Nur wer richtig hört, wird leben - Predigt zu Markus 10,2-12 von Peter Schuchardt

Nur wer richtig hört, wird leben - Predigt zu Markus 10,2-12 von Peter Schuchardt
10,2-12

Nur wer richtig hört,  wird leben

Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Liebe Schwestern und Brüder!

Es ist eine der wunderbarsten Erfahrungen, mit einem lieben Menschen das Leben teilen zu können. Einen Partner, einen Partnerin zu finden, mit der du gemeinsam durch das Leben gehen kannst. Es ist eine der großen Erfahrungen des Lebens, sich zu verlieben und zu merken, der andere mag mich auch. Ihr, liebe Konfirmanden, ahnt wohl schon, was da auf euch wartet –oder habt vielleicht schon das erste Mal diese Schmetterlinge im Bauch gespürt. Es ist immer wieder etwas ganz besonders, wenn zwei Menschen hier in unserer Kirche „Ja“ zueinander sagen. Und es ist einfach schön und bewegend, wenn Paare nach 50, 60 Jahren wieder in unsere Kirche kommen, um das Fest ihrer Goldenen oder Diamantenen Hochzeit feiern zu können. Oft sagen gerade diese Paare: „ Ja, wir hatten auch Schwierigkeiten, wir haben auch Schweres erlebt. Aber wir haben es miteinander erlebt und gemeinsam getragen. Und das hat uns noch enger zusammengebracht.“  Das Miteinander in der Partnerschaft, in der Ehe, davon erzählen uns unendlich viele Lieder im Radio, das zeigen uns so viele Filme im Fernsehen und im Kino. Für viele Menschen ist die Familie, ist die Ehe, die Partnerschaft der große Halt im Leben, der Ort, wo sie sich zuhause fühlen.  Wir sind heute von der großen romantischen Liebe geprägt.  Es mag sein, früher gab es mehr Ehen, die aus Zweckmäßigkeit gegründet wurden. Aber oft hat sich da dann die tiefe Liebe zueinander entwickelt. Menschen suchen einander, gehören zusammen, weil in ihnen das Gefühl ist: Erst mit dir an meiner Seite bin ich ein ganzer Mensch, erst bei dir darf ich sein, wie ich bin. Das war auch schon in der Zeit der Bibel so. Ein ganzes Buch im Alten Testament, das Hohelied Salomos, erzählt uns von der Liebe und dem Verliebtsein zweier junger Menschen und von dem Glück, beieinander zu sein. Ich weiß natürlich: Es gibt unter manchem Dach Streit und Kummer, Enttäuschung und Schuld. Paare gehen wieder auseinander und trennen sich, Ehen werden geschieden. Menschen, die sich doch ewige Liebe geschworen haben, verletzen und piesacken einander bis aufs Blut.  Aber das ist doch niemals der erste Gedanke, wenn zwei Menschen zusammen kommen: „Wie wird es sein, wenn wir uns wieder trennen? Wie kriegen wir das dann rechtlich und finanziell sauber hin?“  Wenn dieser Gedanke wach wird, schon am Beginn einer Beziehung, dann sollte man lieber gleich die Finger davon lassen. Dann läuft da von Anfang an etwas verkehrt. Dann ist es nicht das, was es sein soll und kann. So viel Schönes und Tiefes steckt in einer Ehe. Das soll und darf man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Denn es geht um gemeinsame Träume, gemeinsames Leben um das gegenseitige tiefe Vertrauen.

In unserem heutigen Predigttext geht es auch um die Ehe.  Noch mehr aber erzählt er uns vom Hören auf Gottes Wort. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert.“ – Mit diesem Wort vor Augen hören wir das Gespräch, das Jesus mit einigen Pharisäern führt. Die kommen auf ihn zu und möchten mit ihm reden. Zumindest tun sie so. Denn in Wahrheit wollen sie Jesus mit Worten eine Falle stellen. Denn er ist ihnen unheimlich und verdächtig. Wie der von Gott redet! So als ob er ihm, dem einzigen und Höchsten, ganz nahe ist. Seine Worte haben eine große Kraft, sie treffen die Menschen bis in das Innerste. Im Herzen spüren sie, wie diese Worte wirken. Darum kommen die Menschen in Scharen zu ihm, um ihn zu hören und um mit ihm zu reden. Die Pharisäer reihen sich ein in die Menschen, die zu Jesus wollen. Und nun endlich, nach langem Warten, dürfen sie mit ihm sprechen. Welche Frage haben sie mitgebracht? Möchten sie endlich das wissen, was sie schon lange auf dem Herzen haben? Fragen sie nach Gott, seiner Liebe und Barmherzigkeit, fragen sie danach,  wie wir das tun können, was Gott von uns will? Habt ihr so eine Herzensfrage, liebe Schwestern und Brüder, etwas, was auf eurem Herzen brennt und heraus will? Die Pharisäer tun alles das nicht. Sie haben keine Herzensfrage, sie haben nur eine Fangfrage. Sie möchten das Gespräch mit Jesus nutzen, um ihn zu Fall zu bringen, damit sie den anderen sagen können: „Seht her, eurer toller Jesus! Wir stellen ihm eine einfache Frage, und er versagt so dermaßen! Wie könnt ihr dem nur nachlaufen! Hört doch lieber wieder auf uns.“ Ich kenne das auch, dass Menschen ein Gespräch missbrauchen. Sie täuschen eine Nähe vor, um dann den anderen fertig zu machen, um ihm einen Fehler nachzuweisen. Das ist fies und hinterhältig. Mit so einer Frage kommen sie nun zu Jesus: „Ist es einem Mann erlaubt, sich von seiner Frau zu scheiden?“ Das ist eine große Frage damals. Denn natürlich gibt es auch damals Streit, Unbarmherzigkeit und Schuld zwischen Eheleuten. Wie stellt Jesus sich nun dazu? Wie steht er zu dem Gesetz Gottes?  Sagt Jesus nun ja, dann ist er nicht anders und nicht besser als die Pharisäer selbst. Sagt er nein, dann stellt er sich gegen Mose und das Gesetz Gottes. Immer wieder versuchen die Pharisäer Jesus so aufs Glatteis zu führen (denkt an die Frage nach, ob man Steuern an den Kaiser zahlen soll, denkt an die Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll). Jesus antwortet nun aber nicht einfach mit ja oder nein, er antwortet mit einer Gegenfrage: „Was für eine Vorschrift hat Mose euch denn gegeben?“ „Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief aufzusetzen, eine Scheidungsurkunde. Dann kann der Mann die Frau fortschicken.“ Das, was die Pharisäer antworten, ist völlig richtig. Es gibt diese Möglichkeit. Der Mann (und nur der Mann kann das) trennt sich von seiner Frau und stellt darüber ein Schreiben aus. Dann muss sie gehen. Sie darf dann wiederum eine Ehe eingehen. Ja, das stimmt, antwortet Jesus. Aber das ist doch kein Freibrief für eine Trennung. Das Ganze hat Mose euch doch nur erlaubt, weil ihr so voller Hartherzigkeit seid. Wie könnt ihr denn, wenn ihr mir eine Frage stellt, eine Frage nach der Scheidung stellen! Das kann doch nicht sein! Die Scheidung ist doch nicht das, worum es geht. Die Scheidung ist nur ein trauriger und manchmal unabwendbarer Schluss einer langen  Entwicklung. Aber die Ehe ist doch ganz anders gemeint. Wenn ihr bei der Ehe gleich an Scheidung denkt, dann habt ihr nichts davon verstanden, was Gott will, wie Gott das Zusammenleben von Mann und Frau, von zwei Menschen will. Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen. Er möchte, dass sie in der Ehe eins sind, wie ein Körper untrennbar miteinander verbunden. So kostbar ist der eine für den anderen, dass er ohne ihn gar nicht mehr leben kann. Das, was vorher war, die alten Familienbindungen, die sind dann nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass die beiden ungestört und miteinander verbunden ihr Leben leben können.“ Das ist das, was Gott möchte. Das ist sein Wort, auf das ihr hören sollt. Ihr aber fangt an und sucht nach Möglichkeiten für die Scheidung und ob es juristisch in Ordnung ist. Damit aber nehmt ihr Gottes Wort nicht ernst. Ihr nehmt Gott nicht bei seinem Wort. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert. Habt ihr euer Herz offen für Gottes Wort? Oder sucht ihr nur euren eigenen Vorteil? Sucht ihr nach dem, was nur euch allein nützt? Der andere, mit dem ihr zusammenlebt, sollt euch so kostbar sein, weil er in Gottes Augen kostbar ist. Und eure Beziehung zueinander sollte euch so kostbar sein, weil sie in Gottes Augen so kostbar ist. Das meint Jesus, wenn er sagt: Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht trennen.

Noch einmal: Ja, es gibt Situationen, da mag eine Trennung zweier Menschen das Beste für alle zu sein. Aber das darf niemals leichtfertig geschehen. Die Verletzungen, die auf dem Weg einer Trennung geschehen, sind oftmals sehr groß und tief. Manch einer von euch weiß davon, hat es selbst erlebt, bei den Eltern oder bei Freunden. Aber im Hören auf das Wort unseres Gottes öffnet sich ein anderer Weg: Gebt nicht so schnell auf. Bemüht euch um einander. Wenn es schwer werden sollte – und das wird es wohl in jeder Partnerschaft einmal: Geht trotz allem liebevoll und voller Achtung miteinander um. Wenn ihr gemeinsam durch die schweren Zeiten geht, werdet ihr die Tiefe des Lebens und der Liebe erfahren. Und ihr werdet die Tiefe von Gottes Wort erfahren.

Denn über das Miteinander in einer Ehe hinaus geht es Jesus doch vor allem um dies: In allem, was ihr tut, was ihr sagt, was ihr denkt, sei es in eurer Ehe, sei es im Umgang mit euren Kindern, sei es bei der Gestaltung eures Lebens: Achtet auf das, was Gott sagt. Der möchte, dass ihr in allem die Kostbarkeit eures Lebens und des Lebens der Anderen achtet. Der möchte, dass ihr die Zeit ausnützt und sie nicht unnütz verstreichen lasst.  Der möchte euch in allem tragen, stärken, trösten und zur Freude führen. Es ist euch schon längst gesagt, was gut für euch ist. Ihr wisst schon längst, was Gott von euch möchte. Wenn ihr seinem Wort folgt, werdet ihr die Fülle des Lebens erfahren. Und ihr werdet erleben: Sein Wort ist die beste Lebenshilfe, die es gibt. Oft drehen wir uns in unserem Leben nur um uns selbst und suchen unseren eigenen Vorteil. Gottes Wort aber lenkt unseren Blick von unserem selbstsüchtigen Ich hin zu dem Nächsten und zu Gott. Erst in dieser Weite sehen wie, wie reich Gott uns beschenkt. Das gilt für das Zusammenleben in der Partnerschaft, in der Ehe, das gilt darüber hinaus für unser ganzes Leben mit allen seinen Höhen und Tiefen. So schenke uns Gott immer wieder ein offenes Ohr und ein offenes Herz, damit wir hören, was er uns sagen will. So wird unser Leben an Fülle und Tiefe gewinnen. So werden wir wirklich leben: Im Hören auf ihn, unsern Herrn.  Amen

Perikope
18.10.2015
10,2-12

Fürs Leben gern ein Paar - Predigt zu Markus 10,2-12 von Martin M. Penzoldt

Fürs Leben gern ein Paar - Predigt zu Markus 10,2-12 von Martin M. Penzoldt
10,2-12

Fürs Leben gern ein Paar

Liebe Gemeinde, diese Worte kennen wir gut:
„Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“
Bei jeder Trauung werden sie ausgesprochen.
Es sind gewichtige Worte des Zuspruchs, der Aufgabe und der Hoffnung
für einen gemeinsamen Weg, dessen Verlauf niemand kennt.
Aber sie haben auch einen strikten, einen bindenden Charakter:
Ehe ist eine Lebensgemeinschaft „auf Lebenszeit“.  
So steht es sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch. (§ 1353 Abs. 1 Satz 1 BGB)

1.Aufgalopp
Aber im Gesetz steht auch, dass eine zerrüttete Ehe geschieden werden kann.
Schon die Bibel kennt Scheidungen. Jesus betont aber den ursprünglichen Schöpfungswillen Gottes und den Bruch, den jede Scheidung bedeutet.
Die Kirchen nehmen das ernst. Aber ziehen verschiedene Schlüsse daraus.
Die evangelische und die orthodoxe Kirche lassen erneute Heiraten zu.
Die Katholische Kirche nimmt Jesus - wie sonst nirgends - wortwörtlich
und lässt erste Ehen in hochnotpeinlichen Prozessen für ungültig erklären,
bevor sie in eine weitere Eheschließung einwilligt.
So wird unter kundigen Ökumenikern in späten Abendrunden gescherzt:
„Wann darf ein Katholik zum zweiten Mal heiraten?
Wenn er seine Frau umbringt!“
Ein Priester darf nämlich einen reuigen Mörder von seiner Sünde lossprechen.
Katholiken, die zum zweiten Mal heiraten, dürfen nicht einmal beichten.
Kein Wunder, dass in Rom Beratungsbedarf herrscht.
Parturiunt montes. Es kreist der Berg…
Ob freilich die Denkschriften der EKD zur Ehe ihrerseits substanzielle Aussagen und Lebensnähe vereinen, darüber ließe sich ebenso trefflich streiten.
Also langsam!

