selenskyj geht. Die Realität ist keine Fernsehserie, kein Comic, kein Theaterstück. Die Akteure sind keine Idealtypen, die irgendwelche Charakterzüge verkörpern. Es sind echte Menschen, widersprüchlich, ambivalent, beeinflussbar, bestechlich. Selbst wenn sie Gutes wollen, schaffen sie auch Böses.

 

Eine andere Gemeinschaft

Jesus sagt: Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

Wie sieht dann eine Gemeinschaft aus, die nach dem Wort Jesu lebt?
Es gibt in ihr keine Herrschaft, sondern alle sind gleichermaßen an Entscheidungen beteiligt. Es gibt kein Oben und kein Unten. Alle achten aufeinander und unterstützen sich gegenseitig. Die Glieder sorgen einträchtig füreinander. Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. (1Kor 12,25f) So wird an anderer Stelle in der Bibel die ideale Gemeinschaft beschrieben.
Aber die Erfahrung sagt: Jede Gemeinschaft muss sich irgendwie organisieren. Das gilt für Städte und Dörfer, für Sportvereine oder für Kirchengemeinden. Selbst die kleinste Arbeitsgruppe, der kleinste Hauskreis braucht eine Struktur, wie Aufgaben und Verantwortlichkeiten verteilt sind. Leitung ist also eine Notwendigkeit. Leitung bedeutet aber auch Macht. Und weil Menschen widersprüchlich, ambivalent, beeinflussbar und bestechlich sind, kann Macht immer missbraucht werden.
Es hat keinen Sinn, so zu tun, als gäbe es in einer Gemeinschaft keine Macht. Vielmehr geschieht der schlimmste Machtmissbrauch häufig dort, wo die Mächtigen so tun, als seien sie Diener. Vorsicht vor dem Herrschen, welches sich als Dienen tarnt!
Die ideale, herrschaftsfreie Gemeinschaft ist ein Ideal, keine Realität. Aber sie sich vorzustellen, gibt die Richtung vor für das Gestalten und Kontrollieren von Macht: Leitung muss der Gemeinschaft dienen.

 

Checkt ihr’s nicht?

Liebe Gemeinde, das Markusevangelium ist voll von Szenen, in denen man den Jüngern, wenn Jesus es nicht schon selbst sagt, zurufen möchte: Checkt ihr’s nicht?
Anders als die Jünger, die Jesu Ankündigungen nicht glauben wollen, kennen wir Christ*innen den Ausgang der Geschichte: Jesus wird gekreuzigt. Und dieses Schicksal scheint an all diesen Stellen durch. Hier auch. Für den Evangelisten Markus ist die Kreuzigung der Schlüssel zum Verstehen der Jesusgeschichte.
Ostern wird es nicht ohne den Karfreitag. Und die Herrlichkeit des Christus gibt es nicht ohne das Kreuz. Die Worte Jesu im Markusevangelium deuten darauf immer wieder hin. Das ist für die Jünger Jesu nicht zu verstehen. Sie haben noch nicht gesehen, wie Jesus am Kreuz stirbt, und noch nicht die Auferstehungsbotschaft gehört.
Aber auch für uns ist es schwer zu begreifen. Gott durchkreuzt unsere Vorstellungen von Hoheit und Niedrigkeit, unsere Erwartungen von Frieden, Herrlichkeit, Erlösung.
Gottes Herrlichkeit ist dort zu entdecken, wo die Jünger, wo wir sie am wenigsten erwarten: In der Erniedrigung, in der Verfolgung, Folter und Hinrichtung Jesu. In seinem Leiden, stellvertretend für alles Leiden der Welt. Da zeigt Gott, wem seine Herrlichkeit verheißen ist.

 

Das gute Leben für alle

Gute Christenmenschen sein, das ist etwas Großartiges. Dazu sind wir berufen. Aber es ist nicht das Ticket in die Herrlichkeit Gottes. Der Gott, der sich ans Kreuz nageln lässt, folgt nicht dieser menschlichen Logik von Leistung und Belohnung.

