05.05.2019 - Miserikordias Domini
Altjahresabend 2018 - Predigt zu Johannes 8,31-36 von Julia Neuschwander
Lesung des Predigttextes nach der Bibel in gerechter Sprache
Liebe Gemeinde,
das Jahr 2018 geht heute zu Ende. Wie auf den Weg durch eine Landschaft schauen wir auf unseren Weg in diesem Jahr. Wir brachen auf im Jahr 2018 und zwar sehr motiviert ganz früh am Tage noch im Halbdunkel. Ein bisschen „Im Frühtau zu Berge“, ein bisschen müde, noch benommen, aber dennoch frohgemut taten wir die ersten Schritte im neuen Jahr. Der Weg in 2018 startete im Winter, bald schon führte uns unser Weg in hellere Tage, wir schritten beschwingt voran, rechts und links immer weiter begrünt durch das Frühjahr. Unser Weg schlängelt sich auf knirschenden Steinchen um die Kurve. Dann plötzlich die Fülle: Mandelblüten säumten rosa unseren Weg. Unser Herz war uns leicht und freudig beim weiteren heiteren Voranschreiten. Der Sommer kam und mit dem Sommer manche Hitze und Dürre, Entbehrung, bald schon Sorge. Ständig nun waren wir mit der Wasserflasche unterwegs im Sommer, stets bemüht, sie rechtzeitig aufzufüllen. Der Herbst kam und mit seinen goldenen Farben rechts und links verschönte er unseren Wanderweg. Lange, stimmungsvolle Sonnenuntergänge nährten Auge und Herz und endlich kam auch mit dem Herbst die erste Frische und Kühle. Der Winter mit seinen kurzen Tagen, dem Dunkel, das uns nun nach langer Wanderung fast wie ein Schutz umgab. Nun sind wir am Ende des Jahres angelangt. Machen wir heute unseren Frieden mit uns und mit diesem Jahr.
Ein Jahr so voller Fülle und gleichzeitig in der Jahresbilanz so unabgeschlossen und unfertig wie das Johannesevangelium, in dem – wie in unserem Predigttext – der Jude Jesus mit Jüdinnen und Juden über die Wahrheit spricht. Dabei ist die Technik des Verfassers des Evangeliums besonders raffiniert und kunstvoll: Viele Texte im Johannesevangelium erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Sie changieren, schillern, drehen und wenden sich, umso weiter wir sie lesen und hören. Zunächst verwirrend, dann immer tiefer, immer weiser, immer grundsätzlicher wird die Erkenntnis, wenn sie sich auch unserer Alltagsvernunft, dem scheinbar Offensichtlichen immer mehr entfernt. Spiralförmig kreisen die Gespräche um die eine Mitte, die Wahrheit, eine Bewegung von oben nach unten. So vertieft auch das Kapitel 8 im Johannesevangelium, dem unser Predigttext heute entstammt, ein einziges Thema: „Ich bin das Licht der Welt.“ Immer wieder, wenn der Zuhörer, die Leserin glaubt, sie habe es verstanden, worum es eigentlich geht, kommt ein neuer Dreh in die Sache. So auch in unserem Predigttext, in dem Jesus von jüdischen Menschen um sich herum befragt wird, ja, geprüft wird auf Herz und Nieren, als er im Tempel lehrte. Geprüft wird im Tempel gleich bei der Vorratskammer, ob er sich nicht vielleicht gleich schon mit einer Gotteslästerung verrät.
Was ist die Wahrheit?