2.Erlösung aus Prägungen
Wir hören heute dieses Streitgespräch Jesu mit dem Wissen
- und vielleicht mit der eigenen Erfahrung - ,
dass Ehen in großer Zahl geschieden werden, Beziehungen zerbrechen,
dass Frauen wie auch Männer ihre Ehe nicht mehr aushalten
und die Scheidung einreichen,
und, dass manche Ehe erhebliches zerstörerisches Potential enthält
auch wenn sie äußerlich weiter besteht.

Krisen in der Beziehung und ihr völliger Kollaps sind häufig.
Wer möchte sich überhaupt in diesem Bereich etwas sagen lassen?
Zumal von der Kirche, evangelisch - oder gar katholisch? Nein, danke.
Natürlich erinnern die Kirchenleitungen
immer mal wieder an die Bedeutung der Ehe.
Lassen wir aber ruhig einmal die Bischöfe
mit ihrer Wertschätzung zur christlichen Ehe allein
und überlegen uns, was man eigentlich einem Paar –
außer Worten der Einfühlung und des Trostes - sagen könnte,
das man gut kennt und das auseinanderzudriften beginnt.

Was könnte ein Paar umstimmen, seine Beziehung aufrecht zu erhalten?
Was könnte Paare aus verhängnisvollen Prägungen befreien?
Ich möchte ein paar Gründe vorschlagen.
Damit gelangen wir nicht so weit zurück wie Jesus,
so dass wir sagen dürften:
es wäre die Schöpfungsordnung vor Mose wieder in Sicht.
Wenn freilich die Wirklichkeit des Scheiterns nicht ausgeklammert wird,
kann das das Freiheits- und Entlastungspotential der Ehe entfaltet werden.
Wir reden im Bewusstsein, dass es Brüche in unserer Existenz gibt,
die auch da wo wir die alte Ordnung verlassen, nicht ins Nichts führen,
sondern zum Eingeständnis der Zerbrechlichkeit aller Ordnungen
und zu der Hoffnung, dass sich Gott erneut seinen Menschen zuwendet.
Vor Gott und in der Gemeinde gilt kein Ansehen der Person.
Im Glauben kann man auch mit seinen Brüchen leben.

Aber muss es zwangsläufig immer dazu kommen?
Wir versuchen ein Wort für den Fortbestand einer Ehe einzulegen:
Gegen des „Herzens Härtigkeit“ und gegen den geheimen Wunsch
sein Leben mit dem Anfangszauber einer neuen Liebe zu befeuern,
aber auch gegen Resignation und flaue Müdigkeit.

3a.Kochtopf
Das bekannteste Argument stammt in heutiger Lesart
von Erich Fromm in seinem Buch "Die Kunst der Liebe".
Fromm schreibt, es wäre in der Beziehung eines Paars so,
dass manche rasche Gefühlsaufwallung vergeht,
aber der Rahmen ihrer Beziehung stabilisierend wirkt.
Also im Bild gesagt,
dass das liebende Paare oft wie ein heißer Topf sind,
den man auf einen kalten Herd stellt und der rasch an Hitze verliert,
während Paare mit stabilem Umfeld auch bei Kühle des Gemüts
eine langsame Entwicklung zur Wärme und Glut nehmen,
wie eben ein kalter Wassertopf von einem Herd dauerhaft warm gehalten wird.
Mit anderen Worten: Nach dem anfänglichen Drang,
sich durch seinen Partner bestätigen zu lassen,
was für ein toller Hecht man ist, wie attraktiv sie ist,
und dem Verschmelzungsvorgang,
zu dem es ein paar Grad erhöhter Liebestemperatur bedarf,
kommt ein langer gemeinsamer Weg,
auf dem die Eheleute sich einander anverwandeln.

Statt dann bei einer Beziehung immer gebannt auf den Gefühlspegel zu starren,
der doch nur die Folge einer Gesamtwärme ist,
sollte man sehen, ob der Herd funktioniert, ob der Rahmen stimmt,
ob jeder zu sich kommt, Platz für sich hat,
seinen Rückzugsraum, die Bestätigung,
das gute Gefühl eine Aufgabe zu haben, die zu ihm passt.
Oft ist der Tod im Topf, weil der Rahmen nicht stimmt.
Als Außenstehender hat man vielleicht den besseren Blick dafür.

Die Qualität einer Beziehung ist nicht definiert
durch die Tiefe der Liebesgefühle,
sondern dadurch was sie für Rollen bereithält:
ob man gebraucht wird oder Hilfe zulassen kann
und ob man über diese Zuschreibung Zufriedenheit gewinnt.
Man braucht einander, ist sich Stütze, übernimmt gemeinsame Aufgaben.
Das währt solange bis das Haus gebaut ist und die Kinder halbwegs flügge sind.
Das ist mit allen Einschränkungen an Selbstverwirklichung und Selbstfindung: ein Stück Stabilität. Entlastung. Freiheitsraum.
Das ist nicht wenig. Aber ist das nicht zu wenig?
Wollte man nicht mehr vom Leben?
Lockt da nicht die Möglichkeit die Biographie noch einmal ganz anders zu schreiben und am liebsten von vorne zu beginnen:
mit der erhöhter Ausgangstemperatur und besserem Wissen? (M. Frisch, Biographie ein Spiel)

3b. Ein fallender Ziegelstein
Deshalb ein zweiter Hinweis.
In einem seiner frühen Meisterwerke als Kriminalautor
hat der Amerikaner Dashiell Hammett von einem Detektiv erzählt,
der die Aufgabe hat, einen seit Jahren verschollenen Ehemann aufzuspüren.
Durch einen Zufall gelingt das auch und das Ergebnis ist frappierend:
Da lebt ein Mann in gutsituierter Situation,
mit geräumigen Haus und gepflegte Limousine, netten Kindern
und einer fürsorglich-sportlichen und blonden Frau,
zwei Vereine und Golf.
Eines Tages, auf dem Heimweg von seiner Arbeit, als er auf die Straße tritt,
löst sich ein Ziegelstein vom Dach, fällt knapp an ihm vorbei
und zerschellt auf dem Bordstein. Es hätte sein Tod sein können.
Alles wäre sinnlos gewesen, was er sich aufgebaut hatte.
So verlässt er tief bewegt, aber geordnet und ohne es böse zu meinen,
sein Zuhause und lässt sich in einem anderen Bundesstaat nieder.
Er findet eine Arbeit, eine Frau, kauft ein Auto, hat Kinder,
baut ein Haus und geht Golf spielen.
Die neue Frau ist fürsorglich-sportlich und blond,
die Kinder sind nett. Das Leben geht weiter wie zuvor.

Was soll das heißen?
Es soll heißen: keine Ehefrau und kein Ehemann kann uns
den Sinn unseres Lebens garantieren und
vor der Frage des Todes und des Älterwerdens eine Antwort sein.
Die Frage nach der Einmaligkeit meines Lebens und der verstreichenden Zeit
ist eine Frage an mich selber und ich muss sie auch selber beantworten.
Wo immer ich wohne und mit wem ich lebe:
Ich werde diese Fragen überall mit hinnehmen.
Eine neue Partnerschaft ist oft nur ein Trugbild,
denn ich bringe mich mit und damit die alten Probleme.
Oft geschieht eine Trennung, weil sich einer nicht wandeln möchte,
weil er Angst hat vor dem Ablauf des Lebens, vor dem ablaufenden Leben.
Er möchte nur immer, dass der andere sich wandelt.
Das ist des Herzens Härtigkeit, von der Jesus spricht.

3c. Philemon und Baucis
Das dritte ist ein Bild: Philemon und Baucis.
Das Bild einer alten Ehe. Gemeinsam sitzen sie auf der Bank.
Irgendwann wird eins sterben und das andere wird ihm alsbald folgen.
Alles haben sie überstanden, ihre Zänkereien, seine Untreue –
seine Nörgeleien und ihre Depressionen.
Es war nichts ideal an ihrer Ehe und sie haben viel füreinander aufgegeben.
Ja, auch ungerecht war es, denn sie hat mehr aufgegeben, damals.
Ihre Töchter haben das dann nicht mehr getan.
Aber nun ihre Enkelinnen und auch ihre Enkel,
die schauen auf dieses Bild der Alten auf der Bank
und wünschen sich auch einmal ihr Leben so gemeinsam zu bestehen.
Sie haben dabei auch ihre eigenen Eltern vor Augen,
deren Regale voll stehen mit den Selbsthilfebüchern:
"Die offene Ehe", "Spielarten und Spielregeln der Liebe" Willi`s "Zweierbeziehung", "Beim nächsten Mann wird alles anders", "Der Märchenprinz", "Einübung in die Partnerschaft durch Kommunikation und Verhaltenstherapie", "Männer lassen lieben", aber auch „Lasst die Männer in Ruhe“. „Männer sind vom Mars, Frauen sind vom Venus.“
Danach kam die Literatur über Unterhaltszahlung und Patchworkfamilien.
Diese Eltern können geläufig über komplementäre
und partnerschaftliche Paarbeziehungen parlieren und
bei Ausbruch offenen Zorns in aller Kühle sagen:
"Jetzt spüre ich ganz besonders intensiv, wie wütend du bist."

Die Enkel aber spürten, wie dünn die Oberfläche der Umgangskultur wird,
wenn es im Zuge einer ehelichen Auseinandersetzung
um Gefühle von Schuld, Angst, Eifersucht und Hass geht.
In der Ehe ist jeder, der Klügste und der Unwissendste ein nackter Mensch,
der wild um sich schlagen und der genauso tief verletzt werden kann.
In ihren jungen Jahren sind die Enkel schon sehr altklug.

Wenn sie dann selbst zum Traualtar kommen,
dann rührt sich auch in ihnen das Bild wieder
von Philemon und Baucis.
Und sie versprechen es sich sehr ernsthaft,
nämlich "Ja" zusagen, zueinander, für ein ganzes Leben  
und da schwingt sich dieses alte hohe Wort empor:
„Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“
und steht lautlos über der ganzen Feier.
Und dieses Wort heißt nicht Liebe allein,
sondern verlässliche Liebe: Treue. Utopie der Treue.

4.Fürs Leben gern ein Paar
Die Grundaussage christlichen Glaubens zur Ehe ist,
dass der Glaube Mut macht zur Treue und
die Möglichkeit menschlicher Untreue nicht als das Maß
für die Ehe anerkennen kann.
Die offene Frage Jesu, von der Schöpfung her an uns, lautet so:
"Ist es wirklich ein Gesetz, dass wir von Begierde zu Begierde hasten?
Kann man denn nicht dabei bleiben, die Frau, die man erwählt hat,
eine Landschaft, in der man lebt,
Verse, die man auswendig weiß, zu lieben und zu begehren?
Bei einem, der treu ist, sind die neuen Begierden den alten verwandt,
und die alten Begierden erlöschen nicht." (Georges Roditi)

Ist es so? Man kann hier nur fragen.
Dreimal habe ich angesetzt zu fragen: nicht nur nach Gefühlen,
sondern nach der nach der gegenseitigen Angewiesenheit,
dem gemeinsamen Rahmen. Man kann fragen,
ob die Ehe nicht mit der Suche nach dem Sinn meines Lebens überfrachtet wird, die sie nicht lösen kann und nicht lösen soll
und man kann fragen,
ob dieses alte Ideal der Treue nicht viel moderner ist als der breitgetretene Kommunikations-Quark, in den jede Generation erneut ihre Nase begräbt?
Also  m u s s  man nicht auch nachfragen als Freund den Freund,
als Freundin die Freundin?
M u s s  man nicht, so wie es Jesus tat, sagen,
dass es zwar immer Scheidungen geben wird,
aber das sie nur Statistiken sind und so wenig Aussagekraft haben
wie Kinder und Erwachsene, die jährlich als Verkehrstote in der Statistik erscheinen und doch keine Zahlen sind, sondern Menschen,
deren Leben auch hätte anders verlaufen können?

Jesus betont den Bruch, den das Ende der Ehe bedeutet.
Anders aber als die sauertöpfischen Moralisten und Steinewerfer,
liegt für ihn in der Anerkenntnis des Bruchs und
in der existentiellen Notwendigkeit von Reue
auch die Chance auf Gottes Vergebung
und die Möglichkeit eines neuen Anfangs.

Aufgabe von uns als Christen ist es allein,
von der Ehe her zu denken und nicht von ihrem Scheitern her,
ein Vorurteil für die Ehe zu haben,
so wie Jesus es hatte,
jenseits aller möglichen Klugheiten der Ehe- und Scheidungsliteratur
daran zu erinnern, wie sehr Mann und Frau,
Menschen überhaupt, aufeinander verwiesen sind,
wie sehr sie im Grund zusammengehören,
wie stark das Urbild ihrer Partnerschaft und Liebesgemeinschaft ist.
Sie sind ein Fleisch. Deutlicher kann man es nicht sagen.
Gehört die Einehe auch zu den Werten, die wir jetzt ansprechen müssen,
damit es nicht wie in den Banlieus um Paris zur Duldung
verschiedener Eheformen kommt, die sozial desaströs wirkten? (Aufstände2005)
Wer hätte nicht einmal gesehen
wie ein altes Ehepaar geht und spricht,
wie sich ihr Gang angenähert hat und die Weise zu sprechen,
wie ähnlich ihr Blick wurde und oft sogar das Gesicht:
sie sind ein Fleisch.