Wenn ich trotzdem weiter zu Antikriegsdemos gehe, meine Maske trage, Menschen helfe, gegen Hierarchien anrenne, dann einfach deshalb, weil es richtig ist. Weil mein Glaube mir einen Kompass gibt, der heißt: das gute Leben für alle. Und das reicht als Begründung völlig aus. Es geht niemals darum, mir bei Gott etwas zu verdienen.
Ich glaube aber, dass Segen darauf liegt, nach diesem Kompass zu handeln. Im besten Fall wird ein Strahl von Gottes Herrlichkeit spürbar, wie ein erster warmer Frühlingssonnenstrahl.

Jesus Christus sagt: Der Menschensohn ist gekommen, dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Ich glaube fest daran: Am Tisch in Gottes Herrlichkeit wird am Ende rechts und links genug Platz für alle sein.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Vier Fragen zur Predigtvorbereitung an Elisabeth März

1. Welche Predigtsituation steht Ihnen vor Augen?
Ein Sonntagabendgottesdienst in der Evangelischen Studierendengemeinde. Die Gottesdienstgemeinde ist gemischt aus kritisch-protestantischen, skeptisch-distanzierten, engagierten und Gemeinschaft suchenden Studierenden und jungen Erwachsenen.

2. Was hat Sie bei der Predigtvorbereitung beflügelt?
Beflügelt und zugleich gehemmt hat mich der unmittelbare Eindruck des Kriegsausbruchs in der Ukraine. Die Zuordnungen schienen allzu eindeutig.

3. Welche Entdeckung wird Sie weiter begleiten?
Besonders beschäftigt hat mich das Gegenüber von Herrschen und Dienen. Gerade in der Kirche wird Herrschen zuweilen als Dienen verschleiert. Ich sehe mich aufgefordert, weiterhin wachsam und selbstkritisch auf (kirchliche) Strukturen zu schauen.

4. Was verdankt diese Predigt der abschließenden Bearbeitung?
Den Rauswurf eines zwar aufwändig erstellten, aber letztlich nur selbstdarstellerischen Abschnitts über Hegel.

Perikope
03.04.2022
10,35-45

Wer bin ich? - Predigt zu Mk 8,31-38 von Julia Neuschwander

Wer bin ich? - Predigt zu Mk 8,31-38 von Julia Neuschwander
8,31-38

I

Liebe Gemeinde,

„Wer bin ich?“ – So lautet der Titel eines Gedichts von Dietrich Bonhoeffer. Der evangelische Theologe hat dieses Gedicht im Gefängnis geschrieben. Im Jahr 1943 wurde er verhaftet und in das Wehrmachtsgefängnis in Berlin-Tegel gebracht. Nach wochenlangen Verhören und Schikanen beruhigte sich die Lage für ihn allmählich etwas. Dietrich Bonhoeffer durfte in seiner Haft gelegentlich Pakete und Besuche empfangen. Er sprach in diesen Zeiten wohl viel mit Mithäftlingen und auch mit seinen Bewachern, die bei ihm Nähe, Rat und Trost suchten und fanden. Er schrieb in dieser Zeit viele Briefe, Gedichte und Abhandlungen. Einiges davon konnte er mit der Hilfe von ihm zugetanen Gefängniswärtern aus dem Gefängnis schmuggeln. Einer dieser Texte ist das Gedicht aus dem Jahr 1944 mit dem Titel „Wer bin ich?“.

„Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr au seinem Schloss. Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. (….) Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle (….) ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?“

Dietrich Bonhoeffer beschreibt in dem Gedicht, wie er spürt, wie ihn die anderen wahrnehmen, nämlich als frei und freundlich und klar, aber dass seine inneren Gefühle ganz andere sind, nämlich dass er sich unruhig, sehnsüchtig und krank fühlt. Er fühlt sich zerrissen. Wer ist er wirklich, der, den die anderen wahrnehmen, der gelassene, heitere, feste Mensch, der seine Haft geduldig erträgt und noch andere tröstet? Oder der ohnmächtig Bangende, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

„Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?“ fragt er sich. „Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?“ Sein Gedicht mit mehreren Strophen beendet er schließlich mit den Zeilen:

„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

II

„Wer bin ich? Dein bin ich, o Gott!“ – Wie Dietrich Bonhoeffer stellen auch wir uns heute manchmal die Frage: Wer bin ich? 