Ich glaube, die Wahrheit ist, dass die Dürre und die Hitze dieses Sommers Zeichen einer massiven Klimaveränderung sind. Ich glaube, dass das, selbst wenn es doch nur ein zufällig massiver Ausreißer in der Statistik beim Wetter sein sollte, es dennoch ein deutliches Zeichen für uns in Europa dafür sein muss, dass wir jetzt handeln. Dass wir es uns nicht mehr leisten können, die Zeichen zu ignorieren, sondern jetzt auch als Privatleute aktiv werden müssen im nächsten Jahr. 2019 – ein Jahr mit immer weniger Plastik in unserem Alltag. 2019 – ein Jahr mit weniger Schadstoffe, die wir in die Luft senden. 2019 – ein Jahr, in dem wir dem Handel signalisieren, dass wir nur noch Obst und Gemüse kaufen, das nicht in Plastik verpackt ist. 2019 – ein Jahr, in dem wir uns an den ständigen Gedanken gewöhnt haben, wie „Leben anders“, „gutes Leben für alle“, „ein Entgegenwirken weiterer Verschmutzung der Meere“ aussehen könnte. Keine Plastikstrohhalme, keine Plastikwattestäbchen mehr – die EU-Ordnung überholt uns links, doch es ist natürlich nicht genug. Es sind Symbole dafür, dass einmal Verwendetes, Weggeworfenes nicht mehr willkommen ist.
Was ist die Wahrheit?
Ich glaube, die Wahrheit ist, dass wir Menschen Halt suchen. Auch als Erwachsene, gerade wenn wir das nicht wahr haben wollen, sind wir bedürftig. Wir suchen Geborgenheit, Zuwendung und Anerkennung. Das ist nicht mehr als menschlich. Wir möchten dazu gehören, nicht abgehängt sein. Ich glaube, die Wahrheit ist, dass wir unter bestimmten Umständen nicht mehr selbständig und unabhängig sind, sondern bestechlich, manipulierbar und überangepasst. Zum Beispiel suchen wir dann Halt in vermeintlich starken Führungspersönlichkeiten. Ich glaube, die Wahrheit ist, dass wir unseren inneren Kompass sehr gut hüten müssen, um Kurs zu halten. Und ich glaube, dass wir es in Zukunft nur schaffen werden, unsere Werte zu bewahren, wenn wir uns mit anderen Menschen umgeben, mit denen wir uns gegenseitig darin bestärken. Weil wir sonst schnell umkippen in einer entsprechenden Umgebung, wenn wir das nicht tun.
Was ist die Wahrheit?
Die Wahrheit kommt von Gott, sagt der Jude Jesus den jüdischen Menschen um sich herum. „Die Wahrheit, die mich gesandt hat, ist mit mir.“ Sagt Jesus den Umstehenden. „Sie hat mich nicht allein gelassen, denn ich tue allezeit, was ihr gefällt.“ Sagt Jesus. Sie hat mich nicht allein gelassen. Sie hat mich gesandt von oben nicht aus dieser Welt. Meint er damit, dass die Wahrheit an sich göttlich ist oder dass die Wahrheit sogar Gott ist? Mit der Wahrheit macht Jesus sich bei seinem Umfeld nicht gerade beliebt, im Gegenteil, sie lauern darauf, dass er sich verrät und verhaftet werden kann. Die Wahrheit ist mehr als das, was wir in der Welt auf den ersten Blick sehen und was wir täglich erkennen können. „Und auch ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ Sagt Jesus dann noch.
Ein Traum. Ich stehe mit meinen Füßen auf dem Boden. Auf Mutter-Erde. Meine Füße berühren den Boden, ich stehe dort. Dann beginne ich zu sinken. Ich bekomme Panik, was soll das, soll ich in den dunkeln Boden, in die Erde, in den Ackerboden? Wie soll ich atmen? Hab´ keine Angst, sage ich mir selbst im Traum, hab` Vertrauen, sinke. Nachdem ich keine Angst mehr habe, ist es ganz leicht. Ich sinke. Erst sind meine Füße verschwunden, dann meine Beine, meine Hüfte, mein Oberkörper, schließlich sinkt auch mein Kopf und ich schließe langsam die Augen in der Dunkelheit. Aber ich bin nicht blind, ich schaue weiter mit inneren Augen. Ich sehe das Dunkle der Erde, ich sinke weiter, ich sehe und ich staune. Ich sinke und irgendwann habe ich den Mittelpunkt der Erde überwunden. Ich sinke und nach langer Zeit habe ich die andere Seite der Erde erreicht. Meine Füße ragen aus der Erde, dann nach und nach meiner ganzer Körper, mein Kopf. Ich sehe und fühle Sternenhimmel, Stille, Ruhe, Freude und Leichtigkeit. Ich bewege mich weiter. Die Erde gerät aus meinem Blickfeld. Ich spüre gar nicht mehr, dass es ein Oben oder Unten gibt.