Es ist schön das zu sehen und zu beobachten,
es gibt den Dingen dieser Welt eine Selbstverständlichkeit zurück,
die sie lange entbehrt hat,
sie ist ein Bild von dem Verhältnis von Mann und Frau,
wie es einst war und wie es wieder werden soll,
ein Glanz vom ersten Schöpfungslicht.

5.Brechungen
Ein Licht aber, das in seinen vielen Brechungen
die vielen einschließt, die anderen Pfaden folgen.
Es gibt vielerlei Beziehung höchster Würde und Dignität;
Stellungen, Aufgaben und Ämter, die adeln.
Die Ehe ist nur eine von vielen Ordnungen,
die alle eine vorläufige Bedeutung haben.
Sie ist kein Allheilmittel und kein höchstes Gut.
Man muss nicht heiraten, hat Paulus gesagt.
Die Ehe mindert und potentiert die Gefährlichkeit des Lebens. 
Auf die Frage, ob sie angesichts ihres cholerische Ehemannes
Winston Churchill nicht öfters an Scheidung denken würde,
hat Mrs. Clementine Churchill mit biblischer Wucht erklärt:
„An Scheidung habe ich nie gedacht. Aber an Mord!“
Shakespeare wiederum stand die Szene vor Augen,
darin ein Delinquent vom Galgen erlöst werden konnte,
wenn eine Frau aus der Menge ihn heiraten wollte
und lässt ihn so souverän wie maliziös sagen:
„Gut gehängt ist besser als schlecht verheiratet.“ (Was ihr wollt I,5)
Fürwahr! AMEN.
 

Perikope
18.10.2015
10,2-12

Predigt zu Markus 10,2-9 von Heiko Naß

Predigt zu Markus 10,2-9 von Heiko Naß
10,2-9

Und er machte sich auf und kam von dort in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordans. Und abermals lief das Volk in Scharen bei ihm zusammen, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals.

2 Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit.
3 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?
4 Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.
5 Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben;
6 aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau.
7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen,
8 und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.
9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Liebe Gemeinde,

die scharfen Worte Jesu lösen bei mir zwiespältige Gefühle aus.

Ich denke beim Hören zunächst an Menschen, die ihre Ehe als Ort der Geborgenheit und des tiefsten Glücks erfahren, an Feiern von goldenen und diamantenen, ja eisernen  Ehejubiläen, die von der kostbaren Tragkraft einer Beziehung erzählen. Als wir einmal eine diamantene Hochzeit im Gottesdienst feierten, da standen alle, zeigten ihren Respekt und Hochachtung von den alten Jubilaren, die sich gegenseitig in ihrer langen Ehe getragen haben. In guten wie in bösen Tagen war nicht nur sprichwörtlich, es war tiefe Lebenswahrheit und auch offensichtlich, dass hier das Ehebündnis bis zum Tod des Ehepartners dauern würde.

Gleichzeitig aber denke ich auch an Menschen, die erst dann wieder glücklich wurden, als sie sich aus einer Beziehung, die ihnen zum Albtraum wurde, lösen konnten, oft begleitet von unsäglichen Schuldvorwürfen, Scheidungsanwalt und erfahrenen Verletzungen. Und schließlich denke ich an Menschen, die zwar für sich das Glück einer Ehe wünschen, aber es doch nicht erlangen können, weil sie auf paradoxe Weise Angst haben, sich zu binden.

Es irritiert mich, in diesem Text den sonst so sanften Jesus so hart zu erleben. Und gleichzeitig irritieren mich Schilderungen an anderer Stelle, den hier so harten Jesus, als er tatsächlich einer Ehebrecherin begegnete, dann sanft zu erleben. Als zu einem anderen Zeitpunkt einmal ein Haufen Männer eine Frau zu Jesus schleppten und sie bereit waren, sie zu steinigen, da kniete sich Jesus hin zur Frau, schrieb Worte in den Sand und sagte: wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Wir können den Textabschnitt von heute nicht ohne den anderen Textabschnitt lesen und wir können die Worte von damals auch nicht ohne unsere Erfahrungen von heute lesen und verstehen.

Mit diesen Erfahrungen versuche ich noch einmal einen Einstieg in den Text. Am Anfang heißt es dort: Abermals lief das Volk in Scharen bei ihm zusammen, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals.

Das klingt alles andere als spannend. Das klingt nach wenig Begeisterung, wenig Feuer, wenig Lust, dafür um so mehr Langeweile. Jesus wirkt wie ein etwas müde gewordener Prediger in Sachen Gottes.

Das ging den Zuhörern vermutlich auch so. Und einigen von ihnen,  eine Gruppe von gelehrten Leuten aus dem Kreis der Pharisäern, wurde es wohl etwas zu bunt und sie sich überlegten sich, wie sie die Debatte ein wenig in Gang bringen könnten. Sie versuchten ihn, steht später im Text. Ich verstehe das ein wenig anders. Sie nehmen ein Thema, von dem sie wissen, dass Jesus darauf anspringen würde und legen los: Ist es erlaubt, dass sich ein Mann von seiner Frau scheiden darf?

Das sagen sie so. Es gibt keinen konkreten Anlass. Die Freude an der Provokation.

Es gibt Fragen, die sind wie ein rotes Tuch. Ich kenne das von mir auch. Ich reagiere unwirsch auf bestimmte Themen, auf  bestimmte Fragen, auf bestimmte Leute. Ich werde scharf und schieße in meiner Antwort über das Ziel hinaus. Hinter ärgere ich mich darüber – du hättest das doch wissen können, sage ich mir ehrlich schuldbewusst, dass es eine solche „rote Tuch-Situation“ war und ich mehr hineingetragen habe in die Situation, als wirklich drin steckte.

Das, so vermute ich, passiert auch hier. Jesus, ich sage das so ungeschützt, fällt auf die Fragestellung herein. Das macht ihn ausgesprochen menschlich. Aber was wird Jesus bei dieser Frage so geärgert haben?

Es ist nicht die Sache nach Ehescheidung selbst. Es ist die Frage, was erlaubt ist.

Denn die Frage eröffnet ein Spiel. Etwas Heiliges wird auf’s Spiel gesetzt. Die Frage nach den Grundlagen menschlichen Miteinanders wird plötzlich Gestand gelehrter Diskussion. Und mehr noch: es ist eine durch und durch männliche Sichtweise, die dort eingetragen wird. Wieso sollte es nur dem Mann erlaubt sein, sich zu scheiden, ohne Absehung, was sein Handeln mit der Frau bewirkt? 

Eigentlich ist ein solches Fabulieren auch die Lebenseinstellung unserer Zeit par excellence. Ist es erlaubt, am Sonntag seine Geschäfte zu öffnen, könnten wir fragen. Ist es erlaubt, zur Behandlung von Krankheiten auf embryonale Stammzellen zurück zu greifen, auch wenn dabei werdendes Leben abgetötet wird? Ist aktive Hilfe beim Sterben erlaubt?

Jesus reagiert, wie wir reagieren würden und fragt zunächst zurück: Wie ist denn die Gesetzeslage? In seiner Zeit heißt das: Was hat euch Mose geboten?

Die Pharisäer antworten sofort, denn mit dieser Frage haben sie gerechnet: Mose hat es zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben, sagen sie. Ein starkes Argument ist das. Die Schrift scheint eindeutig zu sein. Ein Bibelspruch legitimiert eine Einstellung. Das ist eine bewährte Form, einen anderen mit der Bibel in der Hand bildlich zu erschlagen. So hat man in späteren Jahrhunderten auch Bibelsprüche herangezogen, um die Unterordnung der Frau unter den Mann zu rechtfertigen oder um Schwule und Lesben zu disqualifizieren.

Jesus fühlt das, er der für Heiligkeit der Schrift stehen will, weiß, dass er mit einem Schriftbeweis in die Enge getrieben werden soll. Er weiß, dass die Gelehrten gleich triumphieren und damit auch seine Ernsthaftigkeit verspotten werden.

Und darum schlägt er zugeben gereizt und argumentativ unsauber zurück: Um eurer Herzenshärtigkeit willen hat Mose dieses geschrieben, entfährt es ihm.

Warum ist das böser, als es im Deutschen klingt? Herzenshärtigkeit heißt Griechisch Kardiosklerose – wenn man das, frei nach Luthers auf deutsche Maul schauen übersetzen würde, stünde da der Ausdruck: Ihr seid einfach verkalkt!

Ja, liebe Schwestern und Brüder, wer meint, dass die Bibel nur ein frommes Buch sei, der lasse sich an dieser Stelle eines besseren belehren.

Und deswegen lohnt es sich, jetzt genauer hin zu sehen. Jetzt steht da das kleine Wort „aber“ in der Rede Jesu. „Aber“ bedeutet eine Kehrtwende. Es markiert hier den Augenblick, da Jesus merkt bei allem berechtigten Zorn, dass er zu weit gegangen ist.

Denn es geht nicht darum, seine Gesprächsgegner zu beleidigen. Es geht darum, auch sie zu gewinnen.

„Aber“ sagt er, - und nun kommt zum ersten Mal in dem begonnenen Gespräch das Wort Gott vor. Jesus legt offen, was für ihn der Grund seiner Emotionen war: von Anbeginn der Schöpfung hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau.

Nun geht es ihm in der Argumentation nicht mehr um Möglichkeiten, nun geht es ihm um Gott, um Gottes ursprüngliches Beginnen. Nun geht es ihm um ein Ergründen, was es heißt, dass Mann und Frau füreinander da sind, Frau und Mann.

Gott hat Frau und Mann füreinander geschaffen. Sie sind  aneinander gewiesen.

In der Liebe zweier Menschen kommt auch die Liebe zum Nächsten zum Tragen, sie ist sozusagen das Urbeispiel dafür. Und mehr noch, die Liebe zum Nächsten ist nur möglich, wenn man sich selbst gegenüber Liebe und Respekt beimisst, auf sich selbst achtet, sorgfältig lebt, versucht glücklich zu sein.  

Jede, jeder, die oder der darum nur ich sagt,  und in allem fragt, was erlaubt ist, setzt Gott und den anderen auf’s Spiel. In Gottes ursprünglichem Beginnen aber steht sein Wille, dass diese Welt durchwirkt wird mit Liebe. Und die Liebe zwischen Mann und Frau ist das Siegel auf diesem Willen, bekräftigt ihn und lässt ihn glaubwürdig werden. Ein kostbarer Wille, und eine wunderbare Verheißung Gottes und darum umso ernsthafter zu wahren.

Kein Wunder, dass Jesus so zornig wurde, als er gefragt wurde, ist es erlaubt, mit dieser Verheißung zu spielen.

Liebe Gemeinde, wir leben jenseits von Eden und es gibt nachvollziehbare Gründe, dass Mann und Frau, die ihren Lebensweg im Teilen der Liebe begonnen haben, an einem Punkt merken, es geht nicht mehr miteinander.

Moralisch sollte man da nicht werden, so wenig wie Jesus moralisch wurde, als ihm in konkreter Situation Frauen begegneten, denen von Männern vorgeworfen wurde, sie hätten die Ehe gebrochen.  Da wurde er einfühlsam in die Not, in die Wunden geschlagener Verletzungen, die diese Frauen mit sich trugen, da wurde er nicht urteilend, sondern barmherzig und gnädig.

So geht es hier nicht um Urteile, sondern darum, von Gott zu sprechen und daran zu erinnern, dass von Anbeginn der Wille Gottes nach Liebe diese Welt durchzieht, dass er als ein Beispiel seiner Liebe die Liebe von Frau und Mann in der Welt schuf, dass es wunderbare, erfüllende – wohlwissend private Augenblicke – in einer Ehe zwischen Frau und Mann gibt, dass die Erfahrungen von Geborgenheit und Fürsorge tragen können, ein Leben lang, dass auf diesem Gelingen ein Segen liegt, und dass darum auch das Wort Jesu wahr ist, der Mensch solle nicht scheiden, was Gott zusammengefügt hat.

Dass alles lässt sich sagen – und dann das Gelingen und das Scheitern in Gottes Hand legen, in der wir geborgen sind und aus deren Gnade und Barmherzigkeit wir leben Tag um Tag.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Christus Jesus.

Amen.

Perikope
18.10.2015
10,2-9

Befreiendes Wort - "Wir können neu ins Leben gehen" - Predigt zu Markus 2,1-12 von Heinz Janssen

Befreiendes Wort - "Wir können neu ins Leben gehen" - Predigt zu Markus 2,1-12 von Heinz Janssen
2,1-12

Befreiendes Wort - "Wir können neu ins Leben gehen"

Liebe Gemeinde,

ein Haus, berstend voll, weil dort einer "das Wort" sagt. Ein kraftvolles und befreiendes Wort. Wie spannend, wie kraftvoll und mitreißend muss dieses Sagen, Aussprechen von lebenswichtigen Einsichten gewesen sein. Es muss sich um ein besonderes Wort gehandelt haben, dem die Menschen sogar die Kraft zutrauten, einen gelähmten Menschen aus seiner „Unbeweglichkeit“ herauszuholen. Es das Wort (vom Reich) Gottes, das die Menschen in jenem Haus zusammenkommen ließ. Er, Jesus von Nazareth, der Gottes Wort weitersagte, war der umringte Mittelpunkt.