Wenn wir selbst uns das fragen – die eine nachdenklich, der andere verzweifelt –, geht es oft um Erwartungen. Das können die Erwartungen der Eltern, der Freund:innen sein oder die Erwartungen des Lebenspartners oder der Lebenspartnerin, vermischt mit unseren eigenen Erwartungen an uns selbst. Jugendliche fragen sich, welchen Beruf sie ergreifen möchten. Sie fragen sich, wie will ich mal leben? Welche Ausbildung mache ich am besten? Wo komme ich wie an? Erwachsene fragen sich, wie sie die nächsten Jahre gestalten wollen, das nächste Jahrzehnt. Wie viele Kinder möchte ich haben? Welche Beziehung möchte ich führen? Wo wohne und arbeite ich? Was ist dabei mit den Träumen, die ich mal als Kind oder Jugendliche hatte?
Nicht immer lassen sich alle Erwartungen, fremde und eigene, unter einen Hut bringen. Dabei geht es eigentlich gar nicht darum, dass andere mir sagen, wer ich sein soll. Sondern dass ich mich selbst frage und versuche, dies herauszufinden: Was ich möchte und wer ich wirklich bin.

Eine wichtige theologische Erkenntnis der letzten Jahrzehnte ist, dass wir Menschen das, was wir sind, also unsere eigene Identität, gar nicht selbst erschaffen können. Es ist eine Illusion zu glauben, dass es Vollkommenheit in dem geben könnte, wie wir uns selbst erschaffen oder entwickeln. Ob wir sehr klug, sehr erfolgreich, sehr schön, sehr gläubig oder sehr glücklich sein möchten – es wird uns nicht gelingen. Denn unser Leben ist ein Leben mit Brüchen und Krisen, mit Anfängen und Abbrüchen. Wir haben dabei nicht alles selbst in der Hand.

Wenn alte oder sehr alte Menschen manchmal sehr bewusst auf ihr Leben zurück blicken, dann erscheint ihnen ihre Lebenslinie nur selten klar und gerade. Ihr Leben – stellen sie im Rückblick fest – verlief gar nicht linear, sondern in vielen Schleifen und Mäandern wie ein natürlicher Flusslauf in der Landschaft. Es gab Aufbrüche und Umzüge, geplante und ungeplante. Menschen, die ihnen wichtig und nahe waren, starben oder waren nach einer gewissen Zeit nicht mehr in ihrer Nähe. Die eigenen Pläne ließen sich nicht immer umsetzen, sei es in Bezug auf die eigene Berufswahl, in der Kindererziehung, im Umgang mit der eigenen Familie oder mit Freund:innen oder sei es der Wunsch, ein Haus zu bauen oder ein Stück Land zu bewirtschaften.
Vieles von dem, was sie sich vorgenommen hatten, konnten sie, so stellen sie im Nachhinein fest, nicht vollständig umsetzen. „Jetzt erkenne ich stückweise in einem Spiegel ein dunkles Bild, aber dann werde ich erkennen, wie ich erkannt bin“, so heisst es dazu im 1. Korintherbrief im 13. Kapitel. Wer bin ich? Das zu erkennen, ist uns Menschen nicht wirklich möglich. Unser Leben verläuft bruchstückhaft und wir Menschen erkennen uns selbst wohl auch nur bruchstückhaft in dem, was uns wirklich ausmacht. Das wiederum zu erkennen, ist sehr ernüchternd und für viele mit Scham und Traurigkeit verbunden.