Was ist die Wahrheit?
Die Wahrheit überwindet jegliche Angst. Sie bringt uns echtes Vertrauen, wahre Tiefe und wirkliche Leichtigkeit. Die Wahrheit bringt uns Freiheit.
Alle, die Unrecht begehen, sind in der Gewalt des Unrechts. Sagt Jesus zu den Menschen. Am Schluss seid Ihr dann Untertanen und Untertaninnen eures eigenen Unrechts. Das Unrecht, einmal in die Welt gesetzt, beginnt eine Eigendynamik zu entwickeln.
Wer einmal angefangen hat, die Menschen zu belügen, muss immer weiter lügen. Seine Lügen haben einen Sog, der am Schluss ihn selbst mit sich mitreißt.
Die einmal angefangen hat, gegen die eigenen Überzeugungen zu handeln, gerät immer tiefer in die Verstrickung. Immer mehr Kraft braucht es, um zu den eigenen Überzeugungen zurück zu kehren. Sie verliert das Vertrauen in sich selbst. Wie wird sie das nächste Mal handeln?
Wer einmal geglaubt hat, dass für ihn keine Regeln gelten, findet nicht mehr zurück zu einem rücksichtsvollen, liebevollen Weg. Er spürt ihn immer mehr, den Zwang, die Regeln zu brechen, Macht auszuüben. Er ist darin gefangen, in diesem Zwang. Er schreitet immer weiter voran, allein und ohne die anderen.
Jesus antwortete den Menschen, die ihn umstanden: „Amen, amen, ich sage euch: Alle, die Unrecht begehen, sind in der Sklaverei des Unrechts. Ihr werdet aber die Wahrheit erkennen! Und die Wahrheit wird euch frei machen!“
Wahre Buße bedeutet in jüdisch-christlicher Tradition seit Jahrtausenden: Durch Beten und durch Fasten, durch echte Reue strahlt Erkenntnis auf, wir erkennen die Wahrheit, und damit ist das Unheil auf Erden abwendbar. Busse heißt, ich hafte dem Vergangenen nicht an, sondern werde frei zu handeln.
Lassen wir das vergangene Jahr hinter uns. Lassen wir es so sein wie es war. Lassen wir uns so sein, wie wir sind. Gehen wir in die Befreiung. Die Farben und die Erlebnisse, das Frohe und das Schwere. Das Unvollkommene und das Unvollständige. Das Unverständliche und das Mehrdeutige. Lassen wir das Unrecht hinter uns, das eigene und das fremde. Schauen wir auf die Wahrheit. Streben wir nach der Wahrheit, suchen wir die Wahrheit. Befreien wir uns unseren Verstrickungen, befreien wir uns aus dem Sog und den Zwängen, die uns gefangen halten. „Alle die Unrecht begehen, sind in der Sklaverei des Unrechts. Ihr werdet aber die Wahrheit erkennen! Und die Wahrheit wird euch frei machen!“
Gehen wir befreit in ein neues Jahr!
Amen.
Link zur Online-Bibel
Predigt am Altjahrsabend 2018 – Text: Johannes 8,31 f von Rudolf Rengstorf
Liebe Leserin, lieber Leser!