Geschlossener Raum, geschlossene Gesellschaft?

Hörende, Zuhörende, Neugierige, Wissbegierige, Skeptiker und Glaubende bilden für einen kleinen Trupp ein Hindernis: für vier Menschen, die eine Liege mit einem Gelähmten tragen. Kein Durchkommen, keine Gasse, die sich bildet. Das Haus erweist sich als geschlossener Raum, die Hörenden als geschlossene Gesellschaft. Kein Durchkommen. Schlimm, wenn heute unsere Kirche, unser Land, unser Europa, ein geschlossener Raum wäre und die Menschen sich als geschlossene Gesellschaft verstehen würden. Hören wir noch etwas mehr in die Bibelgeschichte hinein. Seltsam, die Träger waren doch nicht stumm. Haben sie nicht gerufen, um Platz gebeten, erst leise, dann laut?

Lähmungen entgegenwirken

Dem Evangelisten Markus scheint es nicht allein um eine körperliche Lähmung zu gehen, nicht allein um eine einzige betroffene Person. Mit "Platz da", "aus dem Weg", "Jesus, hilf uns", hätte sich doch alles leichter regeln lassen. Waren die Zungen der Träger gelähmt? War es einfach nur pfiffiger, das mit Lehm bedeckte Flachdach abzudecken oder war es als Erzählung für den Evangelisten interessanter?

Übertragen wir das Geschehen in unser Leben heute: Ein Mensch ist uns anvertraut, der sich selbst nicht helfen kann – so wie in dieser Geschichte. Anvertraut, er braucht unser Vertrauen, er ist mit uns in eine Beziehung gebracht, er ist uns meist sogar sehr vertraut als Familienangehöriger, befreundet, Nachbar, Kollege oder Kollegin. Vertraut sind wir dann auch mit seinem Schicksal, welches die Lähmung oder Hilfsbedürftigkeit ausmacht. Wir sind mit hineingezogen in die Lebensgeschichte, in Irrungen und Wirrungen oder in das Unglück. Wir sind Mitbetroffene (Beispiele ...) - und Betroffenheit kann sprachlos machen, die Zunge lähmen.

Mitbetroffen, mitverwickelt sein, bedeutet: Ich muss an der Befreiung von der Lähmung mitarbeiten, meinen aktiven Anteil an Arbeit bei der Entwirrung und dem Aufdecken der Ursachen tun. In der Bibelgeschichte decken sie das Dach des Hauses auf, in dem das Wort Gottes als Lebensmitte von Jesus gesagt wird. Die vier Träger verschaffen sich Zugang zum Zentrum, können sehen, erkennen und erst jetzt den nächsten wesentlichen Schritt wagen. Die gelähmte Person Jesus präsentieren, darbieten, vor die Füße legen.

Krankheiten - eine Strafe Gottes?

Als Jesus – so hören wir – ihren Glauben sah, wurde er aktiv. Nicht der Gelähmte wird genannt, nein die Träger. Weil sie glauben, spricht Jesus dem Gelähmten die Vergebung der Sünden zu. Laufen kann der Gelähmte dadurch noch nicht. Zuerst weist Jesus auch auf etwas ganz anderes hin. Vier Tragende, Mittragende, legen Jesus den anvertrauten Gelähmten vor die Füße. Jesus erkennt die wechselseitigen Beziehungen der kleinen Gemeinschaft, die Auswirkungen von lähmenden Sünden auf die eine Person und ihr Umfeld. Von anderen Bibelstellen, besonders von der Heilung eines blindgeborenen Menschen (Johannes 9), wissen wir sehr genau: Krankheiten, also auch die Lähmung, sind nach Auffassung Jesu keine Strafe Gottes für begangene Sünden.

Was aber einleuchtend ist: es gibt sündiges, verfehltes Leben, das krank macht.
Verhindertes Gehen auf guten Wegen durch Verstrickung in Lügen, Gewalt und Betrug kann zum Beispiel Lähmungen bewirken. Hier bin ich, um herauszukommen, auf Vergebung angewiesen. Habe ich diese Vergebung erfahren, so wirkt es sich bei den Trägern, den Mittragenden, aus, gleichgültig, ob sie Mitträger des Guten oder des bösartig lähmenden Verhaltens waren. Die ganze Gemeinschaft ist betroffen, der tragende wie der getragene Mensch. Noch hat der Verlauf der Erzählung dem Gelähmten nicht zum Gehen verholfen.

Die Vollmacht Jesu wird in Frage gestellt. War die Menschenmasse erst noch an seinem Wort interessiert, bezweifelten es diejenigen, welche sich mit Gott auszukennen meinten. Die Kircheninsider sozusagen sind sogar entsetzt, bis ins Herz getroffen. Jesus konfrontiert sie mit der Frage: Was ist leichter zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Dann erst schickt Jesus den Gelähmten heraus aus der Lähmung in die Bewegung.

Das eigentliche Wunder

Einfach nur ein Machtexempel? Nur eine rhetorische Frage wie die: Wer war zuerst da – die Henne oder das Ei? – Nein, Jesus gibt die Antwort: Wenn Gott vergibt – und wir dürfen seine Vergebung weitergeben -, kann ein Mensch wieder in Bewegung kommen, dann ist er in der Lage, sogar seine Liege, sein Bett, zu nehmen wie einen Teil seiner Lebensgeschichte, zuzupacken und zu tragen, ohne daran unbeweglich gefesselt zu sein. Das ist das eigentliche Wunder, das Wunder, das auch heute immer noch geschehen kann: Dir sind deine Sünden vergeben, steht auf, nimm dein ganzes Leben in die Hand, du kannst es tragen, du bist in Bewegung gekommen, geh deinen Weg mit Gott!

Kirche ein offenes Haus – Gemeinde eine tragende Gemeinschaft

In diesem Sinn soll unsere Kirche ein offener Raum, ein offenes Haus für alle sein - und die Menschen, denen sie wichtig ist, sollen eine offene, hörende und helfende, eine tragende und mittragende Gemeinde sein. So können wir, wie wir es gleich singen (EG 432), "neu ins Leben gehen".
 

Perikope
11.10.2015
2,1-12

Predigt in leichter Sprache zu Markus 2,1-12 von Christiane Neukirch

Predigt in leichter Sprache zu Markus 2,1-12 von Christiane Neukirch
2,1-12

(Diese Predigt ist bestimmt für einen Gottesdienst in Gebärdensprache. Deshalb ist sie in leichter Sprache verfasst und kürzer als Predigten für hörende Gemeinden.)

Liebe Gemeinde!

Ich stelle mir vor: da sitzt er, der Mann aus der Geschichte – früher gelähmt, jetzt wieder gesund. Ich stelle mir vor, er sitzt hier, aufrecht und munter bei uns!

Ich möchte ihn fragen: wie geht es Dir heute? Was hast du uns zu erzählen? Ich möchte ihm das Wort geben! Er sagt:

Ihr Lieben! Ich freue mich sehr, dass ich heute bei euch sein kann!

Was ich erlebt habe, das war unglaublich. Ich war gelähmt, konnte mich nicht bewegen. Ehrlich: Manchmal habe ich gedacht: besser, ich bin gar nicht mehr da, dann hat keiner Mühe mit mir. Das waren schreckliche Stunden. Ich fühlte mich hilflos und ausgeliefert und ich fühlte mich auch noch schuldig, weil andere durch mich leiden mussten, weniger Zeit hatten für sich und ihr Leben, Mühe und Arbeit mit mir hatten.

Aber meine Freunde haben immer gesagt: du wirst wieder gesund! Meine Freunde haben die Hoffnung, den Glauben an Gottes Hilfe, nie aufgegeben. Der beste Beweis dafür: dieser Tag, als Jesus kommt. Ich sehe es noch vor mir: meine Freunde tragen mich da zu dem Haus, und wir haben keine Chance, reinzukommen. Sie überlegen kurz miteinander und dann los, hoch aufs Dach mit mir und ich denke: Huch? Was machen die denn mit mir?? Schnell begreife ich: die machen ein Loch ins Dach! Das gibt´s doch nicht?! Die wollen mich da runter lassen - wenn das nur gut geht? Aber wie peinlich: dann sehen mich alle da im Haus!! Und gleichzeitig bin ich doch glücklich und stolz auf diese Freunde!

Heute denke ich: Richtige Freundschaft – die gibt´s nur mit Geben und Annehmen. Geben ist leicht. Annehmen ist schwer, für mich war es lange so. Ich kenne viele Menschen, für die ist das Annehmen auch schwer. Besser allein leiden, nur nicht andere bitten müssen: helft mir und die anderen damit nerven und stören! Auf der anderen Seite: Hilfe bekommen, nicht allein gelassen werden – das tut so gut!! Ich bin sicher: genau das haben meine Freunde auch gefühlt. Vielleicht konnte ich ihnen mit meiner Freude und Dankbarkeit doch etwas geben! Vielleicht gehören Geben und Nehmen zusammen?

Ja, und dann haben sie mich runtergelassen, genau vor die Füße von Jesus. Und da lag ich. Und was sagt Jesus als erstes zu mir? Er sagt ganz direkt zu mir: „Kind, deine Sünden sind dir vergeben.“ Ihr staunt vielleicht darüber. Bei euch sind „Sünden“ zu viele Kalorien zu essen oder zu schnell zu fahren mit dem Auto. Aber Sünden sind ja viel mehr! Wie oft hatte ich nachgedacht: warum, bin ich gelähmt? Warum gerade ich? Was hab ich falsch gemacht? Und dann ist mir schon dies und das eingefallen. Ja, ich hatte nicht alles gut gemacht in meinem Leben! Ich dachte immer: ich hab meine Krankheit verdient, sie ist die Strafe von Gott für irgendetwas?! Für was, das wollte ich herausfinden.

Und dann sagt Jesus: „Kind, deine Sünden sind dir vergeben“. Den Leuten im Haus bleibt der Atem stehen.

Aber ich weiß in diesem Moment genau: Jesus hat meine Gedanken und Gefühle verstanden – ohne lange mit mir geredet zu haben. Er hat nicht versucht, mich zu ändern – z.B. zu sagen: das ist ganz falsch, was du da denkst?! Oder zu sagen: was du fühlst, das stimmt ja nicht?! Jesus hat mich so akzeptiert, wie ich da war. Und hat einen Schlussstrich gezogen, mich befreit von dem Grübeln: was war früher. Heute kann ich sagen: Meine Sünden von früher, die hab ich losgelassen, sind nur noch „alte Suppe“, „Schnee von gestern“. Er, Gott, hat sie ja auch losgelassen! „Kind, deine Sünden sind dir vergeben!“ hat Jesus selbst gesagt.

Nur: gelähmt war ich ja immer noch?! Komisch. Die Sünden weg, also kein Grund mehr da für Strafe und ich war trotzdem krank?! Da habe ich verstanden: meine Lähmung – die war gar keine Strafe von Gott! Nein! Gott ist ganz anders als ich immer dachte! Barmherzig und freundlich – wie ich es in den Psalmen schon oft gelesen hatte! Er vergibt uns unsere Sünde! Er bestraft uns nicht mit Leid!

Und dann passierte es: Jesus sagt zu mir: „Steh auf, nimm dein Bett und geh nachhause!“ Und ich konnte es. Glaubt es oder nicht. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie das für mich war. Oder vielleicht doch?

Fühlt ihr eure Füße in den Strümpfen in den Schuhen? Ich habe sie lange nicht gefühlt!! Fühlt ihr, wie sie auf dem Boden stehen? Dann freut euch, genießt es!! Und jetzt legt mal eure Hände auf die Oberschenkel und spannt in den Beinen alle eure Muskeln an – und jetzt lasst sie wieder los! Wie weit haben euch eure Beine schon getragen! Wie hab ich mich früher danach gesehnt, meine Beine wieder bewegen zu können! Und jetzt kann ich es! Und nun geht mal in euern Rücken. Aufrecht sitzt ihr da! Könnt euch drehen und wenden, könnt euch bücken und hochstrecken. Ist das gut! Und jetzt schaut einander an – ihr seht euch auf Augenhöhe. Ich konnte andere immer nur von unten sehen und sie sahen auf mich herab. Jetzt bin ich aufrecht - so wie ihr. Großartig, einander ins Gesicht sehen zu können.

So hat Gott mich befreit, mich aufgerichtet und groß gemacht – so groß, wie ihr seid! Denkt an mich, wenn ihr euch klein und gelähmt fühlt – und vertraut auf Gottes Barmherzigkeit! Er wird euch auch befreien und immer wieder aufrichten!

Liebe Gemeinde! Ich kann mich nur noch bei dem Geheilten und beim Evangelisten Markus bedanken – wie gut, dass er uns diese Geschichte erzählt hat! Ich nehme daraus mit: wie schön Gemeinschaft ist, wie barmherzig Gott ist und wieviel er mir täglich schenkt.

Amen.