Gleichzeitig heisst es auch für uns: Wir sind dadurch in diesem Leben befreit davon, selbst zu voller Identität und Ganzheit zu kommen. Wir dürfen unsere Anstrengungen leichter nehmen. Wir dürfen unseren Anspruch, perfekt sein zu wollen, getrost aufgeben. Gott ist es, der uns ganz und gar kennt. Die göttliche Geisteskraft ist es, die allein uns ganz macht, heil und vollkommen in all unserer Gebrochenheit und Unvollkommenheit. Wenn wir dies erkennen, können wir vielleicht ähnlich vertrauensvoll wie Dietrich Bonhoeffer sagen: „Wer bin ich? Dein bin ich, o Gott!“

III

Die Passionszeit bietet mir die Chance zu einem „Mehr“ zu kommen, zu einem „Mehr“ als das, was vor Augen ist. Ich kann mich in den nächsten Wochen aus meinem dunklen Spiegel heraus aufmachen und Klarheit suchen. Ich versuche, freundschaftlich zu mir selbst zu sein und die Dinge an mich heran zu lassen. In der Zeit bis Ostern nehme ich mir die Zeit, dem Ruf in die innere und äußere Freiheit zu folgen. Ich kann herausfinden, dass ich „ganz anders“ bin, also Seiten habe, die ich noch gar nicht kenne. „Will mir jemand nachfolgen….“, heißt dann: Ich kann herausfinden, dass ich befreit und vollendet auf die Zukunft hin bin. In dieser Zukunft wird es keinen Tod, keine Tränen, kein Geschrei, keinen Schmerz und kein Leid mehr geben. „Will mir jemand nachfolgen….“, heißt: Ich suche mir kein fremdes Kreuz, keine fremde Not, kein fremdes Leiden, dass ich mir aufschultern lasse, sondern ich trage ganz einfach nur mein eigenes Kreuz. Dieses Kreuz muss ich nicht lange suchen, es ist sowieso schon bei mir da, weil ich Mensch bin. Ich kann in den nächsten Wochen erfahren, dass ich Mensch bin, begrenzt, bedürftig und angewiesen auf andere wie ein kleines Kind, das gehalten und getragen wird. Das kann für mich zugleich ernüchternd und tröstlich sein.

IV

Dietrich Bonhoeffer hat die Worte unseres Predigttextes schon im Jahr 1932 in seinem Buch mit dem Titel „Nachfolge“ aufgenommen. „Das Leben des Nachfolgenden bewährt sich darin, dass nichts zwischen Christus und ihn tritt.“ So schrieb er 1932 darin.

Für ihn war Nachfolge ein großes Freiheitsmoment in den bedrückenden Zeiten, in denen er lebte. Nachfolge bedeutete für ihn ganz konkret innere und äußere Freiheit. Sie gab ihm Mut und Kraft zum Widerstand gegenüber Adolf Hitler, gegen den Nationalsozialismus und den Antisemitismus, der sich immer mehr entwickelte. Das war das „Mehr“ für ihn, das er für sich als Christ gefunden hatte.

Dietrich Bonhoeffer schreibt: „Trachtet nach dem, was auf Erden ist! Daran entscheidet sich heute viel, ob wir Christen Kraft genug haben, der Welt zu bezeugen, dass wir keine Träumer und Wolkenwandler sind. Dass wir nicht die Dinge kommen und gehen lassen, wie sie sind, dass unser Glaube wirklich nicht das Opium ist, das uns zufrieden sein lässt inmitten einer ungerechten Welt. Sondern dass wir, gerade weil wir trachten nach dem, was oben ist, nur umso hartnäckiger und zielbewusster protestieren auf dieser Erde.“

Dieser Text von Dietrich Bonhoeffer hat diese Woche eine neue Aktualität gewonnen durch die Invasion der russischen Armee in ein europäisches Nachbarland. In Europa ist das in den letzten Jahren für unfassbar Gehaltene wieder Wirklichkeit geworden: die gewaltsame Missachtung von Grenzen, Freiheitsrechten und Menschenleben. Für uns Christinnen und Christen in der Tradition von Dietrich Bonhoeffer bedeutet das, dass wir gerade jetzt unsere Stimme erheben müssen für eine gerechte Welt in Freiheit und Frieden. Mit Gottes Hilfe.

Amen.

Vier Fragen zur Predigtvorbereitung an Julia Neuschwander

1. Welche Predigtsituation steht Ihnen vor Augen?
Diese Woche ist die russische Armee in die Ukraine eingefallen. Viele Menschen in der Ukraine sind auf der Flucht oder andere in Lebensgefahr, viele gestorben.