2018. Ungewohnt war die Zahl zunächst bei der Datierung von Briefen und Schriftstücken. 2018. So stand es über meinem neuen Taschenkalender. Die schon feststehenden Termine hatte ich schon eingetragen, auch die Geburtstage von Verwandten und Freunden. Alles war noch Zukunft. So manches Ereignis war darunter, auf das ich mich freute. Manches stand mir bevor. Wieder anderes machte mich neugierig: Wie das wohl wird? Inzwischen ist das alles Vergangenheit. Mit dem Ablauf des heutigen Tages ist der Kalender, der mich ein ganzes Jahr begleitet hat und oft genug verzweifelt gesucht wurde, Makulatur. Er verschwindet tief in einer Schublade mit all seinen Vorgängern. Ab morgen muss ich mich an eine neue Jahreszahl gewöhnen,
Doch bevor ich ihn wegpacke, blättere ich ihn noch einmal durch. So wie ich in Jahresrückblicken mir die weltbewegenden Ereignisse des vergehenden Jahres noch in Erinnerung rufen ließ, so möchte ich noch einmal auf das schauen, was mir dieses Jahr persönlich gebracht hat.
Vieles war dabei, wofür ich einfach nur dankbar sein kann: Höhepunkte im familiären Leben, anregende Reisen, Arbeiten, die gelungen sind, Krankheiten, die ich überstanden habe, viele Begegnungen mit alten Freunden und mit Menschen, die noch Freunde werden können, beglückende Konzerte und Gottesdienste.
Und dann die Tage, die schwer waren, weil die in sie gesetzten Erwartungen bitter enttäuscht wurden. Das lag oft an anderen, aber nicht nur. Warum habe ich mich bei dieser oder jener Gelegenheit zum Streit reizen lassen? Warum bin ich im Umgang mit Menschen, an denen mir liegt, viel zu unaufmerksam gewesen, sodass ich sie – ohne es zu wollen – tief verletzt habe? Und manche Tage waren dadurch verdunkelt, dass ich Menschen in ihrer Not nicht wirksam helfen konnte, wobei die psychischen Krankheiten mich besonders hilflos machen. Ja, und dann die Kreuze, die eine ganze Reihe von Tagen dieses Jahres markieren. Die Geburtstage standen immer schon fest und waren im vorhinein lange eingetragen. Die Sterbetage aber kamen oft ganz plötzlich, und wir brauchten lange, das Geschehene zu begreifen, und noch länger, es zu akzeptieren. Und auch da, wo ein Tod sich lange angekündigt hatte, ist der Abschied enorm schwer gefallen. Ich erlebe es viel zu selten, dass ein Mensch mit seinem Leben wirklich abschließen, alles ordnen und ganz in Frieden gehen kann. Meist bleibt da so viel Unausgesprochenes, Ungeklärtes, noch Ausstehendes und Unversöhntes. Und das tut weh und hängt nach. Am schlimmsten aber war, dass ich oft nicht die Zeit gefunden habe, die Besuche zu machen, die nötig gewesen wären und wohl auch erwartet wurden, nicht nur bei den Gestorbenen. Überhaupt – das Gefühl, keine Zeit zu haben, von der Zeit getrieben zu werden und mit dem, was ich mir vorgenommen habe, nicht nachzukommen – das hat dieses Jahr ebenso geprägt wie seine Vorgänger
Was wird mit diesem Jahr, das jetzt zu Ende geht? Was wird aus dem, was es mit mir gemacht hat? Was wird aus abgebrochenen Beziehungen, aus dem, was ich schuldig geblieben bin? Und was wird aus meinem Leben, wenn dieses Treiben und Getriebenwerden von der Zeit – wie ja anzunehmen – weitergeht und sich bei allen guten Vorsätzen, von denen es in all den zurückliegenden Jahren ja genug gegeben hat, nichts ändern wird?