Perikope
11.10.2015
2,1-12

Predigt zu Markus 2,1-12 von Antje Marklein

Predigt zu Markus 2,1-12 von Antje Marklein
2,1-12

‚Heile du mich, Herr, so werde ich heil‘ – Der Wochenspruch führt uns in das Thema des Sonntags hinein. Was ist heil, was ist Heilung? Natürlich fällt mir gleich die Gesundheit ein. Aber Heil ist viel mehr als körperliches Wohlbefinden.

Mit einem weiten Blick für das Wort ‚heil‘ hören wir die Geschichte von der ‚Heilung des Gelähmten‘:

Nach einigen Tagen ging Jesus wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten:
Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.


Liebe Gemeinde.

Über die vier möchte ich sprechen, die ihrem Freund Heil bringen. Die vier haben es mir angetan. Vier Menschen, die einen Gelähmten zu Jesus bringen. Vier Menschen, die sich darum kümmern, dass einer heil wird. Vier Menschen, die ihre gesamte Energie in die Heilung des Einen stecken. Manchmal ist das nötig. Ich kenne das.  Manchmal kann ich nicht selbst für mich sorgen. Dann brauche ich Menschen, die sich für mich einsetzen, die tun, wofür ich gerade keine Kraft habe. Manchmal  müssen es sogar vier sein, die mir Heil bringen.

Sie wohnen in  Weetzen. Karina, Alfred, Birgit und Hans. Eigentlich kannten sie sich vorher gar nicht. Aber irgendwie sind sie alle zum ‚AK Willkommen‘ dazu gestoßen.  Hans wollte Deutschkurse anbieten. Karina  hat ein Auto und Zeit. Alfred kocht gern. Birgit kennt sich mit Behörden aus. Am Anfang hatten sie sich wenig zu sagen, nur: helfen wollten sie, wie alle. Im Flüchtlingsheim herrschen chaotische Zustände, hatten sie gehört. Und der AK willkommen braucht Unterstützung. Und dann geht es schnell. An einem Abend im Juni kommt eine Rundmail: Ab morgen geht ein Sudanese ins Kirchenasyl. Eine Unterstützergruppe bildet sich. Karina, Alfred, Birgit und Hans. Sie treffen sich mit  Admir im Gemeindehaus. Dort hat die Kirchengemeinde ihm den Konfirmandenraum eingerichtet.  Es gibt viel zu organisieren, und Admir kann weder Deutsch, noch lesen oder schreiben. Und  er darf  das Haus nicht verlassen. Um alles muss sich jemand kümmern. Den Einkauf, die Wäsche, das Essen, Besuch und soziale Kontakte, Sportmöglichkeiten, Verhandlungen mit der Kommune und dem Rechtsanwalt, und Unterricht. Lesen lernen, schreiben, deutsch. Manche Woche vergeht, da sehen sie sich täglich bei Admir. Karina, Alfred, Birgit und Hans. Hans lernt mit Admir. Karina kauft ein oder holt Lebensmittel von der Tafel, Alfred kann schnell die Gerichte kochen, die Admir kennt und mag, und Birgit verhandelt mit den Behörden.  Es gibt auch Konflikte, Rückschläge, Ungeduld und Verzweiflung. Aber Admir lernt schreiben, er lernt sich zu verständigen, und er bekommt immer mehr Kontakt in der Gemeinde. Nach 10 Monaten darf Admir umziehen, in eine kleine Wohnung, versehen mit einem Aufenthaltsstatus und begleitet von Karina, Alfred, Birgit und Hans. --

Anna ist alt. Den 87. Geburtstag haben sie noch gefeiert vor ein paar Wochen. Annas Mann, Johann, und die drei Töchter Katrin, Sophie und Lina.  Sie haben mit Anna gelacht und auch ein bisschen geweint. Bilder angesehen, Kuchen gegessen, durcheinander geredet  und immer wieder auch geschwiegen. Am Abend sind Katrin und Sophie wieder in den Zug nach Hause gestiegen. Lina ist in ihre Wohnung nebenan gegangen. Johann hat Anna geholfen, sich  für die Nacht fertig zu machen, und sie haben früh geschlafen.

Dann geht es jeden Tag schlechter. Wenn Lina nachmittags nach der Arbeit vorbeikommt, sieht sie ihre Mutter meist nur noch im Sessel sitzen. Wenn Katrin anruft, hört sie die gebrochene Stimme ihrer  Mutter, und Katrin reißt sich zusammen, um aufmunternde  Worte zu finden. Sophie ruft nicht an. Sie verhandelt mit dem Pflegedienst, besorgt das Krankenbett, schickt jeden Tag eine bunte Postkarte.  Und Johann kocht seiner Frau Pudding, begleitet sie zum Bad, stellt die Waschmaschine an und wäscht das Geschirr. Er lässt den Pflegedienst rein und den Arzt.

Irgendwann will Anna nicht mehr aufstehen. Auch essen will sie nicht mehr. Sie wird im Bett versorgt, der Pflegedienst kommt öfter. Wenn Johann ihr die Kissen zurecht rückt, lächelt sie schwach. Aber meistens hat sie die Augen geschlossen.  Lina sitzt nachmittags am Bett ihrer Mutter und hält die Hand. Sie liest der Mutter die Postkarten von Sophie vor. Immer wieder. Und erzählt ihr von Katrin, die angerufen hat.

Dann sagt der Arzt: ‚Es geht zu Ende‘. Katrin und Sophie kommen mit dem Zug und quartieren sich bei Lina ein. Abwechselnd sitzen sie am Bett der Mutter oder mit dem Vater in der Küche.  Als die Atemzüge länger und die Abstände größer werden, sind die vier am Bett der Mutter versammelt. Johann, Katrin, Sophie und Lina. Ruhig liegt Anna da. Mit jedem schweren Atemzug weicht das Leben aus ihr. Johann streichelt ihre Hand, Katrin steht hinter Johann, Lina und Sophie halten sich fest.

Dann ist lange kein Atemzug mehr zu hören. Johann weint. Lina zündet eine Kerze an. Sophie lehnt sich an Katrin.  Und es ist eine große Erleichterung in der Luft.

Vier Menschen, die einem Menschen helfen auf seinem Weg, an einem Punkt, wo er allein nicht weiterkommt. Wo er allein nicht heil werden kann.

Im Markusevangelium steht die Geschichte als Heilungsgeschichte, und zugleich  wird die Heilung zum Thema eines Streites. Wer darf Sünden vergeben, wer kann heilen? Ein theologischer Skandal bahnt sich an. Was macht dieser  Jesus da?  Jesus sieht den starken Glauben der Freunde und sagt dem Gelähmten Vergebung zu. Darf er das? Kann er das?  Für mich ist diese Frage unwichtig, ja sogar konstruiert. So, als solle die Heilung des Mannes missbraucht werden für einen Streit  zwischen Jesus und seinen Gegnern.

Ich bin immer noch bei den Vieren. Vier Menschen, die einem Menschen helfen, heil zu werden.

‚Als nun Jesus ihren Glauben sah‘ – so schildert es der Evangelist; Jesus sieht, wie überzeugt die vier sind. Mehr noch als den Kranken sieht Jesus die, die ihn bringen. Als Jesus ihren Glauben sah… 

Und dann: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.  Heilung erfahren. Frei sein von Sünden. Jesus vergibt dem Kranken – oder auch: Jesus verhilft ihm zu einem ganz neuen Blick auf sein Leben, seine Welt, seine Beziehungen, seinen Gott.  Jesus macht den Gelähmten heil. Heil an Leib und Seele. Der Mann steht auf, nimmt sein Bett und geht.

In der Geschichte bringen der Glaube der Freunde und der Vergebungszuspruch von Jesus dem Gelähmten Heil. Er, der die ganze Zeit passiv ist, lässt sein krankes Leben hinter sich, nimmt sein Bett und geht. Nimmt sein gesundes Leben  in die Hand. Jetzt kann er sogar seine Freunde hinter sich lassen.  Das Netz, das ihn getragen hat, kann er ablegen.

Admir wird seine Freunde nicht mehr brauchen, und auch Anna ist jetzt heil in einer Welt ohne ihre Lieben. Das Netz, das getragen hat, wird überflüssig. Der Gelähmte ist aufgestanden und heil seinen Weg gegangen.

Im Markusevangelium wird die Geschichte so erzählt, dass ohne die vier keine Heilung möglich gewesen wäre.  Und Jesus hat das Seine dazu getan.

In den beiden Geschichten von Admir und Anna, die ich Ihnen erzählt habe, war auch ohne die vier keine Heilung möglich.

Und Jesus hat das Seine dazu getan.

Amen.

Perikope
11.10.2015
2,1-12

"Liebe überwindet Grenzen" - Predigt von Volker Jung

"Liebe überwindet Grenzen" - Predigt von Volker Jung
12,29-31

Predigt zu Markus 12, 29-31 von Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), im ARD-Fernsehgottesdienst am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober 2015, im Dom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main.

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

 

Liebe Festgemeinde hier und zuhause,

An Tagen wie diesen …! – An Tagen wie diesen schauen wir dankbar zurück – auf die deutsche Einheit, die wir vor 25 Jahren wiedergewonnen haben. Auf den Mut vieler Menschen: Ihre Liebe zur Freiheit hat damals Grenzen geöffnet. Und wir schauen mit Dank zurück auf die vergangenen 25 Jahre neue, gemeinsame deutsche Geschichte. Es ist nicht selbstverständlich, dass so vieles gelungen ist. Es gibt viel Grund, dankbar zu sein: Dankbar für viele Menschen, die sich engagieren, damit alle hier gut leben können. Und dankbar für Gottes Güte, die diese Zeit erfüllt hat und erfüllt.

An Tagen wie diesen ist es aber auch gut, innezuhalten und sich auf das zu besinnen, worauf wir unser Zusammenleben gründen können, was Menschen verbindet und wichtig ist. Wir leben in einer höchst unruhigen Welt. Manche haben vor 25 Jahren gehofft: Die wichtigsten Probleme sind gelöst. Jetzt wird alles einfacher.

Ja – manches wurde gelöst. Anderes ist neu aufgebrochen. Was Menschen tun, schwankt immer zwischen Gelingen und Scheitern. Die Welt ist enger zusammengerückt.  Wir sind weltweit digital verbunden und wissen viel mehr voneinander. Chancen stehen neben Risiken. Das heißt auch: Weltweit sind Menschen unterwegs – auf der Suche nach einem guten Leben.

An Tagen wie diesen blenden wir das nicht in einem nationalen Hochgefühl aus. Dabei ist es gut, nach vorne zu schauen und die Zukunft zu gestalten. Es ist gut, bei den vielen Fragen und auch den vielen Stimmen, die raten und beraten, zu fragen: Worauf kommt es an? Was zählt wirklich?

"Welches Gebot ist das erste von allen?" – So hat der Schriftgelehrte Jesus gefragt. Und Jesus antwortete, indem er aus der hebräischen Bibel das alte Bekenntnis Israels zitiert. "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft." Und Jesus hat  noch ein zweites Gebot dazu gefügt. Auch das ist ein Zitat aus den Heiligen Schriften Israels: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Jesus kommentiert: "Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden." (Markus 12, 29-31)

Der Schriftgelehrte hatte ehrliches Interesse. Selbstverständlich kannte er die Gebote in den Heiligen Schriften. Und es sind ja etliche. Die zehn Gebote und darüber hinaus noch mehr. 613 Gebote haben die Schriftgelehrten gezählt. Und so fragt er: Was muss ich mir auf jeden Fall einprägen? Woran kann ich mich immer verlässlich orientieren?

Gibt es in den vielen Angeboten und Geboten dieser Welt einen Orientierungspunkt?

Es gibt eine Richtungsanzeige. Einen Kompass für mein Leben.

Jesus redet von der Liebe. Genauer von einer dreifachen Liebe: der Liebe zu Gott, der Liebe zum Nächsten und der Liebe zu sich selbst. Die Liebe ist das höchste Gebot. Die Liebe ist der Kompass für das Leben.

Die Liebe verbindet Gott und Mensch. Die Liebe verbindet Mensch und Mensch. Vielleicht noch mehr: Die Liebe ist das Geheimnis des Lebens. Ohne Liebe wäre alles nichts. Der Apostel Paulus denkt so über die Liebe. Er schreibt: "Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte, wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts." Johann Sebastian Bach vermittelt es uns wunderbar musikalisch: Wie gut es ist, Gott, dem Nächsten und mir selbst mit Liebe zu begegnen.

Musik:
Herr, durch den Glauben wohn in mir, Lass ihn sich immer stärken,
Dass er sei fruchtbar für und für Und reich in guten Werken;
Dass er sei tätig durch die Lieb, Mit Freuden und Geduld sich üb, Dem Nächsten fort zu dienen.

So klingt Nächstenliebe bei Johann Sebastian Bach.

Ohne die Liebe wäre alles nichts. Weil es Liebe ist, die Menschen Kraft gibt. Die Liebe der Eltern macht Kinder stark und lebenstüchtig. Wir sehen den Schaden, wenn Kinder keine Liebe erfahren oder ihnen Schlimmes angetan wird. Die Liebe von Menschen trägt durch schwere Zeiten und gibt neuen Mut. Sie hilft, mit Einschränkungen zu leben. Viele Menschen sagen im Rückblick: Es war nicht allein der Erfolg, das Ansehen, die Karriere, die mein Leben wirklich erfüllt haben. Es waren die Menschen, die mit mir das Leben geteilt haben – meine Familie, meine Freunde – Menschen, die für mich da waren und für die ich da war. Und am Ende des Lebens ist es gut, nicht allein zu sein.