2. Was hat Sie bei der Predigtvorbereitung beflügelt?
Mein Widerstand gegen die für mich zunächst unfassbare Forderung im Text „Verleugne dich selbst“ und meine Begeisterung für die kraftvollen Texte Dietrich Bonhoeffers.

3. Welche Entdeckung wird Sie weiter begleiten?
Theologische (Neu)Entdeckungen wie „Rechtfertigung von Lebensgeschichten“, „fragmentarische Identität“ und „Nachfolge“.

4. Was verdankt diese Predigt der abschließenden Bearbeitung?
Die Predigt hat im letzten Redaktionsschritt – durch Aussortieren einiger Themen – in ihrer Aussage eine Zentrierung erfahren.

Perikope
27.02.2022
8,31-38

Inklusion à la Jesus - Predigt zu Mk 7,31-37 von Rudolf Rengstorf

Inklusion à la Jesus - Predigt zu Mk 7,31-37 von Rudolf Rengstorf
7,31-37

Als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden. (Markus 7,31-37)

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Heilungsgeschichten wie diese - so erlebe ich es immer wieder – schaffen zunächst einen nahezu unüberbrückbaren Abstand. Weil sie gelesen und gehört werden als Protokolle eines schier unglaublichen Geschehens aus ferner Vergangenheit. Ob das wirklich so gewesen ist, fragt man sich unwillkürlich. Und wenn, was hat das mit uns heute zu tun? Doch weitererzählt und aufgeschrieben worden sind diese Geschichten, weil sie Hörende und Lesende immer von neuem ansprechen und sie mit hineinverwickeln wollen in das Geschehen, das Jesus da in Gang gesetzt hat. Mal sehen, ob das auch mit uns geht.
Jesus befand sich in dieser Geschichte auf heidnischem Gebiet, also bewohnt von Menschen, die vom Gott Israels nur wenig wussten. Man muss also nicht viel mitbringen, wenn man dem Heilbringer begegnen will.

Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege.

Wenn sie an religiösem Wissen oder an rechtem Glauben auch nicht viel mitbrachten: Sie brachten den Menschen mit, der zeit seines Lebens ihr Sorgenkind gewesen war. Sie sagten eben nicht: Der arme Teufel kriegt, taub und stumm, wie er ist, ja doch nichts mit. Nein, nein, wenn da einer kommt, von dem so viel Gutes erzählt wird, dann kommt das Sorgenkind natürlich mit. Hören würde er ja nichts, aber die Hand sollte Jesus ihm auflegen. Damit er zu spüren bekam: Ich bin auch gemeint. Ich gehöre dazu und bin miteinbezogen in das, was von diesem Mann ausgeht.
Mit uns war das doch nicht anders, als wir von Eltern und Paten zur Taufe gebracht wurden, auch wenn wir nichts verstehen und nicht sprechen konnten. Wir sollten miteinbezogen werden in das, was von Jesus ausgeht. Bei der Konfirmation hat sich das wiederholt. Auch da war es mit dem Verstehen noch nicht so weit her. Auch von der vielbeschworenen Mündigkeit im Glauben war noch nicht viel da. Und weil es beim Zugang zu Jesus aufs Verstehen und vernünftiges Sprechen nicht ankommt, werden bei der Konfirmation auch die geistig und sprachlich behinderten Jugendlichen ganz selbstverständlich mit einbezogen. Ohne die Geschichten davon, wie Jesus mit Kranken und Behinderten umgegangen ist, wäre das – da bin ich sicher – nicht so selbstverständlich. Der Segen, der von dem Erlebnis ausgeht, vor Gott genauso dazustehen wie die anderen, der kann kaum überschätzt werden.
Eine derartige Konfirmation steht mir besonders vor Augen: Angelika war ein geisitg behindertes Mädchen. Sie ging auf eine Sonderschule und hätte mit ihren Mitschülerinnen konfirmiert werden können. Den Eltern aber lag daran, dass sie in ihrer Heimatgemeinde eingesegnet wurde. Von zwei Nachbarmädchen wurde sie im Konfirmationsgottesdienst in die Mitte genommen. Ich legte den dreien zum Segen die Hände auf und endete mit dem Kreuzeszeichen. Da strahlte Angelika über das ganze Gesicht und sie begann fröhlich in die Hände zu klatschen. Ihre beiden Mitkonfirmandinnen stutzten einen Augenblick und klatschten dann auch. Die Gemeine stutzte ebenfalls und schloss sich dann – zunächst zaghaft, dann immer beherzter – an. Nach jeder weiteren Einsegnung wiederholte sich der Beifall. Die Stimmung war gelöst wie selten. Und am Ende nach dem Auszug bedankten sich viele bei Angelika für die gute Idee.