Dazu die beiden Sätze aus dem für heute vorgegebenen Predigttext, die mir weiterhelfen:
Jesus sagt: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger. und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Johannes 8, 31 f)
Wie sehr Worte eine Bleibe, ein Zuhause zu bieten vermögen, ist mir vor langer Zeit zu Beginn eines Studienjahres im Ausland bewusst geworden. Wenn ich täglich von neuem, versuchte, mich unter meinen Kommilitonen in der noch ganz ungewohnten Sprache verständlich zu machen, mühsam nach den richtigen Worten und der korrekten Aussprache suchte und merkte, dass die Unterhaltung längst weitergegangen war und ich draußen vorblieb – wie sehr habe ich mich danach gesehnt, wie zu Hause reden zu können, wie mir der Schnabel gewachsen war und mit dazuzugehören! Und was für eine Freude, wenn ich Landsleute trag. Mit denen ich Deutsch sprechen konnte! Die zu Hause, die von Mutter und Vater übernommene Sprache verschafft in der Tat unter denen, die diese Sprache auch sprechen so etwas wie ein Zuhause, mögen sie dabei auch noch so weit von ihrer Heimat entfernt sein.
Auch bei Jesu Worten geht es um ein Zuhause, um das Zuhause, aus dem ich komme, in das ich gehöre und in dem ich willkommen bin mein Leben lang und darüber hinaus. Seine Worte erinnern mich daran, dass wir mit Jesus Gott zum Vater haben, der uns ins Leben gerufen hat, uns zutraut, in seinem Namen und nach seinem Willen zu leben und auf sein Reich zuzugehen, in dem alle Welt zum Frieden und zun Heil kommt. In jedem Vaterunser eröffnet und verbreitet sich dieses Zuhause, mag das Leben, in dem ich mich gerade vorfinde, auch noch so unwirtlich und bedrohlich sein
Das Schönste an dem Zuhause, das Jesu Worte mir, uns eröffnet, sind die offenen Türen und eine zu Herzen gehende Atmosphäre, die kein Wenn und Aber kennt. Wo es nicht heißt: Hier bekommt jeder, was er verdient. Und wer sich draußen nicht bewährt, wer sein Leben nicht in den Griff kriegt, es nicht meistert, braucht gar nicht wiederzukommen; für Versager machen wir uns hier nicht krumm. Nein, bevor Jesus in der Bergpredigt auf die Hausregeln Gottes zu sprechen kommt, heißt er alle willkommen, holt er alle mit den acht Seligpreisungen heim,. Alle, die in dieser Welt nicht zurechtkommen, weil sie arm sind an Leib und Seele, weil sie Leid tragen, mit ihrer Sanftmut als Weicheier verlacht werden, weil es sie nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, und sie mit ihrer Barmherzigkeit auf taube Ohren und harte Herzen stoßen, weil sie mit ihrem reinen Herzen als Gutmenschen verhöhnt werden, ,weil sie in der Welt des Auf- und Wettrüstens zum Frieden fertig sind und mit ihrem Gerechtigkeitssinn verfolgt werden: Sie alle sind berufen zu Hausgenossen Gottes, Brüder und Schwestern Jesu, der dann in der Bergpredigt eine Hausordnung bekannt macht, die darauf angelegt ist, dass angeschlagene Menschen wieder heil werden.
Dieses Zuhause bei Gott nimmt mich auf mit dem Gepäck, das ich mit diesem vergehenden Jahr mit mir herumschleppe. Hier ist es gut aufgehoben, das Stückwerk, das ich zustandegebracht habe. Hier kommen sie zu Ehren – die Menschen, denen ich nicht gerecht geworden bin und die nicht zu Ende gekomen sind mit ihrem Leben.
Ja, bei Gott zu Hause zu sein – da kommt mein Leben zu dem Recht, das von vornherein in ihm angelegt war, da kommt sie ans Licht – die Wahrheit meines Lebens. Die besteht doch nicht in dem, was an genetischen Dispositionen da war, was meine Eltern und andere wichtige Bezugspersonen mir beizubringen versucht haben, auch nicht in dem, was ich zustande gebracht und versemmelt habe. All das hat mit mir zu tun, gewiss – aber darin gehe ich doch nicht auf. Die Wahrheit meines Lebens geht über das hinaus, was jetzt greifbar und konstatierbar ist, besteht darin, dass Gott mich hier haben will und er mir zutraut, dass ich mich von neuem von seinem Willen leiten lasse. Dazu gebe er uns allen für das neue Jahr Mut und Freiheit! Amen.