Jesus sagt: Die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu sich selbst gehören zusammen. Wenn du spürst, wie sehr du Liebe brauchst, dann spürst du auch, was andere Menschen brauchen. Und dann spürst du auch, was Gott will und was Gott dir schenkt.  

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Dein Nächster ist wie du darauf angewiesen, ihn in Not nicht verhungern, verdursten oder ertrinken zu lassen. Nächstenliebe ist darauf aus, anderen zu helfen, dass sie leben können. Sie schließt aus, andere vernichten zu wollen.

Es kann keine Gottesliebe geben, die das Leben von Menschen verachtet. Alle irren, die meinen, man könne mit Gottesliebe die Vernichtung von Menschen begründen. Das ist der große Irrweg. Auch die Christenheit hatte sich auf diesem Irrweg immer wieder verlaufen.

Gott, der uns in der Bibel bezeugt ist, ist der Gott der Liebe. Gott ruft nicht zum Hass, sondern zur Liebe, nicht zum Krieg, sondern zum Frieden. Und am Ende steht nicht der Tod, sondern das Leben.

Wenn wir solche Gedanken zu uns sprechen lassen, an Tagen wie diesen, dann ermutigen sie uns zu sehen, worauf es ankommt. Wir leben von Gottes Liebe, die uns ins Leben gerufen hat. Sie trägt und hält uns. Wir leben von der Liebe, die wir einander schenken.

Diese Liebe überwindet  Grenzen und  macht keinen Halt vor Grenzen zwischen Ländern, Kulturen und Religionen. Wer liebt, sieht im anderen Menschen nicht den Fremden, sondern die Schwester, den Bruder – auf Liebe angewiesen wie ich selbst.

Gott schenkt uns die Kraft, das Zusammenleben in unserem Land so zu gestalten, dass Menschen das leben können, worauf es ankommt – nämlich füreinander da zu sein. Gott schenkt uns die Kraft, dass wir damit beitragen zu einem guten und friedlichen Miteinander in Europa und in dieser Welt.

Amen.

Gemeinsam an einem Tisch sitzen - Predigt zu Mk 2,15-17 von Margot Käßmann

Gemeinsam an einem Tisch sitzen - Predigt zu Mk 2,15-17 von Margot Käßmann
2,15-17

Liebe Gemeinde,
vor vielen Jahren durfte ich als Jugenddelegierte an einer Kirchenkonferenz in Buenos Aires teilnehmen. Der deutsche Botschafter lud die beteiligten Bundesbürger zu einem Essen ein. Ich war ziemlich verunsichert angesichts all der Gläser und all der Besteckteile. Mein Nachbar raunte mir zu: „Immer von außen nach innen!“ Das war hilfreich! Aber wohl gefühlt habe ich mich nicht bei diesem Essen, so förmlich und steif – letzten Endes kam ich mir fehl am Platze vor. Dabei sollte diese Einladung doch eine Ehre sein. Viel lieber wäre ich mit den anderen Jugenddelegierten in die Pizzeria gegangen…


Es kann sehr  unangenehm sein, zu einem Essen eingeladen zu werden, bei dem du dich nicht als passend fühlst. Du kannst eingeladen sein, und dich trotzdem unwohl fühlen, weil du nur geduldet bist und nicht wirklich herzlich willkommen. An einem Tisch – da geht es auch um die Erfahrung von Ausgegrenzt-sein oder sich Angenommen-wissen.
Wir haben es gerade in der Geschichte aus dem Markusevangelium gehört: Der Tisch, die Tischgemeinschaft, sie sind geradezu ein Symbol für die Botschaft des Jesus von Nazareth. Er setzte sich mit Menschen zusammen, die offenbar nicht als feine Gesellschaft galten. Welche Leute waren das wohl? Was die oft genannten Zöllner betrifft, wissen wir zuallererst von Zachäus, dass sie gut Geld verdienen wollten. Und dabei sind wohl manches Mal Bestechung und Korruption im Spiel gewesen – nicht dass uns das heute unbekannt wäre! Jesus zeigt ein ganz persönliches Interesse an Zachäus. Er fragt ihn direkt, ob er abends bei ihm zu Gast sein könnte. Und die ebenso genannten Sünder, wen können wir uns darunter vorstellen? Jemand wie Maria, der in der Geschichte unterstellt wurde, dass sie Prostituierte war? Leute, vielleicht, die nicht so gut gerochen haben, weil sie nicht in geordneten Verhältnissen lebten, sondern auf der Straße? Auch mit ihnen will Jesus offensichtlich zusammen sein, er kommt in ihr Haus, lässt sich anrühren im wahrsten Sinne des Wortes. Es scheint ihm gleichgültig gewesen zu sein, was andere darüber dachten, wie sie ihn dadurch beurteilten.


Er hatte die innere Freiheit, sich mit Menschen zu umgeben, die ihn interessierten, und nicht mit Menschen, die ihm nützlich sein könnten.
Das war eine Provokation und führte zu sehr unterschiedlichen Reaktionen. Der Evangelist Markus erzählt, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer sich darüber empörten. Jesus galt ja im Grunde als einer der ihren, auch er wurde als Lehrer der Schrift respektiert. Und so sahen sie wohl das Ansehen der eigenen Klasse gefährdet, wenn einer der ihren sich in solche Gesellschaft begab. Vorstellen können wir uns das auch in unserer Zeit nach dem Motto: Sage mir, mit wem du isst und ich sage dir, wer du bist. Bei denen, die die Gesellschaft als unwürdig ansahen, in die Jesus sich da begab, wird Verachtung den Ton angegeben haben: Dass der sich mit solchen Leuten abgibt, das schlägt auf ihn selbst zurück, disqualifiziert ihn.


Und die Jünger. Ob sie sich dafür geschämt haben, dass der Mann, dem sie nachfolgten, solche Leute einlud? Beziehungsweise zu solchen Leuten ins Haus ging? Vielleicht wären sie entspannter gewesen, wenn Jesus mit den Pharisäern und Schriftgelehrten gespeist hätte. Dann wäre ja auch ihr Status angehoben worden – schaut mal, mit wem wir Umgang haben! In höchsten Kreisen hat unser Anführer Zugang. Das ist glatt wie eine Einladung zum Sommerfest des Bundespräsidenten – eine Auszeichnung!


Der Dreh- und Angelpunkt in der Erzählung von Markus ist die Gemeinschaft.
Es geht bei ihr nicht um die soziale Stellung, sondern um das Dazugehören. Es ist gar nicht so wichtig, wer da sitzt, sondern dass die Menschen, die an einem Tisch sitzen, sich wirklich wahrgenommen fühlen mit ihrem individuellen Leben, ihren Erfolgen und ihrem Scheitern, mit ihren Lebensfragen und Lebenslagen. Jesus überschreitet soziale und wohl auch religiöse Grenzen, weil er deutlich machen will: Vor Gott ist jeder Mensch eine besondere Person, ganz unabhängig von dem Status, den die Gesellschaft ihm zugesteht. Gott lädt sie ein, die Frauen und Männer, die mit Religion und die ohne Religion, die mit Status und die ohne Status. Und sie fühlen sich offenbar wohl am Tisch mit ihm, weil sie nicht nur Schmuck sind oder aus Pflichtgefühl eingeladen, sondern Teil des Geschehens und tatsächlich herzlich willkommen. Jesus interessiert sich für sie ganz persönlich.


Gehen wir damit in die Zeit Martin Luthers. Wir haben es schon gehört, Lucas Cranach hat Wittenberger Bürgerinnen und Bürger an den Abendmahlstisch gesetzt in seinem wunderbaren Bild. Was sie wohl gedacht haben, als sie sich und andere da wieder erkannten? Auch wir sind eingeladen? Oder: Was, auch der? Und warum die und ich nicht?
Das Bild setzt eine zentrale theologische Erkenntnis der Reformation um: Wir alle sind Sünder. Das klingt etwas altbacken und abgedroschen.


Gemeint ist: Du kannst niemals, so sehr du es versuchst, absolut makellos und völlig schuldfrei vor Gott durchs Leben gehen. Niemand soll sich da über den anderen erheben nach dem Motto: Schaut euch den Versager mal an! Dafür sind wir alle anfällig, wenn wir die Klatschteile selbst der seriösen Presse lesen. Da wurde eine beim Lügen ertappt, ein anderer beim Seitensprung und in gewisser Weise ergötzen sich die anderen daran. Dass wir alle „simul iustus et peccator“, „Gerechte und Sünder zugleich“ sind, wie Luther sagt, daran gilt es sich immer wieder zu erinnern. Da erhebe sich niemand über den anderen.


Aber machen wir uns nichts vor: Auch an einem Tisch ist es nicht immer nur harmonisch nach dem Motto: Ach wie schön, da kommen wir Sünder mal alle zusammen. Oh nein, da kommen auch Streit und Auseinandersetzung auf die Tagesordnung, sonst wäre der Tisch ja eine einzige Heuchelei. Vor Kurzem habe ich den Film „Im August in Osage County“ gesehen. Er dreht sich eigentlich nur um einen einzigen Abend, an dem eine Familie sich zum Essen versammelt. Die Wahrheiten, die da aufgetischt werden, sie sind zum Teil niederschmetternd. Das Verhältnis der Paare zueinander, die Beziehungen zu den Kindern, sie werden knallhart ausgesprochen und so manche Fassade bröckelt...
Aber es kann ja auch sein, dass gerade das gut und gemeint ist?


Hat Lucas Cranach die Wittenberger vielleicht genauso darstellen wollen: Ohne Fassaden. Gar mit ihren Schwächen und Ängsten? Humor hatte Cranach ja durchaus. In der Predella, also dem Fuß des Altars, hat er einige Menschen abgebildet, die während der Predigt von Martin Luther ein Schwätzchen halten – so etwas gab es also sogar beim großen Reformator! Sünder also? Es sind gut situierte, gut bürgerliche Wittenberger, die Cranach um den Tisch versammelt. Das Sündersein verläuft also quer zum  äußeren Anschein und trifft genau die Mitte der Gesellschaft.
O ja, ich weiß, der Begriff Sünde ist out. Es sei denn, es geht um Diätfragen, bei denen dann ein Eis Sünde ist oder der Griff zum Stück Sahnetorte. Das hätte Martin Luther nun ganz gewiss lächerlich gefunden! Sünde, das war für ihn die Entfernung von Gott. Und Sünder Menschen, die meinen, ganz und gar Macher ihres eigenen Lebens zu sein. Diejenigen also, die die Karten auf den Tisch knallen nach dem Motto: Meine Frau, mein Haus, mein Auto. Alles selbst erreicht, ein Macher, erfolg-reich.


Und genau da kehrt sich die Sache um: Diejenigen, die mit Jesus am Tisch sitzen, werden nur nach den Maßstäben der Welt degradiert. Gerade weil sie unsicher sind, ob sie an diesem Tisch überhaupt sitzen dürfen, gehören sie eher zu den Heiligen. Denn das waren für Luther nun gerade nicht makellose, fehlerfreie Menschen, sondern diejenigen, die wissen, dass sie ganz und gar auf Gottes Zuwendung angewiesen sind.


Am Tisch Gottes eingeladen und versammelt, verschieben sich die Kategorien!


Es ist anrührend, dass Cranach Martin Luther selbst an diesen Tisch gemalt hat und sich vermutlich selbst als Mundschenk. Alle sitzen mit ihrer Geschichte an einem Tisch...
Ja, es sind tatsächlich alle eingeladen. Das umzusetzen fällt uns manchmal auch heute in der Kirche schwer. Ich denke an eine Situation, als ich in eine Kirche ging und der Verkäufer einer Obdachlosenzeitung zu mir sagte: „Frau Käßmann, sagen sie den Leuten bitte, dass sie im Anschluss eine Zeitung bei mir kaufen sollen“. Ich sagte: „Okay, aber wollen Sie nicht mit hinein kommen“. Darauf er: „Ach, da passe ich nicht hin, da fühle ich mich nicht wohl!“.


Wie schade, dachte ich. Was müssten wir tun, damit er gern dabei ist im Gottesdienst und wir uns freuen, das Abendmahl mit ihm zu teilen? Warum fühlen sich viele in der Gemeinschaft der Christen nicht wohl? Könnte es sein, dass wir manchmal nur so tun, als ob wir offen sind für alle, auch für die Zöllner und Huren, die Banker und Obdachlosen, es in Wirklichkeit aber gar nicht sind? Oft bleiben wir doch ganz gern unter uns, sind mit denen zusammen, die sich auskennen in der Kirche. Und das spüren dann andere, die am Tisch sitzen wie ich in Buenos Aires, aber spüren, dass sie nicht wirklich eingeladen sind, sondern nur geduldet. Dass es kein echtes Interesse an ihnen gibt, sondern dass die Einladung nur eine Pflichtübung ist, aus der die anderen Anwesenden sich gern so schnell wie möglich verabschieden würden.


Aber manchmal gelingt es und das sind dann wunderbare Erfahrungen, die das Evangelium ganz aktuell lebendig werden lassen.