Und wie sieht das aus, wenn Jesus sich einem Taubstummen zuwandte?

Er nahm ihn aus der Menge beiseite.

Er sah, dass der Mann in der Menge keine Chance hatte, an ihn heranzukommen. Denn da waren viele Menschen, die das Sorgenkind als Zumutung empfanden. Sie schubsten ihn zur Seite. Was will der denn hier? Kriegt doch sowieso nichts mit. Steht doch nur im Wege und stört. Doch sie sind im Wege und stören. Darum holt Jesus den Mann heraus aus der Menge, schirmt ihn ab vor den Menschen, die seine Behinderung nur noch verstärken. Weil sie ihn herumstoßen und ihn völlig durcheinanderbringen. Solange er die Menge um sich hat, ist er vor Angst auch noch gelähmt, verfolgt von Argwohn und Unsicherheit über das, was da um ihn herum geschieht. Doch jetzt ist die Menge ausgeblendet. Und er hat Jesus ganz für sich allein.
Er erlebt damit, was heute für jeden Patienten selbstverständlich ist: dass die Sprechzimmertür sich schließt und man allein ist mit dem Arzt. Da braucht man sich nicht vor anderen in Acht nehmen, es geht nur noch um das, was einem fehlt. Ohne diese Abgeschirmtheit und ohne die ärztliche Schweigepflicht wäre es gar nicht möglich, herauszufinden, was dem einzelnen fehlt und welche Hilfe er braucht.

Und nun, da Jesus den Patienten ganz für sich hat, stellt er sich auch voll auf ihn ein:

Er legte ihm die Finger in die Ohren, und spuckte aus und berührte mit dem Speichel seine Zunge.

Er, der große Prediger, verstummt, teilt sich in einer Sprache mit, die auch ein Taubstummer verstehen kann: Er legt ihm seine Finger in die Ohren, damit er Hände spürt, die nichts als heilen wollen; die Bewegung von Fingern, die einen leisen vorsichtigen Zugang suchen da, wo sonst nichts durchkommt. Dann legt er seinen eigenen Speichel dem Kranken in den stummen Mund. Für den Taubstummen ist es heilsam zu spüren, dass Jesus sich unmittelbar mit dem verbindet, was ihn behindert. Sanftheit und ungeteilte Zuwendung – darum allein geht es hier.
Sanftheit und Zuwendung sind bis heute die Voraussetzung dafür, dass Kranken und Behinderten geholfen wird. Und wo Sanftheit und Zuwendung fehlen, helfen auch keine Medikamente. Grade traf ich eine Bekannte, die nach einer Reha nach Hause kam und klagte, alle Anwendungen hätten nichts gebracht, weil die Ärztin sie von oben herab behandelt habe.
Sanftheit und Zuwendung sind im Übrigen auch die einzige Möglichkeit an Menschen heranzukommen, die hören können, aber nichts aufnehmen, die zwar sprechen können, aber stumm sind für das verbindende und weiterführende Wort. Vorhaltungen und Drohungen verhärten. Allein Sanftheit und Zuwendung vermögen einen aus welchen Gründen auch immer verschlossenen Menschen zu öffnen.
Ich erlebe das immer wieder bei meinen regelmäßigen Begegnungen mit einem an paranoider Schizophrenie erkrankten Mann. Er hängt Verschwörungstheorien an, fühlt sich verfolgt, macht sich immer von neuem schwere Vorwürfe, für die es keinen Grund gibt. Er erwartet, dass ich mich mit seinen Wahnideen auseinandersetze und Stellung nehme.  Das führt aber nie zu einem Ergebnis. Beim nächsten Mal sind all seine Wahnideen wieder da, als hätten wir das nie zu klären versucht. Das bringt mich häufig genug auf die Palme. Ich werde laut, falle aus der Rolle und fühle mich hinterher hundeelend. Es gibt nur eines, was hilft: Mich an Jesus zu erinnern und mich zu üben in Behutsamkeit und Sanftheit. Meinem Gegenüber ohne Widerrede zuzuhören und nach freundlichen Worten zu suchen, die ihn beruhigen und ihm Respekt erweisen. Nur so kommt es zu Gesprächsphasen, in denen wir beide Nähe zueinander verspüren. Und die tut beiden gut.

Und Jesus sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hephata! das heißt: Tu dich auf!

Mit dem Blick zum Himmel zeigt Jesus: Ich bin kein Übermensch, kein Alleskönner. Alles hängt daran, dass Gott hilft und schafft, dass es gut wird. Aus eigener Kraft kann er die Behinderung nicht überwinden. Aber er kann für den Mann beten mit einem Wort, das auch der Taube versteht, weil er es vom Munde ablesen kann: Hephata - das ist Lautmalerei: Tu dich auf!
Damals bei Jesus hat diese Bitte sofort geholfen. Bei uns aber bleibt es beim Bitten. Behinderungen und Krankheiten verschwinden nicht. Und doch ist das „Hephata“ unter uns überall lebendig und stark. Was denn sonst treibt Ärzte und Pflegende, Angehörige, Freundinnen und Freunde an, gegen das Leiden anzugehen? Warum tun sie alles in ihren Kräften Stehende, um zu helfen und der Heilung entgegenzuarbeiten? Woher kommt es, dass ein leidender Mensch von denen, die um ihn sind, so gut wie nie aufgegeben wird? In dem allen erkenne ich das „Hephata“, auch wenn von Gott meist nicht die Rede ist. Aber die Leidenden wissen, was es bedeutet: Mein Leben ist wichtig. Ich bin nicht allein. Dieses Hephata wird nicht mit einem Schlag erfüllt. Aber es schiebt voran auf dem Weg, auf dem es gut wird. Darum lässt die Hoffnung Menschen nicht los bis zum letzten Atemzug. Wer hält sie lebendig, diese proaktive Zuversicht, wenn nicht Gott selbst? Denn er ist das Ja zu unserem Leben. Amen. .   

 

 

 

 

Vier Fragen zur Predigtvorbereitung an Superintendent i.R. Rudolf Rengstorf

1. Welche Predigtsituation steht Ihnen vor Augen?
Ich habe Menschen vor Augen, die im Internet auf diese Predigt gestoßen sind und sie lesen möchten. Unter ihnen sind vielleicht Kolleginnen und Kollegen, die auf der Suche nach Impulsen für ihre eigene Predigt sind. Wer diese Predigt für den Gottesdienst ganz übernehmen möchte, sollte bedenken, dass sie fürs Lesen geschrieben ist. Für das Hören muss sie noch bearbeitet werden. Vor allem müssten längere Sätze auseinandergenommen werden.

2. Was hat Sie bei der Predigtvorbereitung beflügelt?
Mich in diese Geschichte und die Akteure hineinzuversetzen, mal in die Eltern, dann in die Menge, in den Taubstummen selbst und schließlich in Jesus. Und dann nach Parallelen in meinem Umfeld zu suchen.

3. Welche Entdeckung wird Sie weiter begleiten?
Ganz wichtig ist mir die Entdeckung, dass das therapeutische Handeln Jesu sich heute in Praxen und der Inklusion von behinderten Menschen wiederholt. Das „Wunder“ ist in die Realität eingegangen, ohne in ihr aufzugehen. Dass alles gut wird, steht noch aus und gibt die Richtung an für unser therapeutisches Handeln.

4. Was verdankt diese Predigt der abschließenden Bearbeitung?
Meinem Predigtcoach habe ich die Anregung zu verdanken, meine Entdeckungen durch Erzählungen zu konkretisieren und das „Hephata“ mit seinen Folgen genauso in die Realität einfließen zu lassen wie den geschützten Raum, Sanftheit und Zuwendung.

Perikope
22.08.2021
7,31-37