Ich denke an die geöffneten Kirchen am Ende der DDR Zeit. Da hat mancher gemunkelt in Ost- aber auch in Westdeutschland: Ist es denn richtig, für all diese Leute, die Bürgerrechtler, die Ausreisewilligen, die Umweltaktivisten die Kirche zu öffnen? Ist das denn gute Gesellschaft? Oja, es war beste Gesellschaft, die eine friedliche Revolution in Gang setzte!
Ich denke an die vielen Gemeinden, die heute Flüchtlinge einladen bis hin zum Kirchenasyl. Sie eröffnen einen Tisch für Menschen, die mit Angst, geplagt von Albträumen in unser Land kommen. Traumatisiert sind sie vom Krieg, Angehörige haben sie verloren und ihre vertraute Heimat. Sie brauchen einen Tisch des Friedens statt der grölenden Horden von Neonazis. Ja, eine Mahlzeit, die wir teilen, Geschichten, die wir erzählen, sie schaffen Frieden und sie beheimaten uns und die, die ihre Heimat verlassen mussten.


Liebe Gemeinde, ein gedeckter Tisch, an dem Menschen zusammenkommen, miteinander essen und trinken, lachen, sich ihre Lebensgeschichten erzählen, aber auch streiten im besten Sinne und ringen um die Zukunft, das ist ein wunderbares Symbol der Gemeinschaft. Ich freue mich, dass durch das Abendmahl diese Tischgemeinschaft im Zentrum unserer Kirche steht durch all die Jahrhunderte.


Es bleibt ein Stachel, dass wir nicht als Christen aller Konfessionen gemeinsam an diesen Tisch kommen können - auch das ist Erbe der Reformationszeit. Bis dieses Ziel erreicht ist, werden wir offenbar noch viel Geduld und Engagement benötigen. Aber dass wir die Reformationsgeschichte heute als unsere gemeinsame ansehen, dass wir Sehnsucht haben nach dieser Gemeinschaft, die damals zerbrochen ist, das ist ein großes Zeichen der Hoffnung.


Zuletzt: Nicht die Kirche gibt ein Fest. Nein, Gott gibt ein Fest, so werden wir es alle gleich singen. Und alle sind eingeladen, die Armen und die Reichen, die Glücklichen und die Traurigen, die Alten und die Jungen, die Einheimischen und die Zugereisten, die Hausbesitzer und die Flüchtlinge. Das gelingt nicht, weil wir das so wunderbar hinbekommen, sondern weil Gott tatsächlich Interesse hat an Menschen, die „Sünder“ sind,- die also Mängel haben, scheitern im Leben, Fehler machen. Gott verachtet sie nicht, das zeigt Jesus. Dieser Tisch, der für alle gedeckt ist, ist ein Vorgeschmack auf Gottes Zukunft, in der Leid und Unrecht ein Ende haben werden. Diese Zukunft kann schon Jetzt und Heute beginnen, wenn wir einander einladen, uns zusammensetzen und das Leben miteinander feiern.


Ich wünsche uns, dass wir uns um diesen Tisch nicht aus Pflichtgefühl versammeln, sondern aus Freude an der Gemeinschaft. Dass wir andere nicht einladen, weil man das halt tut, sondern weil wir neugierig auf sie sind. So können das Abendmahl und auch die Tischgemeinschaft im Alltag zu bereichernden werden, weil alle sich ganz persönlich willkommen geheißen fühlen.
Amen.
 

Perikope
13.09.2015
2,15-17

Was wirklich seltsam ist - Predigt zu Markus 7, 31-37 von Martin Schewe

Was wirklich seltsam ist - Predigt zu Markus 7, 31-37 von Martin Schewe
7, 31-37

Was wirklich seltsam ist

Das Markusevangelium erzählt von Jesus:

„Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“

Soweit die Erzählung aus dem Markusevangelium, liebe Gemeinde. Ich schlage vor, wir sehen uns die Personen, die in der Erzählung vorkommen, noch einmal genau an. Zuerst Jesus.

(1) Jesus befindet sich auf der Reise. Die Erzählung beginnt mit einer Beschreibung der Reiseroute. Wenn Sie die Ortsangaben auf der Landkarte nachgucken – vorn in Ihrer Bibel finden Sie wahrscheinlich eine –, werden Sie feststellen: Entweder nimmt Jesus einen Riesenumweg, oder der Evangelist Markus kennt sich in der Geographie Palästinas nicht besonders gut aus. Im Einzelnen scheint es auf die Ortsangaben nicht weiter anzukommen. Nur das Ziel, zu dem die Wanderung führt, könnte wichtig sein: das Gebiet der Zehn Städte. Es liegt im Ostjordanland. Dort war Jesus im Markusevangelium schon einmal und hat ein spektakuläres Wunder getan. Warum er zurückkehrt, erfahren wir nicht. Darauf scheint es ebenfalls nicht anzukommen. Die Einheimischen können sich aber offenbar an Jesus erinnern, denn sie bringen wieder einen Hilfsbedürftigen zu ihm. Wichtig könnte daran sein, dass die Bewohner der Zehn Städte Heiden sind, also keine Juden. Trotzdem erwarten sie von dem Juden Jesus, dass er den Taubstummen heilt.

Er soll ihm die Hand auflegen, bitten sie. Doch was Jesus tut, bekommen die Leute nicht mit. Er führt den Taubstummen nämlich fort. Was dann passiert, ist seltsam. Die Wunderheilungen, von denen das Markusevangelium zuvor erzählt hat, klangen so, als fielen sie Jesus ganz leicht. Oft genügte ihm ein einziger Satz, ein bloßer Befehl, und der Kranke war gesund. Bei dem Taubstummen dagegen muss sich Jesus richtig anstrengen. Nachdem er ihn beiseite genommen hat, fort von den Leuten, nimmt er eine Art medizinischer Behandlung vor. Jesus steckt dem Patienten die Finger in die Ohren und benetzt ihm die Zunge mit Speichel. Der Speichel von Jesus ist gemeint, auch wenn uns das unappetitlich vorkommt. Aber so dürften sich die Menschen in der Antike einen Wunderarzt vorgestellt haben: jemanden, der geheimnisvolle Riten praktiziert und magische Berührungen beherrscht. An dieser Stelle der Erzählung wirkt Jesus wie ein solcher Zauberer.

Weiter heißt es, dass er zum Himmel aufblickt und seufzt. Das soll wohl heißen, dass er um Beistand von oben bittet und daraufhin ein Heilgeist über ihn kommt. Dann sagt Jesus: „Hefata!“ Das ist Aramäisch, doch der Evangelist kommt uns zur Hilfe und übersetzt, was Jesus dem Taubstummen befiehlt. „Hefata!“ heißt: „Tu dich auf!“ Damit ist die Behandlung abgeschlossen.

(2) Wir wollten uns die Personen genau ansehen, die in der Erzählung vorkommen. Von dem Taubstummen haben wir bisher nicht viel erfahren. Wir erfahren auch jetzt nicht viel von ihm, und das ist wieder seltsam.

Dass der Kranke nicht selber zu Jesus geht und um Hilfe bittet, sondern zu ihm gebracht werden muss, hängt mit seiner Krankheit zusammen. Als Taubstummer wird er von Jesus noch nie etwas gehört haben. Was Jesus mit ihm anstellt, lässt er widerstandslos über sich ergehen. Dann befiehlt ihm Jesus: „Tu dich auf!“ Auch das kann ein Gehörloser eigentlich nicht verstehen. In diesem Fall allerdings doch. Denn der Erzähler fährt fort: „Sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.“ Das ist alles. Danach wird der Geheilte nicht mehr erwähnt. Dass er auf einmal richtig redet, ist wichtig, weil es beweist, dass der Kranke tatsächlich gesund geworden ist. Aber was er sagt – ob er sich bei Jesus bedankt oder Gott lobt, wie es sich in einer anständigen Wundergeschichte gehört –, bleibt offen. Falls der Evangelist darauf hinauswill, dass der Geheilte von nun an die Taten und Worte Jesu weitererzählt, deutet Markus es nur an.

Dafür lässt er die Leute wieder auftreten, die den Taubstummen zu Jesus gebracht haben. Von ihnen haben wir schon gehört, dass sie Heiden sind, keine Juden. Trotzdem erwarten sie, dass Jesus dem Taubstummen hilft. Das Wunder selbst erleben die Leute nicht mit. Es spielt sich ausschließlich zwischen Jesus und dem Kranken ab. Umso eifriger sprechen die anderen hinterher davon. Das ist wohl die seltsamste Stelle in der Erzählung: Als Jesus verbietet, über die Sache zu reden, spricht sie sich erst recht herum. Im Markusevangelium passiert das häufig. Jesus möchte nicht, dass seine Wunder bekannt werden, doch sie können gar nicht verborgen bleiben.

(3) Wir haben Jesus betrachtet, wie er ein Wunder tut, den Taubstummen, an dem er das Wunder tut, und die Leute, die es überall herumerzählen. Dabei sind uns in der Erzählung aus dem Markusevangelium ein paar Stellen aufgefallen, die uns seltsam erschienen. Deshalb sollten wir uns noch jemanden ansehen, der in der Erzählung eine Rolle spielt, und zwar den Erzähler selber, den Evangelisten Markus. Er kommt zwar in seiner Geschichte nicht persönlich vor. Von ihm stammt sie jedoch, und vermutlich hat er sich etwas dabei gedacht, dass er sie so und nicht anders erzählt.

Stellen wir uns für einen Moment vor, Markus plant, die Erzählung zu verfilmen, und wendet sich mit dieser Idee an einen Filmproduzenten. Voraussichtlich hätte der Filmproduzent ein paar Verbesserungsvorschläge. „Schon der Anfang deiner Geschichte taugt nichts für einen Film“, würde er etwa sagen. „Langweile die Zuschauer bloß nicht mit irgendwelchen Wegbeschreibungen.“ Das leuchtet Markus ein. In Geographie kennt er sich ohnehin nicht besonders gut aus. Der Anfang des Films wird also geändert. „Und soll dein Jesus wirklich so ein Zauberdoktor sein?“, fragt der Produzent weiter. „Einer, der dem Kranken in den Ohren bohrt und ihm seine Spucke auf die Zunge schmiert?“ Nein, das ist wirklich zu eklig und muss ebenfalls geändert werden. „Und dieser Taubstumme – freut er sich nicht, als Jesus ihn heilt? Am besten erfindest du für ihn einen ausführlichen Lebenslauf. Erst ein ganz armer Teufel, dann der glücklichste Mensch auf der Welt. So etwas gefällt dem Kinopublikum. Vergiss nicht, eine Liebesgeschichte einzubauen.“ Markus verspricht, sein Möglichstes zu tun. „Und das Ende“, sagt der Filmproduzent noch,  „das Ende geht gar nicht. Was denkt sich Jesus bloß dabei, dass niemand über die Sache reden soll? Deshalb tut er doch Wunder: damit alle merken, was für ein toller Kerl er ist.“

Spätestens jetzt hat Markus einige Einwände. Was der Filmproduzent von ihm verlangt, ist überhaupt nicht mehr seine Erzählung. Als Drehbuch eignet sie sich vielleicht nicht. Als Erzählung jedoch findet Markus sie nach wie vor ganz in Ordnung. Schließlich hat er sich etwas dabei gedacht. Auf den Lebenslauf des Taubstummen kann man gut und gern verzichten. Man versteht auch so, wie isoliert und benachteiligt der Mann sein muss. Ihm eine Liebesgeschichte anzudichten, wäre erst recht überflüssig. Es genügt, dass der Kranke am Ende hören und richtig reden kann. Vor allem aber glaubt Markus nicht, dass Jesus Wunder tut, um dadurch populär zu werden. Deswegen erzählt der Evangelist ja, dass Jesus den Taubstummen beiseite nimmt, bevor er ihn heilt, und dass er das Wunder geheim halten möchte: weil Jesus viel mehr ist als ein toller Kerl, der die ungewöhnlichsten Kunststücke kann. Nicht das Wunder ist die Hauptsache in der Erzählung, sondern wer Jesus wirklich ist und was er für uns bedeutet.

Damit sind wir bei der letzten Personengruppe, die in der Erzählung vorkommt: bei ihren Hörerinnen und Hörern; bei uns also, liebe Gemeinde. Wir kommen am Schluss der Erzählung vor.

(4) Die Menschen im Gebiet der Zehn Städte, wo sich das Wunder ereignet, können das, was dort geschehen ist, nicht für sich behalten. Jesus hat ihnen zwar verboten, darüber zu reden, aber die Menschen sind viel zu erschrocken und zu aufgeregt, um sich um das Verbot zu kümmern. Was sie von dem Wunder erzählen, fasst der Evangelist Markus im letzten Satz der Erzählung zusammen: „Er hat alles wohl gemacht,“ sagen die Menschen demnach; „die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“ Das ist nicht einfach eine Kurzfassung der vorangegangenen Geschichte. Das ist ein Zitat aus der Bibel, aus dem Buch Jesaja.

Die Bewohner der Zehn Städte sind Heiden. Woher sie das Buch Jesaja kennen, verrät uns der Evangelist nicht. Das muss er auch nicht, denn hier geht es nicht mehr um die Personen innerhalb der Geschichte. Mit seinem letzten Satz wendet sich der Erzähler an uns Hörerinnen und Hörer. Wir sind zwar ebenfalls Heiden, jedenfalls die meisten von uns, nämlich keine Juden. Aber das Buch Jesaja steht auch in unserer christlichen Bibel, und wir können die Stelle, die Markus zitiert, darin nachlesen. Genau das sollen wir tun, möchte der Evangelist. Dann merken wir, dass in seiner Erzählung auch von uns die Rede ist. Nicht das Wunder ist darin die Hauptsache, haben wir schon festgestellt. Markus erzählt, wer Jesus wirklich ist und was er für uns bedeutet. Das zeigt sich vor allem im letzten Satz, dem Jesaja-Zitat: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“ Werfen wir daher einen Blick in das Buch des Propheten Jesaja.

Der Prophet schildert, was das Volk Israel von Gott zu erwarten hat, wenn er es aus der Gefangenschaft befreit. Dann werden ganz viele Wunder geschehen, schreibt Jesaja. Nicht nur die Tauben und Stummen macht Gott gesund, auch die Blinden und die Lahmen – alle Kranken. Die Wüste wird fruchtbar. Reißende Tiere wird es dort nicht mehr geben. Schmerz und Seufzen sind zu Ende. Diese ganze Aufzählung steckt dahinter, wenn uns der Evangelist Markus von Jesus sagt: „Er hat alles wohl gemacht.“ Denn in Jesus Christus ist der Gott Israels zu uns gekommen und auch zu unserem Gott geworden. Auch wir können uns freuen, wie viel wir von ihm zu erwarten haben. Die ganze Welt wird neu.

Mit diesem Versprechen endet die Wundererzählung aus dem Markusevangelium, die uns so seltsam erschien. Seltsam bleibt sie und muss sie bleiben, eine ganz und gar erstaunliche Erzählung, weil sie nicht nur von dem einen Wunder handelt, das Jesus an dem Taubstummen tut, sondern zugleich davon, was er für uns alle tut.

(Die Jesaja-Stelle, auf die sich Markus bezieht, steht Jes 35,5ff. Als Sekundärliteratur habe ich verwendet: Ludger Schenke, Das Markusevangelium. Literarische Eigenart – Text und Kommentierung, Stuttgart 2005. Zum Predigttext vgl. dort S.190f.)

Perikope
23.08.2015
7, 31-37

Die Brücke trägt - Predigt zu Markus 7,31-37 von Martin Schmid

Die Brücke trägt - Predigt zu Markus 7,31-37 von Martin Schmid
7, 31-37

Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Effata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. (Mk. 7, 31-37)

Liebe Gemeinde!

Im Gebiet von Tyrus und Sidon hatte sich Jesus aufgehalten. Das waren phönizische Städte, das war Ausland für ihn und lag jenseits der Grenzen des Landes. Viele werden zwar seine Sprache verstanden haben. Aber zuhause war er dort nicht. Es wehte dort ein anderer Wind. Und dann kam er an den See, der für manche „Galiläisches Meer“ heißt, für andere „See Genezareth“; mal muss den einen, mal muss den anderen erklärt werden, was gemeint ist. Doch blieb er nicht etwa in Kapernaum oder in sonst einem der vertrauten Orte am See, sondern ging hinüber ins Gebiet der Zehn Städte. Das liegt am östlichen Seeufer und war schon wieder eine Art Fremde, war heidnisch durchsetzt und den Frommen deshalb verdächtig. Konnte Jesus sich dort verständlich machen?  Sein Aramäisch zumindest musste man manchen erst übersetzen.

Der Behinderte, dessen Gehör geschädigt war, kannte das längst. Nie hatte man ihn richtig verstanden, soweit er zurückdenken konnte. Man nannte ihn den Stammler. Er wiederum war ständig am Deuten und Übersetzen und Ablesen von den Lippen. Die Leute versuchten es bei ihm, wenn sie gutwillig waren, mit der Zeichensprache. Auch er selbst bemühte sich, auf diese Weise eine Brücke zu schlagen zu seinen Mitmenschen. Einfach war es nie. Nun kamen wieder welche zu ihm und bedeuteten ihm, er müsse unbedingt mitkommen. Er wird gezögert haben, und es könnte dann wieder von ihm geheißen haben, er sei so misstrauisch. Irgendwie brachten sie ihn trotzdem zu Jesus. Und Jesus baten sie mit allerlei Gesten und dringlich hochgezogenen Augenbrauen, er möge den Stammler hier behandeln, den Gehörlosen. Die Hände solle er ihm auflegen. Und zeigten ihm wohl ihre eigenen Hände und legten sie sich selbst wohl auf Ohren und Mund, damit er verstand.

Da nahm ihn Jesus beiseite. Er musste dazu nicht viel sagen. Er musste ihm nur den Arm um die Schultern legen.

So standen sie beieinander. Jesus legte ihm die Finger in die Ohren, in das eine, dann in das andere. Darauf hieß er ihn die Zunge herausstrecken. Und mit seinem Speichel berührte er die Zunge des Behinderten. Auch dass Jesus jetzt zum Himmel aufblickte, wird der Stammler gesehen und dass Jesus seufzte, wird er gespürt haben. Mit dem Seufzen kannte er sich aus. Die Lippen Jesu bildeten darauf ein „e“ und ein „ff“. Das war nicht schwer abzulesen und auch nicht schwer zu verstehen. Es war aramäisch, war der Anfang von „Effata“ und bedeutete „Tu dich auf!“ Seine Ohren taten sich auf. Seine Zunge begann sich zu regen. Er redete. Richtig. - Über eine Dichterin, Hilde Domin, hat man nach ihrem Tod geschrieben: „Vielleicht hat sie in Gedanken auf einer Fähre gewohnt, ständige Überfahrt. Sie hat uns viele kleine Fähren hinterlassen ..“ Eine Fähre ist die Verbindung zwischen zwei Ufern. Wenn wir richtig reden können, entsteht eine Verbindung. Da werfen wir etwas zum Mitmenschen hinüber „wie ein Tau von einem Schiff ans Land“. Wenn wir richtig reden können, kommen wir an bei unserem Mitmenschen, wir können bei ihm landen. In dieser glücklichen Lage war nun der Mensch, dessen Verbindungen immer behindert gewesen waren, solange er nicht richtig reden und nicht richtig hören konnte.

Nicht wirklich glücklich aber wurden die, denen man die Geschichte seiner Heilung erzählte. Die Sache mit dem Speichel des Heilands auf der Zunge des Behinderten – eigentlich ein bisschen peinlich, fanden manche. Sogar die Evangelisten des Neuen Testaments scheinen das so empfunden zu haben; keiner von ihnen, weder Matthäus noch Lukas noch Johannes, übernahm diese Heilungsgeschichte aus dem Markus-Evangelium. Auch die Ohrenöffnung mit den Fingern mag ihnen seltsam erschienen sein. Vergessen wurde die Geschichte trotzdem nicht. Zumal sie im Gottesdienst seit je einen starken Widerhall fand, in den Gebeten und Liedern, aber auch auf den Kanzeln. „Den Tauben öffne das Gehör“, „Tu auf den Mund zum Lobe dein“, „Öffn‘ uns die Ohren und das Herz“, „Öffne meine Ohren, Heiliger Geist, öffne mein Herz“ so und so ähnlich tönte und tönt es durch die ganze Christenheit und durch ihre Gottesdienste von den Lippen der Beter, von den Lippen der Prediger, von den Lippen der Choräle singenden Gemeinde. Dass man nicht richtig hört und dass man eigentlich nur stammeln kann -  die Erfahrung jenes Einzelnen, dem Jesus geholfen hat, ist eine Erfahrung der vielen, die sich zum Gottesdienst versammeln oder es eben aus solchen Gründen nicht mehr tun.

Im Gottesdienst wiederholen sich aber bisweilen gerade auch die glücklichen Erfahrungen, von denen diese Heilungsgeschichte berichtet. Weil es dort geschehen kann, dass Jesus einen, der sich müht mit Singen, Beten, Zuhören, auf einmal ein wenig auf die Seite nimmt und ihm den Arm um die Schultern legt.

Man müsse dem Volk aufs Maul sehen, hat auch Martin Luther allen nahegelegt, die versuchen, Worte der Heiligen Schrift zu dolmetschen und mit dem Bibelwort bei ihren Mitmenschen zu landen. Denn noch die Ausleger haben es nötig, von denen zu lernen, die nicht recht hören können. Gerade die zu predigen, zu übersetzen, auszulegen haben, dürfen keinesfalls auf die Stammler heruntersehen. Vielmehr sind sie nach Luthers Meinung selbst darauf angewiesen, anderen „aufs Maul zu sehen“.

Und Jesus war nun so weit gegangen, einen solchen Stammler beiseite zu nehmen, ganz für sich. Denn mit solchen ist er verbunden. Mit solchen seufzt er. Für sie übersetzt er seinen Ruf „Effata“ in eine Sprache, welche auch die Belasteten verstehen.

Jesus Christus ist ein Übersetzer. Nicht nur von einem Ufer des Sees Genezareth zum andern setzt er über, sondern auch von einer Seite des Lebens in eine andere, nämlich von dort, wo man Gott ferne zu sein scheint, dorthin, wo man ihm nahe kommt.

In sein Übersetzen ist das ganze Leben Jesu hineingezeichnet. Am Ende seines Lebens fasste er selbst diesen Grundzug seines Lebens zusammen, als er ein Stück Brot nahm, dieses signierte mit den Worten „das ist mein Leib“ und es über alle Abgründe hinweg hinüberstreckte zu den Erschrockenen, die um ihn waren. Und als er danach mit einem Becher Wein das gleiche tat, indem er auch den mit den Worten „das ist mein Blut“ hinüber reichte, ja, hinüber setzte zu den Belasteten und ihre Lippen damit netzte.

Manchen war’s peinlich und ist es heute noch, wenn da von Mund zu Mund etwas zu ihnen kommt, von Lippe zu Lippe und direkt auf die Zunge. Für andere ist es wie ein Brief, den sie behutsam öffnen wollen und zu entziffern versuchen. Und wie schön, wenn der Gruß lesbar wird und der Sinn der Botschaft sich allmählich erschließt!

Es ist eine Ruf-Geschichte, mit der wir es heute zu tun haben, die Geschichte einer Berufung. Sie ruft noch immer.

Aber wir rufen ja auch. Wir rufen, wenn wir uns kleiden: wirst du mich sehen? Wir rufen, wenn wir uns abmühen: wirst du’s bemerken? Wir rufen, wenn wir lieben: wirst du’s erwidern? Wir rufen, wenn wir uns verstecken: wirst du mich finden? Wir rufen vor allem und zu allererst, wenn wir beten: wirst du mich hören? Nun nahm Jesus aber diesen Belasteten beiseite. Und das war, als wäre er es, der ruft, als wäre er es, der nun, feierlich gesprochen, einen Ruf nach ihm aussendet. Und nicht nur nach ihm. Weshalb wir, die sonst rufen, uns dann vielleicht zu antworten getrauen, besonders wenn wir beten. Wir hören den Wind, wir hören all die Dinge, die sein Rufen behindern,  das Wehen der Zeit, das Ticken der Uhren, das ewige Rauschen der Wellen, die über den Sand laufen. Und getrauen uns, wenn wir beten, trotz unserm eigenen Rufen und zugleich mit unserem Rufen zu sagen: Ja! Ja, ich hab was gehört. Ja, es kam bei mir etwas an.

Manchmal ist unser Rufen nur noch ein Seufzen. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen. Dann betet es in uns wie von selbst. Es seufzt aus uns. Und das gleicht wohl dem Ruf „hol über!“, mit dem man einstmals den Fährmann gerufen hat, dass er abstößt vom anderen Ufer des Flusses und den Wanderer hinüber setzt. Auch Jesus hat geseufzt, den Arm um die Schultern des Behinderten gelegt. Und zugleich sagte er „Tu dich auf!“ und blickte zum Himmel. Die Evangelien erzählen, der Himmel habe sich schon aufgetan, als Jesus einst am Jordan stand und von Johannes getauft wurde. Nun tat sich der Himmel auf über einem, der nicht hören konnte, der das vielleicht noch nie gekonnt hatte. Nun baute ihm Jesus eine Himmelsbrücke. Und immer, wenn wir versammelt sind in seinem Namen, kann sich das wiederholen. Die Baumeister wollten es deutlich machen, als sie himmlische Bögen in den Kirchen errichteten und Kuppeln über den Kirchenraum wölbten. Die Sänger und Musiker wollen es jedes Mal zeigen, wenn sie die Glaubenden wie unter einem Zelt von Tönen sammeln. Das Brot und der Wein und das Wort, die ausgeteilt werden im Namen Jesu, bringen es uns nahe: Wir müssen nicht leben wie unter einem verschlossenen Himmel. Eine Brücke ist gebaut. Es geht herüber und hinüber: Ich höre, du hörst; ich rede, du sprichst; ich seufze, du verstehst; ich nehme, du gibst; ich versuche, du lässt es gelten; ich gehe und wundere mich, dass die Brücke trägt. Ja, sage ich, ein wenig stammelnd, er hat alles wohl gemacht: die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Amen.

Perikope
23.08.2015
7, 31-37